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Technik und Wissenschaft

Tauriden-Sternschnuppen: Neue Studie bewertet Kollisionsrisiko neu

Jedes Jahr im November kreuzt die Erde den Trümmerstrom der Tauriden, was oft helle Feuerbälle an den Nachthimmel zaubert. Während einige Forschungen in diesem Jahr vor größeren Asteroiden und potenziellen Gefahren durch diesen Schwarm warnen, zeigt eine Untersuchung der University of Maryland deutlich geringere Risiken für die Erde.

Wissenschaftlicher Streit um den Doomsday-Schwarm der Tauriden

Nach Halloween erleuchten die Sternschnuppen der Tauriden regelmäßig den Nachthimmel über Mitteldeutschland. Was zunächst harmlos und spektakulär wirkt, sorgt in der Wissenschaft seit Jahren für eine intensive Debatte. Der Meteorstrom setzt sich laut Mdr-Berichten aus Staub, Kieseln und größeren Brocken zusammen und hängt vermutlich mit dem Kometen 2P/Encke zusammen. Ein in diesem Jahr vorgestellter Forschungsansatz legt nahe, dass sich Teile der Tauriden in einem resonanten Schwarm konzentrieren könnten. Demnach würden sich dort mehr größere Objekte befinden als bisher vermutet, und die Autoren dieser Studie halten es sogar für möglich, dass das Objekt der Tunguska-Explosion in Sibirien aus dem Jahr 1908 aus diesem System stammte.

Ganz anders fallen die Ergebnisse einer zuvor veröffentlichten Untersuchung unter Leitung der University of Maryland aus. Das Forschungsteam nutzte das Spezialteleskop Zwicky Transient Facility an der Sternwarte Mount Palomar in den USA, um den Tauriden-Schwarm während einer günstigen Annäherung an die Erde zu durchmustern. Bisher hat dieses Teleskopprojekt laut den Daten 12.381 Supernovae sowie 231 Asteroiden und Kometen entdeckt. Deutsches Partnerinstitut in dem Projekt ist das Deutsche Zentrum für Astrophysik in Görlitz. Bei der Durchmusterung des Tauriden-Stroms aus dem Jahr 2022 fanden die Forschenden um Quanzhi Ye deutlich weniger große Asteroiden als in früheren Szenarien angenommen. Statt zahlreicher kilometergroßer Objekte könnten sich im Schwarm lediglich neun bis 14 größere Asteroiden verbergen.

Tauriden-Sternschnuppen: Neue Studie bewertet Kollisionsrisiko neu

Helligkeit im Sternbild Stier und der Blick auf die Maxima

Beobachter können die Meteore im Sternbild Stier entdecken, das Anfang November gegen 19 Uhr im Osten aufgeht. Der Strom teilt sich in zwei Maxima auf. Zuerst erreichen die Südlichen Tauriden im Oktober ihre Mitte, gefolgt von der vollen Pracht im November, bei der die Nördlichen Tauriden vom 11. bis zum 12. November ihren Höhepunkt erreichen. Meist zeigen sich dabei nicht mehr als fünf Meteore pro Stunde. Dafür zeichnet sich der Strom durch besonders helle, langsam fliegende Sternschnuppen und spektakuläre Feuerbälle aus, die am Nachthimmel gelegentlich für Verwirrung oder Anfragen bei UFO-Meldestellen sorgen.

Die neuen Beobachtungsdaten stellen auch frühere Vorstellungen über die Herkunft der Tauriden infrage. Bislang gab es Spekulationen, der Schwarm könne von einem gewaltigen Himmelskörper mit einem Durchmesser von bis zu 100 Kilometern abstammen. Die aktuellen Daten sprechen stattdessen dafür, dass das ursprüngliche Objekt deutlich kleiner war und möglicherweise nur etwa zehn Kilometer maß. Dennoch bleibt der Meteorstrom für Astronominnen und Astronomen von großem Interesse, da die Trümmerwolke als natürliches Labor dient, um den Zerfall von Kometen und die Entwicklung von Asteroidenpopulationen im Sonnensystem besser zu verstehen. Wachsamkeit bleibt geboten, da auch kleinere kosmische Brocken wie der Meteor von Tscheljabinsk im Jahr 2013, der mehr als 1.600 Menschen verletzte, erhebliche Schäden anrichten können.

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Clara Vogt

Über den Autor

Clara Vogt verantwortet das Ressort Technik und Wissenschaft. Sie schreibt ueber KI, Digitalisierung, Forschung und Innovation und uebersetzt komplexe Entwicklungen in klaren, belastbaren Journalismus.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.