Mauro Lustrinelli kämpft nach seinem Amtsantritt beim 1. FC Union Berlin mit einem schwierigen Saisonstart in der Bundesliga.
Die ersten Monate für den Schweizer Trainer Mauro Lustrinelli beim 1. FC Union Berlin verlaufen kompliziert. Nach dem 0:7 gegen Bayern München kämpft der Club mit fehlender Konstanz in der Bundesliga. Lustrinelli übernahm das Amt in diesem Sommer von Interimslösung Marie-Louise Eta, nachdem Horst Heldt ihn als neuen Cheftrainer nach dem erfolgreichen Klassenerhalt im Mai präsentiert hatte.
Ein historisch schwerer Start und das Ende der Fünferkette
Die Zahlen nach den ersten Wochen lesen sich für den Verein ungewohnt bitter. Zum Auftakt gab es ein 3:3 gegen Eintracht Frankfurt, dem drei Niederlagen folgten, darunter das 0:7 in München.

Lustrinelli warf dieses traditionelle System jedoch über Bord und setzt auf eine Viererkette sowie ein deutlich höheres Pressing auf dem Platz. Zudem verließen mit Danilho Doekhi und Diogo Leite wichtige Abwehr-Bosse den Verein Richtung Lazio Rom.
Im Zentrum der deutschen Hauptstadt traf Blick den 50-jährigen Tessiner zum Interview, nachdem er seine Komfortzone im Schweizer Fussball verlassen hatte, um in der deutschen Bundesliga ein neues Kapitel zu schreiben. Der Schweizer Meister mit dem FC Thun, der einst als Co-Trainer von Union-Ikone Urs Fischer wirkte und den FORZA!-Award für den Trainer des Jahres 2025/26 erhielt, zeigte sich nach dem enttäuschenden Spiel am vergangenen Freitag gegen Aufsteiger Schalke 04 gezeichnet. Bis spät in die Nacht machte er sich Gedanken über die Partie, an Schlaf war kaum zu denken. Auch Kapitän Christopher Trimmel, der auf dem Platz bislang keine Rolle spielte und meist draußen sitzt, analysierte nach der Partie trocken, dass die Mannschaft schlicht nicht gefestigt sei. Khedira, der auf der Doppelsechs sowie als Zehner eingesetzt wurde, kommentierte den unglücklichen Saisonverlauf und taktische Wechsel mit der Bemerkung, dass der Chef an der Seitenlinie dafür bestimmt seine Gründe haben werde.
Der Umbau zu offensivem und vertikalem Fußball
Trotz des sportlichen Gegenwinds hält der Cheftrainer an seiner sportlichen Ausrichtung fest. Lustrinelli möchte den Club mit offensivem, vertikalem Fussball umbauen und schnell nach vorne spielen, sobald sich eine Möglichkeit ergibt. Auch im Offensivbereich hakt es allerdings noch: Mit vier erzielten Treffern in vier Partien stellen die Berliner die viertschwächste Offensive der Liga.
Wir sind uns bewusst, dass wir Siege brauchen, damit die Glaubwürdigkeit des Projekts gestärkt wird. Und wir wollen einfach weiterarbeiten.
Mauro Lustrinelli, Trainer 1. FC Union Berlin, via 20min
Wie beim Erlernen des Fahrradfahrens kommt die Sicherheit laut Lustrinelli erst dann ganz automatisch, wenn die ersten Hürden überwunden sind.
Die Länderspielpause als Chance für neue Abläufe
Die anstehende Länderspielpause kam dem Trainerteam gelegen, um die Köpfe freizubekommen und im Training taktische Details aufzuarbeiten. Innenverteidiger Leopold Querfeld betonte, dass es im Fußball im Grunde darum gehe, stabil und kompakt zu stehen, um daraus die eigenen offensiven Qualitäten zu entfalten. Auch er erkannte positive Ansätze, räumte jedoch ein, dass in den Abläufen noch nicht alles greift.
Für den Verein geht es nach der Pause im Stadion an der Alten Försterei weiter. Dort empfängt Union Berlin den SV Elversberg, drei Wochen nach der herben Klatsche in München. Trainer Lustrinelli steht nach seinen ersten hundert Tagen im Amt unter Zugzwang, um den Fans die von ihm versprochene, dynamische Spielweise mit den dringend benötigten Punkten zu präsentieren.