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Welt

UN-Vollversammlung stimmt für realistischere Weltkarten

Die UN-Vollversammlung hat eine Resolution angenommen, die zu einer realistischeren Darstellung der Kontinente auf Weltkarten aufruft. Mit 164 Stimmen sprach sich die Mehrheit für die Verwendung der Equal-Earth-Projektion aus.

Die Vereinten Nationen drängen auf eine grundlegende Kehrtwende in der globalen Kartografie. Bei einer Abstimmung am Freitag in der UN-Vollversammlung unterstützten 164 Mitgliedstaaten eine Reform für die Verwendung neuer Weltkarten mit realistischeren Größenverhältnissen. Die Initiative zielt darauf ab, die seit Jahrhunderten dominierende Mercator-Weltkarte durch alternative Darstellungen wie die Equal Earth-Projektion abzulösen. Lediglich die USA stimmten gegen die Annahme der Resolution – ihr Vertreter bezeichnete die Resolution als „überflüssig–, während sich sechs Staaten enthielten.

Die Dominanz der Mercator-Projektion und ihre Folgen

Die bisher gebräuchliche Weltkarte wurde 1569 vom flämischen Kartografen Gerhard Mercator (der 1512 in Flandern geboren wurde) für die Navigation auf See erstellt. Dabei wurden auf Basis der zugrundeliegenden Zylinderprojektion Regionen nahe dem Äquator kleiner gezeichnet als etwa jene nahe den Polen, wodurch Gebiete in den hohen Breitengraden künstlich vergrößert werden. 500 Jahre später ist sie weiterhin weltweiter Standard, schreibt der britische „Guardian“.”

Kritiker weisen seit Jahren – und Historikerinnen und Historiker sowie Geografinnen und Geografen weisen darauf hin, dass die Projektion auf westlichen Stereotypen basiert – darauf hin, dass durch die visuelle Überrepräsentation der nördlichen Hemisphäre im Vergleich zum Globalen Süden Vorurteile verstärkt werden. So erscheint Afrika etwa fast gleich groß wie Grönland, dabei ist der Kontinent 14-mal größer als das dänische Territorium, heißt es in einer von der Zeitung zitierten Petition. Tatsächlich würden die USA, China, Indien, Japan, Mexiko und große Teile Europas in die Fläche des afrikanischen Kontinents passen, und es wäre immer noch Platz. Es würden zudem nicht nur die Größe des Kontinents, sondern damit auch seine allgemeine Bedeutung derzeit falsch dargestellt, so die Petition.

Initiative von Togo und der Afrikanischen Union

Eingebracht wurde die entsprechende UNO-Resolution von Togo und wurde unter anderem von den Staaten der Afrikanischen Union (AU) unterstützt. Der togolesische Außenminister Robert Dussey betonte während der Debatte in der UN-Vollversammlung die psychologische und gesellschaftliche Wirkung von Kartendarstellungen. „Karten prägen unser Verständnis der Welt“, erklärte der togolesische Außenminister Robert Dussey während der Debatte in der UN-Vollversammlung. Sie seien aber niemals neutral. Es bestehe die Gefahr, dass sie „ein verzerrtes Bild unseres Planeten vermitteln und falsche Vorstellungen verfestigen, die von Generation zu Generation weitergegeben werden“.””

Karten prägen unser Verständnis der Welt

Robert Dussey, Außenminister von Togo, via diepresse.com

Darin heißt es ebenfalls, die bisherige Darstellung habe einen langfristigen Einfluss auf die Wahrnehmung der Welt und der Staaten an sich sowie der jeweiligen Grenzen. Sie unterspiele den Wert und Einfluss des afrikanischen Kontinents und verzerre seine Wahrnehmung. Es gehe auch darum, das jeweilige kulturelle Erbe und den jeweiligen Einfluss zu erhalten und wiederzubeleben und historisch bedingte Ungleichbehandlung und damit Diskriminierung abzuschaffen, so die Resolution weiter. Es wird darauf verwiesen, dass Karten auch in der Wissenschaft und Bildung einen großen Einfluss haben. Die verzerrte Darstellung betreffe etwa auch Lateinamerika.

Wissenschaftliche Argumente für die Equal-Earth-Methode

Der Außenminister von Togo, Robert Dussey, gab gegenüber dem „Guardian“ an, es gehe nicht um eine politische, sondern um eine wissenschaftliche Debatte. Das Problem ist, dass die Erde aufgrund der kugelähnlichen Form auf flachen Ebenen wie Seekarten und in Büchern nur bedingt akkurat dargestellt werden kann, heißt es auch in der Resolution. Sie schlägt stattdessen die Nutzung der 2018 entwickelten Methode der Equal-Earth-Projektion (die von einer Gruppe von Geografen erstellt worden war) für die Kartenerstellung vor, um sich bei der Darstellung der Kontinente auf Karten möglichst genau an die tatsächlichen Größenverhältnisse zu halten. Dadurch werden Afrika, Lateinamerika, Südasien und Ozeanien viel größer dargestellt als auf den bisher üblichen Weltkarten. Daneben gibt es noch andere Projektionen, etwa die Gall-Peters-Projektion.”

FULL: UN Votes 164–1 to “Correct the Map” as Africa’s Size & Representation Take Center Stage | AC1E

Reaktionen und möglicher Handlungsbedarf für Institutionen

Während die breite Mehrheit der UN-Mitglieder für den Entwurf stimmte, lehnten die USA die Annahme der Resolution ab und der Vertreter bezeichnete sie als „überflüssig“ (während sich sechs Staaten enthielten). UN-Resolutionen sind nicht direkt bindend, die Abstimmung könnte aber durchaus dazu führen, dass die Debatte neuen Schwung erhält und etwa Schulbücher entsprechend aktualisiert werden. In weiterer Folge sollen internationale Standards für eine korrektere Darstellung der Kontinente in Karten entwickelt werden und Staaten, digitale Plattformen und IT-Firmen, die Zivilgesellschaft und Institutionen wie Schulen auf die Auswirkungen von Projektionen bei der Erstellung von Karten hinweisen und aufklären.”

UN-Vollversammlung stimmt für realistischere Weltkarten
Photo: diepresse.com
LIVE: UN Votes on Historic Map Change to Show Africa’s Real Size | AC15
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Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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