Ukrainische Drohnen haben am Donnerstag zwei weit im Landesinneren gelegene russische Ölraffinerien angegriffen, während russische Angriffe zivile Tankstellen und das Eisenbahnnetz in der Ukraine ins Visier nehmen. Präsident Wolodymyr Selenskyj bestätigte die Treffer in baschkirischen und jaroslawischen Anlagen. Die Eskalation trifft die zivile Infrastruktur beider Länder hart.
Die Angriffe auf die Energieinfrastruktur und das Transportwesen prägen das Geschehen im Konflikt zwischen der Ukraine und Russland. Während Kiew gezielt russische Raffinerien und Depots attackiert, um Moskaus Öleinnahmen zu drosseln, reagieren die russischen Streitkräfte mit verstärktem Beschuss von zivilen Tankstellen, Verkehrsknotenpunkten und Bahnanlagen in der Ukraine.
Angriffe auf Bashneft-Novoil und Slavneft-Yanos in Russland
Das ukrainische Militär hat am Donnerstag zwei große russische Raffinerien angegriffen, wie der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj mitteilte. Betroffen sind die Raffinerie Bashneft-Novoil in Baschkortostan sowie die Anlage Slavneft-Yanos in der Region Jaroslawl. Letztere liegt rund 274 Kilometer nordöstlich von Moskau und gehört zu den größten Ölraffinerien des Landes. Das Werk beschäftigt mehr als 3.500 Menschen und produziert jährlich rund 15 Millionen Tonnen Rohöl, darunter Kraftstoffe für Autos und Düsentreibstoff.
Mikhail Evraev, der Gouverneur der Region Jaroslawl, erklärte, das Gebiet sei von dem bisher grössten Drohnenangriff getroffen worden. Die Luftabwehr und elektronische Kampfführung hätten zwar 93 Drohnen zerstört, herabfallende Trümmerteile hätten jedoch Lagertanks der Raffinerie getroffen und Brände ausgelöst. Es habe vier Verletzte, aber keine Todesopfer gegeben.
„once again worked to limit Russia’s oil revenues, which it uses to finance the war and the killing of Ukrainians.“
Volodymyr Zelenskyy, Präsident der Ukraine, via CNBC
Zivile Tankstellen in der Ukraine im Visier von Drohnen
Während russische Ölanlagen brennen, geraten in der Ukraine zunehmend zivile Tankstellen unter Beschuss. Nach Angaben von lokalen Stellen und Energieanalysten hat Russland seine Kampagne gegen Kraftstoffstationen seit April deutlich intensiviert. Mindestens 246 Tankstellen sind bisher im Land getroffen worden, wie Oleksandr Sirenko von der ukrainischen Energie-Denkfabrik Nafto Rynok berichtet. Im Juli verzeichnete die Nichtregierungsorganisation Centre for Information Resilience 114 russische Angriffe auf Tankstellen, verglichen mit 66 im Vormonat.
In Charkiw warnte Bürgermeister Ihor Terekhov Autofahrer mit dem Appell: Fill up quickly and move on
. Die Angriffe erfolgen laut Sirenko zunehmend mit teuren und destruktiven iranischen Shahed-Drohnen, deren Stückpreis auf 20.000 bis 50.000 US-Dollar geschätzt wird. Wegen der akuten Gefahr haben Polizeibehörden in frontnahen Regionen wie Dnipropetrowsk spezielle Verhaltensregeln erlassen. Autofahrer werden aufgefordert, bei Luftalarm die Tankstellen sofort zu verlassen und im Ernstfall ihre Fahrzeuge stehen zu lassen.
Das ukrainische Schienennetz als Ziel von Panikmache und Sabotage
Neben Kraftstoffstationen steht auch das ukrainische Eisenbahnnetz unter Dauerbeschuss. Oleksandr Pertsovskyi, Chef der staatlichen Bahngesellschaft Ukrzaliznytsia, erklärte in einem Interview, Moskau ziele gezielt auf Passagier- und Transportknotenpunkte ab, um Panik zu schüren und die Wirtschaft zu treffen. Their first aim is to sow panic among passengers, their second aim is to hit the overall economy. These are all, in essence, strikes on civilian infrastructure
, sagte Pertsovskyi.

Die Angriffe erfolgen oft mit Schwärmen aus sechs oder sieben Drohnen, die den Bahnverkehr für sechs bis zwölf Stunden lahmlegen und den kostspieligen Einsatz von Diesellokomotiven anstelle von Elektrozügen erzwingen. Parallel dazu verzeichnet der ukrainische Inlandsgeheimdienst SBU eine wachsende Zahl von Sabotageakten russischer Agenten innerhalb des Landes.
Gegenschläge auf russische Transportwege
Die Ukraine antwortet mit eigenen Operationen gegen die russische Logistik. Der ukrainische Militärgeheimdienst HUR übernahm die Verantwortung für Störungen an Nachschublinien in den Regionen Charkiw und Sumy. Am 13. September wurde der Verkehr auf der Strecke Orjol–Kursk durch Explosionen unterbrochen, wobei bei Räumungsarbeiten in der Region Orjol zwei Soldaten der Nationalgarde getötet wurden. Ein weiterer Angriff auf die Verbindung Sankt Petersburg–Pskow zerstörte 15 Kraftstofftanker und eine Lokomotive.
Die anhaltenden Angriffe auf beiden Seiten verdeutlichen, dass weder die zivile Infrastruktur in der Ukraine noch die Energiewirtschaft tief im russischen Hinterland von den Kampfhandlungen verschont bleiben.