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Technik und Wissenschaft

Tutanchamun-Grab: Messungen deuten auf verborgene Kammern hin

Neue geophysikalische Messungen im Grab des Pharaos Tutanchamun deuten auf ein verborgenes Korridorsystem hin. Forscher vermuten dort die Grabstätte von Königin Nefertiti. Der Oberste Rat für Altertümer in Ägypten muss den geplanten Bohrungen und dem Einsatz von Miniaturrobotern jedoch erst noch zustimmen.

Vor mehr als einem Jahrhundert elektrisierte die Entdeckung des altägyptischen Königsgrabs durch Howard Carter die Welt. Als der britische Archäologe damals einen kleinen Durchbruch wagte und sich seine Augen an die Dunkelheit gewöhnten, fielen sie auf glänzendes Gold in einer ansonsten oft von Grabräubern geleerten Region. Nun steht die Archäologie möglicherweise vor einer vergleichbaren Wende. Hinter der postmortalen Schatzkammer des jungen Herrschers, die unter der Bezeichnung KV62 katalogisiert ist, könnten sich weitere, bisher unentdeckte Räume befinden.

Geophysikalische Spurensuche im Tal der Könige

Das Grab im Tal von Luxor wirft seit seiner Freilegung im Jahr 1922 Rätsel auf. Für eine königliche Grabstätte ist es unerwartet klein. Bereits im Jahr 2015 brachte der britische Ägyptologe Nicholas Reeves die Theorie ins Spiel, dass KV62 ursprünglich nur der vordere Teil einer weitaus größeren Anlage sein könnte. Linien und Risse an der Nordwand sowie veränderte Wandmalereien legten für ihn nahe, dass dort eine künstliche Trennwand eingezogen wurde. Seiner Ansicht nach starb der junge Pharao im Alter von 18 oder 19 Jahren so überraschend, dass man eine bestehende, für eine weibliche Vorgängerin konzipierte Grabstätte erweiterte und den tieferen Bereich abriegelte (Daily Mail).

Tutankhamun’s Tomb May Contain Hidden Chambers Housing The Body Of His Predecessor, Queen Nefertiti
Photo: iflscience.com

Um diese Hypothese zu überprüfen, unternahm ein Forschungsteam um den Archäologen Mamdouh Eldamaty von der Ain Shams University in Kairo in den vergangenen Jahren eine Reihe von Feldkampagnen. Die Ergebnisse fassten die Wissenschaftler nun in einer Untersuchung zusammen, die in den Occasional Papers des Amarna Royal Tombs Project veröffentlicht wurde. Dabei kamen neben Ground-Penetrating Radar (GPR) auch Bodenradar-Messungen aus dem Inneren des Grabes sowie erstmals mikrogravimetrische Verfahren zum Einsatz, um die Dichte des umgebenden Gesteins zu bestimmen.

Hinweise auf ein verstecktes Korridorsystem

Die Auswertung der Daten lässt auf einen rund zwei Meter breiten Korridor schließen, der von der Grabkammer abgeht und dicht mit Schutt verfüllt ist. George Ballard, ein an den Untersuchungen beteiligter Bauingenieur und Präsident der GBG Group, erklärt diesen Befund damit, dass frühere Teams möglicherweise an der falschen Stelle gesucht hatten, indem sie einen großen, leeren Hohlraum direkt hinter der Wand erwarteten. Über 1,200 Messungen auf einer Fläche von 35 Quadratmetern lieferten zudem Hinweise auf Strukturen mit rechten Winkeln und geringer Dichte.

Tutanchamun-Grab: Messungen deuten auf verborgene Kammern hin
Photo: spiegel.de

Besonders die als „Anomalie 7“ bezeichnete Zone erregt das Interesse der Fachleute. Dabei handelt es sich um ein überwiegend bereichsweise dichtearmes Areal mit einer rechteckigen, dichteren Einlagerung, die auf verborgene Gegenstände hindeuten könnte. Dennoch betonen die Beteiligten, dass sich die Messungen an den technischen Grenzen des Machbaren bewegen.”

Die Architektur der Amarna-Zeit als Indiz

Neben den physikalischen Messdaten stützt das Team seine Annahmen auf architektonische Vergleiche. Während Königsgräber jener Epoche standardmäßig nach rechts abbiegende Ausgänge aufweisen, verläuft die Anlage von Tutanchamuns Grab spiegelverkehrt (Daily Mail). Ein solcher links abbiegender Grundriss entspricht der architektonischen Grammatik von Königinnenmonumenten der 18. Dynastie, vergleichbar mit dem Grab von Hatschepsut (Daily Mail). Auch die Wandmalereien in der Grabkammer weisen nach Ansicht der Forscher Spuren auf, die ursprünglich für eine weibliche Herrscherin wie Nefertiti angefertigt und nach dem frühen Tod ihres Stiefsohnes angepasst worden sein könnten (Daily Mail).

New Evidence Behind Tutankhamun’s Tomb — HIDDEN CHAMBERS in KV62?

Sollten sich die Vermutungen bestätigen, rechnen die Autoren der Studie mit gravierenden historischen Konsequenzen.

„Should such an extension eventually be confirmed, it would represent not merely the most important discovery in the Valley of the Kings since the uncovering of Tutankhamun’s tomb in 1922, It could potentially rank among the most transformative archaeological discoveries of the modern era, fundamentally reshaping our understanding of the political, religious, and dynastic history of the Amarna Period itself.“

Forschungsteam des Amarna Royal Tombs Project

Genehmigung für Bohrungen steht noch aus

Ob die Existenz der vermuteten Kammern jemals bewiesen wird, hängt von den ägyptischen Behörden ab. Mamdouh Eldamaty und seine Kollegen haben beim Obersten Rat für Altertümer die notwendigen Genehmigungen beantragt, um von der Oberfläche aus zielgerichtete Bohrlöcher anzulegen. Für den Einsatz sind ferngesteuerte Miniaturroboter vorgesehen, die mit Rundumkameras ausgerüstet sind und durch die engen Öffnungen vorgeschoben werden sollen. Wenn die ägyptische Regierung grünes Licht gibt, könnten die praktischen Arbeiten laut Angaben der Wissenschaftler im November beginnen.

Tutanchamun-Grab: Messungen deuten auf verborgene Kammern hin
Photo: Derstandard
Nofretetes geheime Kammer hinter Tutanchamuns Grab entdeckt – neue Hinweise
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Clara Vogt

Über den Autor

Clara Vogt verantwortet das Ressort Technik und Wissenschaft. Sie schreibt ueber KI, Digitalisierung, Forschung und Innovation und uebersetzt komplexe Entwicklungen in klaren, belastbaren Journalismus.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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