Präsident Trump lobte am Mittwoch, den 10. Juni 2026, den jüngsten Inflationsanstieg auf 4,2 Prozent und erklärte, er „liebe die Inflation“. Im Oval Office begründete er dies mit einer geheimen Militäroperation, durch die die USA Millionen Barrel iranischen Öls sichergestellt hätten, und prognostizierte einen rapiden Preissturz nach Ende des Krieges gegen den Iran.
Die Äußerungen fielen unmittelbar nach der Veröffentlichung neuer Daten des Bureau of Labor Statistics. Der Verbraucherpreisindex (CPI) stieg auf eine Jahresrate von 4,2 Prozent, verglichen mit 3,8 Prozent im Vormonat. Damit erreichte die Inflation den höchsten Stand seit April 2023.
Auf die Frage eines Reporters, ob er über diese Entwicklung besorgt sei, reagierte Trump mit einer ungewöhnlichen Zustimmung. Er bezeichnete die Zahlen als „großartig“ und verknüpfte die Teuerung direkt mit strategischen militärischen Erfolgen im Nahen Osten.
Trumps Strategie: Öl-Sicherstellung als Inflationshebel
Trump behauptete im Oval Office, dass die USA in einer geheimen Operation Millionen von Barrel iranischen Öl in der Nacht aus der Straße von Hormus entnommen hätten. Diese Aktion, so der Präsident, sei bisher geheim geblieben – zumindest für den Iran.

„Wir haben neulich Nacht 22 Schiffe abgefangen, spät in der Nacht, ohne Lichter. Weil sie kein Radar haben, weil wir den ganzen Mist weggeschossen haben. Deshalb liegt der Ölpreis bei 85 Dollar pro Barrel.“Präsident Trump, via CBS News
Kurz darauf konkretisierte der Präsident seine Angaben auf Truth Social. Er gab an, das Militär angewiesen zu haben, eine Geheimmission zur Unterstützung von Öltankern und kommerziellen Schiffen durchzuführen. Laut Angaben des Präsidenten auf Truth Social führte dies dazu, dass mehr als 100 Millionen Barrel Öl den offenen Markt erreichten.
Trump betonte, dass mehr als 200 Handelsschiffe die Passage sicher bewältigt hätten. Er schrieb, dass dies ein Beweis dafür sei, dass die Vereinigten Staaten die Kontrolle über die Straße von Hormus ausüben und nicht der Iran, dessen Militär er als „besiegt“ und dessen Wirtschaft als „verloren“ bezeichnete.
Widersprüche zwischen Präsidialamt und Energieministerium
Die Darstellung des Präsidenten weicht in wesentlichen Punkten von den offiziellen Daten und Aussagen seiner eigenen Regierung ab. Während Trump den Ölpreis mit 85 Dollar bezifferte, lag der Preis für Brent-Rohöl – der internationale Standard – am Mittwochmittag bei etwa 94 Dollar pro Barrel.

Zudem gibt es eine Diskrepanz bei den operativen Details. Energieminister Chris Wright erklärte während einer Kongressanhörung, dass ihm keine Informationen darüber vorlägen, dass die USA Millionen von Barrel Öl aus dem Iran entnommen hätten.
Wright bestätigte lediglich, dass das US-Militär einige Öltanker bei der Durchfahrt durch die Straße von Hormus unterstützt habe und der Ölverkehr in der vergangenen Woche „sehr bedeutsam“ gestiegen sei. Die Behauptung Trumps, Öl in großem Stil physisch sichergestellt zu haben, blieb durch das Ministerium unbestätigt.
Die ökonomische Logik und die Marktprognose
Analystisch betrachtet ist Trumps Argumentation paradox: Normalerweise wird Inflation als wirtschaftliche Belastung gesehen, die Regierungen zu bekämpfen suchen. Trump hingegen nutzt den aktuellen Anstieg als Indikator für den Druck, den die USA auf den Iran ausüben.
Er prognostiziert jedoch, dass die Preise nach dem Ende des Krieges massiv sinken werden.
„Wenn der Krieg vorbei ist? Es geht bereits runter. Es wird wie ein Stein fallen.“Präsident Trump, via CBS News
Neben dem Iran bezeichnete Trump die Operationen in Venezuela als „großen Erfolg“ und betonte, dass die USA aus beiden Ländern Millionen an Ressourcen gewinnen. Trotz der Inflation verwies er auf die US-Aktienmärkte, die laut seinen Angaben „historische Allzeithochs“ erreichen.
Politische Sprengkraft vor den Zwischenwahlen
Die rhetorische Herangehensweise an die Inflation erfolgt in einem hochsensiblen politischen Zeitfenster. In einem Jahr mit Zwischenwahlen kämpfen die Republikaner darum, die Mehrheiten im Repräsentantenhaus und im Senat zu halten. Die steigenden Lebenshaltungskosten gelten als einer der kritischsten Faktoren für die Wählergunst.

Demokraten reagierten prompt auf die Aussagen im Oval Office und verbreiteten Videoclips der Äußerungen in den sozialen Medien. Illinois-Gouverneur JB Pritzker schrieb auf X, dass der Kampf der Bürger gegen die Preise für den Präsidenten ein Witz sei.
Auch Senator Andy Kim aus New Jersey und der demokratische Stratege Jon Cooper griffen die Worte auf. Cooper kommentierte die Situation mit dem Hinweis, dass die Werbespots für die kommenden Wahlkämpfe sich „von selbst schreiben“.
Die Situation wird durch frühere Aussagen verschärft. Im Mai hatte Trump gegenüber Reportern erklärt, er denke nicht über die finanzielle Situation der Amerikaner nach, da sein Fokus im Krieg gegen den Iran darauf liege, zu verhindern, dass die Islamische Republik eine Kernwaffe erlangt.
Während die Kerninflation, die Lebensmittel- und Energiekosten ausschließt, mit 2,9 Prozent im Einklang mit den Prognosen der Ökonomen liegt, bleibt die allgemeine Teuerungsrate der CPI ein politisches Risiko. Die Diskrepanz zwischen Trumps Begeisterung für die Zahlen und der realen Belastung der Haushalte dürfte zum zentralen Thema der kommenden politischen Auseinandersetzungen werden.
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