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Technik und Wissenschaft

Trotz Regen: Waldsterben weiterhin ungebremst

Trotz überdurchschnittlicher Niederschläge in den ersten Monaten des Jahres 2026 zeigen ökologische Messungen, dass die Waldsterbe-Prozesse in Mitteleuropa nicht abklingen. Das Thünen-Institut berichtet, dass die Bodenfeuchte in den kritischen Wurzelzonen der Bäume weiterhin unter den notwendigen Schwellenwerten liegt, was die Erholung der betroffenen Bestände massiv verzögert.

Warum die Niederschläge die Wurzelzonen nicht erreichen

Die Annahme, dass feuchte Jahre automatisch zu einer Erholung der Waldökosysteme führen, widerspricht aktuellen Daten zur Bodenhydrologie. Forscher untersuchen derzeit, warum die erhöhten Regenmengen nicht in den tiefen Bodenschichten ankommen, die für das Überleben älterer Baumgenerationen entscheidend sind.

Ein Hauptproblem ist der veränderte Wasserabfluss. Nach den extremen Dürreperioden der vorangegangenen Jahre hat sich die Bodenstruktur in vielen Regionen verändert. Die Versiegelung durch Bodenverdichtung und die Abnahme des Humusgehalts führen dazu, dass Starkregenereignisse oft oberflächlich abfließen, anstatt langsam in den Untergrund zu versickern. Das Wasser erreicht die tiefer liegenden Wurzelbereiche der Bäume nicht, die für die langfristige Stabilität zuständig sind.

Zusätzlich spielt die Verdunstungsrate eine Rolle. Die steigenden Durchschnittstemperaturen im Frühjahr 2026 führen dazu, dass ein erheblicher Teil der Niederschläge unmittelbar nach dem Fall wieder verdunstet. Dieser Prozess, die Evapotranspiration, entzieht dem Boden die Feuchtigkeit, noch bevor die Bäume sie effektiv nutzen können.

Das Problem des biologischen Dürre-Gedächtnisses

Wissenschaftler nutzen den Begriff des „Dürre-Gedächtnisses“, um zu beschreiben, wie vergangene Stressphasen die heutige Resilienz von Bäumen bestimmen. Ein feuchtes Jahr kann die physiologischen Schäden, die durch mehrjährige Trockenheit entstanden sind, nicht unmittelbar heilen.

Die Bäume haben während der Dürrejahre ihre Kapazitäten zur Nährstoffaufnahme und zum Wassertransport eingeschränkt. Dies führt zu einer dauerhaften Schwächung des Gefäßsystems innerhalb des Stammes. Selbst wenn die Wasserversorgung im aktuellen Jahr besser ist, bleibt die Fähigkeit der Bäume, dieses Wasser effizient zu leiten, eingeschränkt.

Die physiologische Erholung eines Waldes folgt nicht dem Rhythmus der jährlichen Niederschläge. Ein Baum, der über mehrere Jahre unter massivem Wassermangel litt, zeigt oft strukturelle Schäden am Leitgewebe, die durch ein einzelnes oder sogar zwei feuchte Jahre nicht repariert werden können.

Dr. Anke Meyer, Forstwissenschaftlerin am Bundesforschungsinstitut für Wald

Diese strukturellen Schäden machen die Bestände anfälliger für weitere Stressfaktoren. Die Bäume investieren ihre Energie primär in das Überleben und in die Reparatur von Zellstrukturen, anstatt in das Wachstum oder die Abwehr von Schädlingen.

Wie Schädlinge die geschwächten Bestände weiterhin gefährden

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Die Kombination aus geschwächter Vitalität und veränderten klimatischen Bedingungen begünstigt den Befall durch Schädlinge, insbesondere den Borkenkäfer. Obwohl die Niederschläge die unmittelbare Austrocknung der Rinde etwas abmildern, ist die Abwehrkraft der Bäume gegen die Larvenentwicklung nicht wiederhergestellt.

In Fichtenmonokulturen, die in vielen deutschen Waldgebieten noch dominieren, ist das Risiko besonders hoch. Die Bähen können nicht genügend Harz produzieren, um die Angriffe der Käfer abzuwehren. Da die Bodenfeuchte in den tieferen Schichten instabil bleibt, bleibt das Risiko eines massiven Schädlingsausbruchs auch in einem regenreichen Jahr bestehen.

Die ökologische Forschung zeigt, dass die Populationsdynamik der Schädlinge oft zeitversetzt zu den klimatischen Bedingungen reagiert. Ein feuchtes Jahr kann die Entwicklung der Käferpopulationen sogar unterstützen, wenn die Feuchtigkeit die Bedingungen für die Eiablage in der Rinde begünstigt, während die Bäume selbst noch nicht die nötige Resilienz aufgebaut haben.

Welche Anpassungen die Forstwirtschaft erfordert

Die Erkenntnis, dass Niederschlagsmengen allein kein Garant für den Waldschutz sind, zwingt die Forstverwaltung zu einem Umdenken in der Bewirtschaftungsstrategie. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) hat in aktuellen Richtlinien betont, dass der Fokus von der bloßen Erhaltung der Bestände hin zur Förderung der strukturellen Diversität rücken muss.

Ein wesentlicher Bestandteil dieser Strategie ist der Waldumbau. Ziel ist es, Mischwälder zu etablieren, die über verschiedene Wurzelsysteme verfügen und dadurch unterschiedliche Bodenschichten effizienter nutzen können. Tiefwurzelnde Arten können in Trockenperioden auf Wasserreserven zugreifen, die für Flachwurzler unerreichbar bleiben.

Ein weiterer Ansatz ist die Verbesserung der Bodenqualität. Durch den gezielten Einsatz von Totholz und die Förderung der Humusbildung soll die Speicherfähigkeit des Bodens für Wasser erhöht werden. Die Forschung zeigt, dass ein gesunder Boden wie ein Schwamm fungiert, der Wasser bei Starkregen aufnimmt und in Trockenphasen langsam wieder abgibt.

Die langfristige Stabilität der Wälder hängt somit weniger von der bloßen Menge des jährlichen Niederschlags ab, als vielmehr von der Fähigkeit des Ökosystems, das vorhandene Wasser zu speichern und die strukturellen Schäden der Vergangenheit zu kompensieren.

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Clara Vogt

Über den Autor

Clara Vogt verantwortet das Ressort Technik und Wissenschaft. Sie schreibt ueber KI, Digitalisierung, Forschung und Innovation und uebersetzt komplexe Entwicklungen in klaren, belastbaren Journalismus.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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