Bremen ist auf der Jagd nach zwei Männern, die die Stadt in den letzten Wochen in Angst versetzt haben. Es ist eine Serie von Angriffen, die so präzise und zugleich so brutal ist, dass sie die Bewohner der Neustadt, von Walle und Obervieland zutiefst verunsichert. Ein 32-Jähriger ist bereits tot, vier weitere Männer wurden verletzt. Das Besondere an diesen Taten: Die Schützen zielten fast immer systematisch auf die Beine ihrer Opfer. Jetzt hat die Sonderkommission „Fokus“ einen Durchbruch erzielt und zwei Verdächtige identifiziert, die derzeit mit Hochdruck gesucht werden.
Die Jagd auf Osman Sönmez und Ferhat Kocakelci
Die Polizei Bremen hat die Namen und Fotos der Gesuchten veröffentlicht. Es handelt sich um die türkischen Staatsangehörigen Osman Sönmez (35) und Ferhat Kocakelci (39). Die Beamten warnen eindringlich: Beide gelten als gefährlich. Wer die Männer sieht, soll sie unter keinen Umständen ansprechen, sondern sofort den Notruf 110 wählen. Sönmez wird als etwa 1,80 Meter groß beschrieben, mit dunklen Haaren; er soll zudem mehrfach sein äußeres Erscheinungsbild verändert haben, um nicht aufzufallen. Kocakelci ist mit 1,69 Metern deutlich kleiner, hat schütteres schwarzes Haar und trug zuletzt einen Vollbart.
Ein Muster der Gewalt: Die Chronologie des Terrors
Wenn man die Taten im März betrachtet, erkennt man ein erschreckendes Muster. Die Angreifer schlugen auf offener Straße zu, feuerten gezielt auf die Beine und verschwanden schnell wieder aus dem Sichtfeld. Diese Taktik lässt auf eine bewusste Entscheidung der Täter schließen. Die Serie begann am 1. März mit zwei Angriffen innerhalb weniger Stunden: Zuerst wurde ein 43-Jähriger in der Überseestadt/Huckelriede in beide Beine geschossen, kurz darauf erlitt ein 42-Jähriger in Walle/Neustadt eine Schusswunde im Fuß.
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- 17. März: Die Eskalation. Ein 32-Jähriger stirbt in der Neustadt an seinen Verletzungen.
- 28. März: Ein 25-Jähriger wird in der Neustadt mehrfach in beide Beine getroffen.
- 31. März: Ein 60-Jähriger wird im Ortsteil Kattenturm ebenfalls in die Beine geschossen.
Persönliche Motive oder organisierte Kriminalität?
Die entscheidende Frage für die Sicherheit der Bremer Bürger ist das Motiv. Polizeisprecher Nils Matthiesen versucht, die allgemeine Panik zu dämpfen. Er betont, dass nicht wahllos auf Passanten geschossen wurde. Vielmehr deutet alles auf persönliche Motive hin. Dennoch bleibt ein Schatten über den Ermittlungen. Während die Polizei eine direkte Verbindung zur Organisierten Kriminalität (OK) derzeit nicht bestätigt, gibt es im Umfeld der Opfer Hinweise auf die „Daltons“. Diese aus der Türkei stammende Gruppierung ist für extreme Gewaltbereitschaft und Schutzgelderpressungen bekannt.
Ob die „Daltons“ tatsächlich in Bremen aktiv sind, bleibt ein offener Punkt. Die Polizei verneint derzeit Erkenntnisse über einen Einfluss dieser Gruppe in der Hansestadt. Ein weiteres Detail sorgt für Fragen: Das erste Opfer der Serie kam kurz nach dem Angriff wegen einer alten Straftat aus dem Jahr 2016 wieder ins Gefängnis. Ob dieser Umstand mit den Schüssen zusammenhängt, ist noch unklar.
Politischer Druck und die Antwort der Stadt
Innensenatorin Dr. Eva Högl (SPD) lässt keinen Zweifel daran, dass die Stadt diese Gewalt nicht toleriert. Sie dankte der Soko „Fokus“ für den schnellen Erfolg bei der Identifizierung der Täter. Für die Menschen in den betroffenen Stadtteilen ist die Verunsicherung jedoch real. Dass Spezialkräfte sogar über die Landesgrenze nach Niedersachsen ausstrahlten, zeigt, wie ernst die Lage eingeschätzt wird. Die Ermittler sprechen von „bedeutenden Fortschritten“, halten sich aber aus taktischen Gründen mit Details über die beschlagnahmten Beweise zurück.
Was passiert, wenn ich die Verdächtigen sehe?
Sprechen Sie die Männer auf keinen Fall an. Da sie als gefährlich und bewaffnet gelten, besteht ein hohes Risiko. Rufen Sie sofort die 110 an oder melden Sie sich beim Kriminaldauerdienst unter 0421 362-3888.
Warum wurde gezielt auf die Beine geschossen?
Die Polizei vermutet persönliche Motive hinter den Taten. Das gezielte Schießen auf die Beine könnte eine Form der Einschüchterung oder eine spezifische „Botschaft“ innerhalb eines Konflikts sein, anstatt die Opfer unmittelbar zu töten – auch wenn dies im Fall des 32-Jährigen leider doch geschah.
Könnten diese Angriffe Teil einer größeren Mafia-Struktur sein?
Es gibt Hinweise auf Verbindungen zu Gruppen wie den „Daltons“, einer gewaltbereiten türkischen OK-Struktur. Die Polizei Bremen bestreitet jedoch aktuell, dass diese Gruppierung in der Stadt aktiv ist oder Einfluss ausübt. Die Ermittlungen zur vollständigen Aufklärung der Hintergründe laufen noch.