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Technik und Wissenschaft

The Team Behind The Flipper One Needs Your Help

Flipper Devices hat den Flipper One angekündigt, einen taschengroßen Linux-Computer für Netzwerk-Analysen und Hardware-Hacking. Das Gerät ergänzt den Flipper Zero durch leistungsstarke ARM-Hardware und radikal offene Entwicklungsprozesse. CEO Pavel Zhovner plant eine Kickstarter-Kampagne für Ende 2026, um die Community aktiv in die Finalisierung der Hardware einzubinden.

Der Erfolg des Flipper Zero war ein Phänomen. Mit über einer Million verkauften Einheiten und einem Umsatz von mehr als 150 Millionen US-Dollar hat das Unternehmen bewiesen, dass ein Markt für spezialisierte Hardware-Multitools existiert. Doch während der Zero auf Low-Level-Kommunikation wie Infrarot (IR) und NFC spezialisiert war, zielt der Flipper One auf eine völlig andere Ebene ab: die vernetzte Welt.

Die Hardware-Architektur: Ein Dual-Prozessor-Konzept

Der Flipper One ist kein bloßes Upgrade, sondern ein eigenständiges System. Im Zentrum steht eine Co-Prozessor-Architektur, die Flexibilität mit Rechenpower kombiniert. Wie PCMag berichtet, treibt ein achtkerniger RK3576-SoC das System an, bestehend aus vier leistungsstarken Arm Cortex-A72-Kernen und vier effizienten Cortex-A54-Kernen.

Die Hardware-Architektur: Ein Dual-Prozessor-Konzept
cluster (priority): Hackster.io

Diese Rechenleistung wird durch 8 GB RAM und eine Mali-G52 GPU ergänzt. Besonders relevant für moderne Anwendungen ist die integrierte NPU, die eine lokale Ausführung von Large Language Models (LLMs) ermöglicht und eine Leistung von sechs Tera-Operationen pro Sekunde (TOPS) bei INT8-Präzision verspricht.

Um die Energieeffizienz zu wahren, übernimmt ein zweiter Chip – ein Raspberry Pi RP2350-Mikrocontroller – die Steuerung des Displays, des Touchpads und der LEDs. Dieser Aufbau stellt sicher, dass grundlegende Funktionen auch dann operabel bleiben, wenn der Linux-Teil des Geräts ausgeschaltet ist.

Konnektivität und das Konzept des „Cyberdecks“

Während der Flipper Zero als „Multitool für Hacker“ bekannt wurde, ist der Flipper One ein vollwertiger Computer. Die physische Schnittstellendichte ist für ein Gerät dieser Größe extrem hoch. Laut The Verge verfügt das Gerät über PCIe, SATA und USB 3.0-Schnittstellen sowie zwei Ethernet-Ports.

Konnektivität und das Konzept des „Cyberdecks“
cluster (priority): The Verge
  • Netzwerk: Wi-Fi 6E (2.4/5/6 GHz) und zwei Gigabit-Ethernet-Ports.
  • Erweiterbarkeit: Ein M.2-Slot für 5G-Modems, SDR-Module, NVMe-SSDs oder zusätzliche Wi-Fi-Karten.
  • Ausgabe: Ein HDMI 2.1-Port, der 4K-Streaming mit 120 Hz unterstützt.
  • Eingabe: Ein 256×144-Pixel LCD, ein haptisches Touchpad und ein D-Pad.

Diese Ausstattung erlaubt es Nutzern, das Gerät als Router, VPN-Gateway oder Bridge zu betreiben. Durch den Anschluss eines Monitors und einer Tastatur via USB-Hub verwandelt sich der Flipper One in einen mobilen Linux-Desktop.

Software-Philosophie: Mainline-Linux und Flipper OS

Ein kritischer Punkt bei vielen ARM-Geräten ist die schnelle Veralterung durch proprietäre Treiber. Flipper Devices geht hier einen anderen Weg. In Zusammenarbeit mit der Open-Source-Beratungsfirma Collabora wird die Unterstützung des RK3576-Chips direkt in den Mainline-Linux-Kernel integriert, sodass Entwickler direkt über Kernel.org darauf zugreifen können.

Flipper One – we need your help | EP #49

Zusätzlich entwickelt das Team ein eigenes Linux-basiertes Betriebssystem. Das Ziel ist es, die Unzulänglichkeiten herkömmlicher Installationen zu beheben. TechCrunch berichtet, dass das geplante Flipper OS Profile mit vorkonfigurierten Paketen nutzen wird. Dies ermöglicht es Nutzern, zwischen verschiedenen Software-Umgebungen zu wechseln, ohne jedes Mal die SD-Karte neu flashen zu müssen.

Um die Bedienung auf dem kleinen Bildschirm zu optimieren, wird zudem die „FlipCTL“-Schnittstelle eingeführt, die die Steuerung mittels D-Pad und Touch präzisiert.

Radikale Offenheit als Entwicklungsstrategie

Die Ankündigung des Flipper One erfolgt in einem ungewöhnlichen Stadium: Das Gerät ist noch nicht fertig, es gibt keine Vorbestellungen. Stattdessen öffnet Flipper Devices den gesamten Entwicklungsprozess. Über ein öffentliches Entwicklerportal werden interne Diskussionen, Task-Tracker und Debatten geteilt.

Radikale Offenheit als Entwicklungsstrategie
cluster (priority): PCMag

„Der Flipper Zero hat uns gezeigt, was man mit einem eng gefassten, offenen Produkt und einer Community, die es weiter treibt als man selbst, erreichen kann. Der Flipper One ist das Ergebnis, wenn wir denselben Ansatz auf ein viel größeres Problem anwenden – den Bau eines vollständig offenen ARM-Linux-Geräts, das nicht in dem Moment veraltet, in dem es ausgeliefert wird.

Zhovner bezeichnet diesen Ansatz als die Veröffentlichung von „dem ganzen chaotischen Zeug, das Unternehmen normalerweise hinter verschlossenen Türen halten“. Die Intention ist es, „den offensten und am besten dokumentierten ARM-Computer der Welt“ zu schaffen.

Finanzielle Risiken und Markteintritt

Trotz des massiven Erfolgs des Flipper Zero ist der Weg zum Flipper One mit Unsicherheiten behaftet. Zhovner spricht offen über technische Herausforderungen und finanzielle Risiken, wobei er explizit die aktuelle RAM-Chip-Krise als Problemfaktor nennt.

„Es gibt viel Unsicherheit in diesem Projekt, zusammen mit technischen Herausforderungen und finanziellen Risiken (wie der aktuellen RAM-Chip-Krise).

Die Preisgestaltung wird voraussichtlich deutlich über den 199 US-Dollar des Flipper Zero liegen. Schätzungen, die über The Verge zitiert werden, lassen einen Preis von etwa 350 US-Dollar erwarten. Die Finanzierung und der finale Start sollen über eine Kickstarter-Kampagne im Laufe des Jahres 2026 erfolgen.

Für die Community bedeutet dies eine Verschiebung: Weg vom reinen Spielzeug für Einsteiger hin zu einem professionellen Werkzeug für Netzwerk-Administratoren und Sicherheitsforscher. Ob die Hardware-Ambitionen angesichts der globalen Lieferkettenprobleme im Bereich der Speicherchips realisierbar sind, wird die kommende Kickstarter-Phase zeigen.

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Clara Vogt

Über den Autor

Clara Vogt verantwortet das Ressort Technik und Wissenschaft. Sie schreibt ueber KI, Digitalisierung, Forschung und Innovation und uebersetzt komplexe Entwicklungen in klaren, belastbaren Journalismus.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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