Tausende Studierende und Universitätsmitarbeiter haben am 29. Oktober 2026 in Innsbruck gegen die geplanten Budgetkürzungen der Bundesregierung für den Zeitraum von 2028 bis 2030 demonstriert. Die Demonstranten forderten die Rücknahme der Einsparungen, während Rektoren und Forscher vor massiven Nachteilen für den Wissenschaftsstandort Österreich warnten.
Die Protestwelle gegen die Finanzpläne der schwarz-rot-pinken Bundesregierung erfasste am Mittwoch die Tiroler Landeshauptstadt. Nach Angaben der Polizei zogen rund 3.500 Menschen friedlich, aber lautstark durch die Innenstadt. Die Veranstaltung begann um 14.00 Uhr an der Annasäule in der Maria-Theresien-Straße. Neben in zivil gekleideten Studierenden nahmen auch Labormitarbeiter und Ärzte in weißen Mänteln an dem Zug teil.
Innsbrucker Protestzug mit Transparenten und Musik
Unterwegs skandierten die Teilnehmer kollektiv Slogans und spielten Musikstücke wie Bella Ciao
oder Disco Partizani
. Auf mitgebrachten Papp- und Papiertransparente waren Sprüche wie Nicht sparen am kritischen Denken
, Eat the rich, fund the nerds
oder Holzleitner, die bist auf dem Holzweg
zu lesen. Der Protestzug bewegte sich in Richtung Triumphbogen, über die Maximilianstraße und den Innrain zum Marktplatz, um schließlich am Landestheatervorplatz zu enden.
Der Rotstift der Bundesregierung wird dazu führen, dass Studiengänge zusammengelegt oder ganz abgeschafft werden.
Julian Herb, ÖH-Vorsitzender der Universität Innsbruck, via Orf
Zu Beginn der Kundgebung griffen die ÖH-Vorsitzenden der Universität Innsbruck und der Medizinischen Universität, Julian Herb und Maximilian Haslinger, das Wort. Haslinger richtete scharfe Worte an die Bundesregierung und erklärte, dass Medizinstudenten hier keine Zukunft mehr haben
, falls die Sparpläne umgesetzt werden. Die Demonstration folgte auf eine noch größere Kundgebung mit rund 30.000 Teilnehmern in der vergangenen Woche in Wien.

Rektoren und Forschungsratschef kritisieren Einsparungen
Am Marktplatz schlossen sich die Universitätsleitungen den Protesten an. Der Rektor der Medizinischen Universität, Gert Mayer, kritisierte ein abruptes Abbremsen und das Einlegen des Rückwärtsganges
gegenüber dem bisherigen Konsens. Bisher sei vereinbart gewesen, das Uni-Budget auf zwei Prozent des Bruttoinlandsproduktes anzuheben. Auch der Vizerektor für Personal der Universität Innsbruck, Dirk Rupnow, warnte vor den Folgen:.
Diese Budgetpläne haben große Effekte auf den Wissenschaftsstandort und auf die Gesellschaft.
Dirk Rupnow, Vizerektor für Personal der Universität Innsbruck, via Orf
Unterstützung erhielten die Universitäten vom Vorsitzenden des Rates für Forschung, Wissenschaft, Innovation und Technologieentwicklung (FORWIT), Thomas Henzinger. Im Gespräch mit dem Standard
monierte er, dass bei den Universitäten übermäßig gespart werde, weil die Lobby der betroffenen Gruppe schwächer ist
, wie die Berichterstattung der öffentlich-rechtlichen Anstalt festhält.
16 Milliarden Euro und die Debatte um die Hochschulstrategie 2040
Im Zentrum des Streits steht das von der Regierung beschlossene Dreijahresbudget von knapp 16 Milliarden Euro für die öffentlichen Universitäten in der Periode von 2028 bis 2030 (wie die Details der Budgetfestlegung belegen). Die Universitäten hatten demgegenüber 18 Milliarden Euro gefordert, um die Inflation auszugleichen. Die Universitätenkonferenz (uniko) forderte unterdessen Wissenschaftsministerin Eva-Maria Holzleitner auf, den Prozess zur Erarbeitung der Hochschulstrategie 2040 an den Sparkurs anzupassen.
Aus Sicht der uniko-Präsidentin Brigitte Hütter lässt der Prozess zentrale Fragen zum Sparen und zum Studienrecht vermissen. Während das Ministerium die Summe als Erfolg in einer schwierigen Budgetsituation darstellt, verweisen Kritiker auf drohende Stellenstreichungen und Einschränkungen in der Lehre, die den Wissenschaftsstandort auf Jahrzehnte belasten könnten.
Die Diskussion um die finanzielle Ausstattung der Hochschulen wird durch die Einschätzung von Experten zusätzlich beleuchtet. Clemens Mungenast, Experte für öffentliche Budgets, betont, dass das außerordentlich hohe Budget der vorangegangenen Periode 2025–2027 als Ergebnis einer stark ausgeweiteten Budgetpolitik nicht als Maßstab dienen kann und Strukturreformen unerlässlich sind.

Von Seiten der gewählten studentischen Vertretungen wie der Österreichischen Hochschüler_innenschaft der Universität für angewandte Kunst in Wien wird parallel gefordert, stattdessen große Vermögen zur Finanzierung heranzuziehen. Unter dem Motto NO CUTS
wandten sich Studierende dort ebenfalls gegen die budgetären Einsparungen, die nach Ansicht von Kritikern zu drastischen Einschnitten beim akademischen Personal, insbesondere bei Nachwuchswissenschaftlern und Prä-Doc-Assistenten, führen werden.
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