Bis Freitagmittag sind bei der SVP sieben offizielle Bewerbungen für die Nachfolge des zurücktretenden Bundesrates Guy Parmelin eingegangen, während Fraktionschef Thomas Aeschi sich noch Bedenkzeit erbittet. Die Parteispitze steht vor einer richtungsweisenden Auswahl zwischen verschiedenen Regionen, Profilen und politischen Konzepten.
Die Frist lief am Freitagmittag um zwölf Uhr aus. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten sich insgesamt sechs Männer und eine Frau offiziell für das freiwertende Amt in der Landesregierung angemeldet. Die Ausgangslage präsentiert sich breit gefächert, nachdem die Parteisektionen im ganzen Land ihre Personalvorschläge bei der Findungskommission eingereicht haben. Am Donnerstagnachmittag präsentierten SVP-Grössen um Parteipräsident Marcel Dettling im Bundesmedienzentrum in Bern zudem das Positionspapier für die kommenden Wahlen unter dem Titel «Schwarzbuch Linke und Heimatmüde: So zerstören sie unsere Schweiz».
Doppelkandidatur aus dem Wallis und offene Fragen um Thomas Aeschi
Für den grössten Aufummel sorgte am Schlusstag der Anmeldefrist die SVP Oberwallis. Beide präsentierten sich als erfahrene Kräfte. Graber betonte seine Rolle bei früheren nationalen Abstimmungen, während Ruppen auf seine Exekutiverfahrung in der Walliser Regierung verwies. Die SVP-Kantonalparteien hatten Zeit, der Findungskommission der SVP Schweiz Kandidaten für die Nachfolge von Bundesrat Guy Parmelin vorzuschlagen. Franz Ruppen, der von der St. Galler Ständerätin Esther Friedli vorgeschlagen wurde, überlegte sich den Schritt und erklärte schliesslich: «Ja, ich will.»
Die SVP Zug hatte ihn nominiert, doch der Zuger Nationalrat nahm sich mehr Zeit für eine persönliche Entscheidung. Er wolle nach reiflicher Überlegung kommunizieren, wenn es etwas zu kommunizieren gebe, und ist als Mitglied der Findungskommission präventiv bis zum Tag der Bundesratswahl am 9. Dezember in den Ausstand getreten.
Romandie-Vertretung und Tessiner Ambitionen im Parteivergleich
Neben den Wallisern und der offenen Personalie Aeschi haben sich weitere gewichtige Figuren in Stellung gebracht. Die Genfer Nationalrätin Céline Amaudruz war die Erste, die ihre Bereitschaft offiziell erklärte. Sie galt als aussichtsreiche Kandidatin, um den lateinischen Sitz in der Landesregierung zu verteidigen, verlor dieses Alleinstellungsmerkmal jedoch, da mit Pierre Alain Schnegg ein weiterer Romand kandidiert. Im Vorfeld hatten die Zürcher Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli, die St. Galler Ständerätin Esther Friedli oder der Thurgauer Nationalrat Pascal Schmid bereits abgesagt.


Als Alternativen aus der West- und Südschweiz traten kurz vor Fristablauf der Berner Regierungspräsident Pierre Alain Schnegg sowie der Tessiner Ständerat Marco Chiesa an. Schnegg, der im Dezember 64 Jahre alt wird, aus dem Berner Jura stammt, in der Gemeinde Champoz wohnt und seit 2016 in der Berner Kantonsregierung politisiert, reichte seine Kandidatur am späten Nachmittag ein. Chiesa, der die Partei von 2020 bis 2024 präsidierte und seit 2019 im Ständerat sowie in der Stadtregierung von Lugano sitzt, reichte seine Bewerbung ebenfalls ein; die Tessiner SVP unterstützt diesen Schritt mit Begeisterung. Komplettiert wird das Feld durch den Solothurner Nationalrat Rémy Wyssmann und den Aargauer Regierungsrat Jean-Pierre Gallati.
Absagen prominenter Exponenten und Kriterien für die Fraktion
Mehrere im Vorfeld gehandelte Namen winkten hingegen ab. So gaben der Solothurner Nationalrat Christian Imark mit Verweis auf seine familiäre Situation, der Schwyzer Regierungsrat André Rüegsegger zugunsten kantonaler Wahlen sowie der Waadtländer Nationalrat und Kantonalpräsident Sylvain Freymond bekannt, dass sie auf eine Kandidatur verzichten. Auch Nicolas Kolly strebt stattdessen einen Sitz im Ständerat an.
Angesichts der anstehenden Weichenstellungen betonten die Anwärter ihre Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. Die Findungskommission prüft nun die eingereichten Dossiers, während die Vereinigte Bundesversammlung die Wahl am 9. Dezember 2026 abhalten wird.