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Studie: Hohe psychische Belastung bei Landwirten in Österreich

Landwirte in Österreich weisen einer aktuellen Studie zufolge eine deutlich höhere psychische Belastung auf als die Allgemeinbevölkerung. Wie eine Untersuchung der Donau-Universität Krems im Fachblatt Scientific Reports zeigt, gaben Bäuerinnen und Bauern in einer Online-Umfrage mit rund 2.000 Teilnehmern signifikant höhere Werte für Depressionen, Angstzustände, Schlaflosigkeit und wahrgenommenen Stress an als die Befragten einer repräsentativen Vergleichsgruppe.

Höhere psychische Belastung bei österreichischen Landwirten

Das Forschungsteam um Elke Humer vom Department für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Donau-Universität Krems betont in der Arbeit, dass es sich bei der Landwirtschaft um einen stressreichen Beruf handelt, in dem zahlreiche Risikofaktoren außerhalb der Kontrolle der Betroffenen liegen. Neben extremen Wetterereignissen wie anhaltender Dürre und der Gefahr von Ernteausfällen tragen schwankende Marktbedingungen, geringe Gewinnspannen, die Bedrohung durch Tier- und Pflanzenkrankheiten sowie unregelmäßige Arbeitszeiten zu einer emotionalen Belastung bei.

Ergebnisse im Detail: Depressionen, Angst und Stress

Im direkten Vergleich der Umfragedaten zeigten sich bei den berücksichtigten Indikatoren deutliche Unterschiede zwischen den österreichischen Landwirten und der restlichen erwachsenen Bevölkerung:

* Depressionen: 28,0 Prozent bei Landwirten im Vergleich zu 21,4 Prozent in der Allgemeinbevölkerung. * Angstzustände: 31,1 Prozent im Vergleich zu 14,6 Prozent. * Schlaflosigkeit: 15,3 Prozent im Vergleich zu 9,0 Prozent. * Wahrgenommener Stress: 66,9 Prozent im Vergleich zu 51,0 Prozent. * Alkoholmissbrauch: Als einzige Ausnahme war die Rate bei Landwirten mit 15,8 Prozent geringer als in der Allgemeinbevölkerung, wo sie bei 20,7 Prozent lag.

Zudem zeigte die Studie von Elke Humer und ihrem Team, dass Landwirte in Österreich signifikant häufiger von Suizidgedanken berichten (19,7 Prozent) als die Allgemeinbevölkerung (14,3 Prozent). Wie bereits in einer Arbeit im Fachjournal „Archives of Suicide Research aufgezeigt wurde, haben Landwirte in Ostösterreich im Vergleich zu jenen in Westösterreich ein höheres Suizidrisiko. Als schützende Faktoren wurden körperliche Aktivität außerhalb der Arbeit sowie das Leben in einer Partnerschaft identifiziert.

Belastungsfaktoren und geschlechtsspezifische Unterschiede

Interessanterweise ließen sich in der Landwirtschaft nicht die in der Allgemeinbevölkerung typischen geschlechtsspezifischen Unterschiede in der psychologischen Gesundheit feststellen – etwa höhere Raten von Depressionen und Stress bei Frauen. Laut einer Erklärung gegenüber der APA deute dies darauf hin, dass sowohl männliche als auch weibliche Landwirte ähnlichen berufsbedingten Belastungen wie finanziellem Druck, sozialer Isolation, langen Arbeitszeiten und Sorgen vor Wetterrisiken ausgesetzt sind.

Landwirt am Steuer eines Traktors
Photo: kurier.at

Bei der detaillierten Analyse der arbeitsbedingten Stressfaktoren stuften die Befragten die Bürokratie als größte Belastung ein, gefolgt von der Agrarpolitik, Preisschwankungen und einer hohen Arbeitsbelastung, wie das Team im „Journal of Rural Studies berichtete. Dabei zeigten sich differenzierte Schwerpunkte: Männer nannten vermehrt Stress durch Tierschutzaktivismus, öffentlichen Druck und politische Maßnahmen. Frauen empfanden hingegen mehr Belastung durch Pflegeaufgaben, körperliche Arbeit und Generationenkonflikte.

Forderung nach maßgeschneiderten Hilfsangeboten

Weltweit gibt die psychische Gesundheit in der Landwirtschaft nach Angaben der Forschenden zunehmend Anlass zur Sorge. Ein schlechtes psychisches Wohlbefinden beeinträchtigt demnach nicht nur den Einzelnen, sondern hat auch weitreichende Konsequenzen für landwirtschaftliche Familienbetriebe, die Produktivität, die Tiergesundheit sowie das Tierwohl und die Nachhaltigkeit im ländlichen Raum.

Studie: Hohe psychische Belastung bei Landwirten in Österreich
Photo: NOEN

Die Studienautoren und -autorinnen unterstreichen daher den dringenden Bedarf an maßgeschneiderten, niederschwelligen Interventionen. Dazu gehören gezielte Angebote im Bereich der psychischen Gesundheit, Finanzberatung, Netzwerke zur gegenseitigen Unterstützung sowie eine professionelle psychotherapeutische Betreuung, die genau auf die spezifischen Belastungen im Berufsstand der Landwirte abgestimmt sind.

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Jonas Becker

Über den Autor

Jonas Becker verantwortet das Nachrichtenressort von Germanic Nachrichten. Sein Fokus liegt auf schneller, praeziser und sauber verifizierter Berichterstattung zu Politik, Gesellschaft und aktuellen Entwicklungen in Deutschland.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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