Der Schiffsverkehr in der Straße von Hormus ist nach gegenseitigen Angriffen der USA und des Irans auf dem niedrigsten Stand seit Mai angelangt.
Sechs Monate nach Beginn des Konflikts zwischen den USA und dem Iran leidet der globale Welthandel unter massiven Einschränkungen. Die Schifffahrt durch die nur 33 Kilometer breite Meerenge ist dramatisch eingebrochen, nachdem die USA und Iran wiederholt Tanker attackierten. Beobachteten Händlern zufolge sank die Zahl der täglichen Passagen von einst rund 100 Schiffen vor dem Krieg auf aktuell nur noch eine Handvoll Schiffe ab.
Einbruch der Frachtraten und Sperrpläne Teherans
Am vergangenen Samstag durchquerten laut Kpler-Daten lediglich zwei Schiffe die wichtige Handelsroute, am Sonntag waren es sechs Frachter. Ein Tanker aus Saudi-Arabien musste beim Versuch, die Meerenge zu verlassen, wieder umkehren, wie LSEG-Daten zeigen. Die Daten verdeutlichen das Ausmaß der Krise in einer Region, über die normalerweise ein Fünftel des weltweiten Erdöl- und Gaskonsums transportiert wird.
Um die Kontrolle weiter zu verschärfen, plant die Führung in Teheran die Errichtung einer sogenannten Sperrzone. In den kommenden Tagen werde eine Sperrzone außerhalb der Straße von Hormus verkündet
, sagte der Chef des Obersten Nationalen Sicherheitsrats, Mohsen Resaei, im iranischen Staatsfernsehen. Diese Zone beginne an der Blockadelinie der US-Marine und umfasse weite Gebiete des Persischen Golfs. Jedes Schiff, das diese neue Zone befahre, werde auf eine Sanktionsliste gesetzt.
Tödlicher Zwischenfall und politische Blockade
Die Lage an den Seewege-Chokepoints bleibt hochgefährlich. Ein Frachtschiff wurde bei der Ausfahrt aus Hormus von einem Projektil getroffen, wobei ein Besatzungsmitglied ums Leben kam und der Maschinenraum beschädigt wurde. Die Omani Coast Guard unterstützte die Rettung der restlichen Besatzung. Der Vorfall ereignete sich weniger als eine Seemeile vor der Küste Omans, wie das Joint Maritime Information Center mitteilte. US-Präsident Donald Trump erklärte daraufhin, die Straße von Hormus sei offen und in Betrieb, und fügte hinzu, dass alle Seeminen geräumt oder detoniert worden seien.

Parallel dazu läuft die diplomatische und politische Eiszeit weiter. Ein am 17. Juni geschlossenes Memorandum of Understanding zwischen Washington und Teheran lief aus, ohne dass ein finaler Vertrag zustande kam. Der iranische Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf kündigte an, dass die Meerenge so lange geschlossen bleibe, bis die USA ihre Verpflichtungen aus dem Abkommen erfüllten. Teheran fordert, dass Handelsschiffe eine nördliche Route durch iranische Hoheitsgewässer nehmen, während die US-Marine den Schiffsverkehr auf einer südlichen Route schützt.
Globale Auswirkungen auf den Rohölmarkt und die Frachtkosten
Die anhaltende Blockade zeigt weltweite wirtschaftliche Konsequenzen. Vor dem Konflikt passierten täglich rund 130 Schiffe die Passage. Nach Angaben der UN-Handelskonferenz UNCTAD bewegt sich etwa 80 Prozent des weltweiten Handelsvolumens auf dem Seeweg. Richard Matthews, Direktor für Forschung und Beratung beim Londoner Schiffs- und Maritimodestütztzpunkt Gibson Shipbrokers, betonte gegenüber Al Jazeera, dass es für die Straße von Hormus im Gegensatz zu anderen Engpässen faktisch keine alternative Seeroute gibt.
That’s probably the first time we’ve really seen a major constriction of a choke point
Richard Matthews, director of consultancy and research at Gibson Shipbrokers
Die direkten Rohölexporte aus der Golfregion sind infolgedessen stark zurückgegangen.
Steigende Versicherungsprämien und anhaltende Gefechte
Die Risiken schlagen sich direkt in den Kosten für die Schifffahrt nieder.
Die militärische Auseinandersetzung erfasst unterdessen auch weitere Regionen im Nahen Osten. Neben den fortgesetzten US-Luftangriffen auf Dutzende iranische Militärziele kam es zu Spannungen in angrenzenden Meeresgebieten, wobei auch die jemenitischen Hutis mit Angriffen auf die Schifffahrt im Roten Meer und am Bab el-Mandeb für zusätzliche Verunsicherung sorgen. Beobachter und Marktteilnehmer blicken mit großer Sorge auf die kommende Woche, in der eine Entspannung an den Energiemärkten angesichts der ungelösten Kontrollen in der Straße von Hormus vorerst nicht absehbar ist.
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