Ukrainische Streitkräfte melden unerwartete Beschränkungen des Satellitennetzwerks Starlink, die schnelle Drohneneinsätze in der Frontzone behindern. Das Weiße Haus, SpaceX und europäische Partner streiten über die Verantwortung für den Befehl. Neun US-Senatoren fordern bis zum 1. November eine Untersuchung des Pentagons.
Das Weiße Haus, Elon Musk und widersprüchliche Aussagen zur Drosselung
In der Nacht auf Mittwoch wurde der ukrainischen Armee ohne Vorwarnung eine Beschränkung bei der Nutzung des Satellitennetzwerks Starlink auferlegt, wie ukrainische Militärquellen meldeten. Konkret betrifft die Maßnahme die Militärversion Starshield, die Einsätze mit schnell fliegenden Drohnen behindert. Der Internetdienst fällt aus, sobald ein Empfangsgerät eine Geschwindigkeit von rund 160 Kilometern pro Stunde überschreitet; einige Einheiten verloren die Verbindung laut Berichten bereits bei etwa 72 bis 120 Kilometern pro Stunde.
🔴 Elon Musk soll US-Präsident Donald Trump vorgeschlagen haben, die Geschwindigkeit des Satellitenkommunikationssystems Starshield in der Ukraine zu drosseln. Von @Barnes_Joe:https://t.co/GNjHuOFeRs
— https://x.com/Tim_Roehn/status/2111185550145135009
Um die Verantwortung für diesen Schritt ist ein öffentlicher Streit entbrannt. SpaceX-Chef Elon Musk erklärte auf der Plattform X, dass Starshield-Systeme der US-Regierung gehören und von ihr kontrolliert werden. Jegliche Begrenzungen würden vom US-Militär und letztlich vom Präsidenten der Vereinigten Staaten entschieden, so Musk. US-Präsident Donald Trump wies diesen Vorwurf jedoch zurück und erklärte vor Reportern in Washington, er wisse nichts von der Maßforderung und habe diese nicht angeordnet.
Das habe ich nicht getan. Nein, wir haben das überhaupt nicht getan.
Donald Trump, US-Präsident, via N Tv
Einem Bericht der britischen Tageszeitung The Telegraph zufolge, der sich auf vier mit den Gesprächen vertraute Quellen stützt, soll sich Musk stattdessen selbst mit der Idee an Trump gewandt haben, die Geschwindigkeit des Systems für die Ukraine zu drosseln. Demnach habe Trump dem Vorschlag zugestimmt, um das Pentagon die Umsetzung zu ermöglichen. Ein hochrangiger europäischer Regierungsvertreter und zwei ukrainische Quellen bestätigten diese Darstellung gegenüber der Zeitung, während ein ungenannter US-Vertreter dem widersprach.
Nicht Musk, sondern Trump ist Putins Erfüllungsgehilfe„Tech-Milliardär Elon Musk wies die Verantwortung für jegliche Drosselung seines Satelliteninternetsystems zurück. Musk teilte am Mittwoch auf X mit, die militärische Version von Starlink, Starshield, werde vom US-Militär…
— https://x.com/RZitelmann/status/2110664178486693930
Folgen für die ukrainische Drohnenabwehr an der Front
Die temporäre Drosselung traf die ukrainischen Streitkräfte in einer heiklen Phase, während die ukrainische Luftwaffe zeitgleich einen massiven russischen Angriff mit Hunderten Drohnen abwehrte. Das Verteidigungsministerium in Kiew erklärte, dass die technische Begrenzung wichtige Operationen erschwert habe, darunter Angriffe mittlerer Reichweite, Abfangeinsätze der Luftverteidigung und die Logistik an der Front. Drohnen, die das Starshield-System nutzen, konnten den Berichten zufolge kaum noch mit anfliegenden russischen, düsengetriebenen Drohnen Schritt halten.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bezeichnete die Drosselung am Rande eines EU-Gipfels in Brüssel als sehr gefährliche und unangenehme Überraschung
. Gleichzeitig betonte Selenskyj, dass es mittlerweile Signale aus dem Weißen Haus gebe, die Fähigkeiten schrittweise wiederherzustellen, auch wenn die alte Geschwindigkeit noch nicht erreicht sei. Das Verteidigungsministerium meldete, dass die Terminals in Bewegung zwar grundsätzlich wieder funktionieren, die Obergrenze von 160 Kilometern pro Stunde jedoch bestehen bleibt.

US-Senatoren fordern Aufklärung bis November und Europa sucht Alternativen
Der Vorfall hat in Washington politische Konsequenzen nach sich gezogen. Neun US-Senatoren beider Parteien, angeführt von der Demokratin Jeanne Shaheen und dem Republikaner Thom Tillis, fordern in einem Brief an den Generalinspektor des Pentagons eine umfassende Untersuchung. Die Parlamentarier verlangen bis zum 1. November eine schriftliche Statusmeldung samt erstem Briefing, um zu klären, ob US-Beamte die Einschränkung anordneten, ob SpaceX eigenmächtig handelte und ob dies mit den Verträgen der Space Force vereinbar war.
In Europa verstärkt der Fall die Diskussionen über eine strategische Abhängigkeit von kommerzieller US-Technologie. Bundesaußenminister Johann Wadephul kritisierte das Vorgehen in der ZDF-Talkshow Maybrit Illner
als Druckerhöhung an falscher Stelle
und betonte, dass Deutschland Teile der Starlink-Technik für die Ukraine finanziere und deshalb erwarte, dass diese funktioniere. Der polnische Außenminister Radosław Sikorski richtete sich direkt an den Tech-Milliardär: Als Ihre europäischen Kunden beobachten wir Sie.
Europa ist von strategischer Unabhängigkeit weiter entfernt als Trump vom Friedensnobelpreis. Europa kann der Ukraine nicht einmal eine annähernd gleichwertige Alternative zu Starlink bieten. Ähnlich verhält es sich mit dem existenziellen Mangel an amerikanischen…
— https://x.com/IbraNaber/status/2110812035017544150
Als europäische Alternativen stehen das Satellitensystem Eutelsat/OneWeb sowie das geplante EU-System Iris2 bereit, das bis 2030 aufgebaut werden soll. Vertreter des ukrainischen Militärs merkten jedoch an, dass es derzeit keine vollwertige Alternative gibt, die auf dem Gefechtsfeld vergleichbare Leistungsfähigkeit bietet.
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