Ein aktueller Social-Media-Trend führt dazu, dass Menschen in Deutschland ein getrocknetes Lorbeerblatt in ihre Handyhülle stecken. Während Tausende auf Tiktok und Instagram auf Glück, Geld und Erfolg hoffen, verweisen Historiker auf eine Jahrtausende alte Symbolik von der Antike bis in die Gegenwart.
Wer derzeit durch soziale Netzwerke scrollt, stößt in Videos auf Instagram, TikTok und YouTube regelmäßig auf ein ungewöhnliches Accessoire hinter transparenten Smartphone-Hüllen neben Fotos und Stickern. Der Internet-Trend macht das Gewürzblatt aus der Küche zu einem digitalen Begleiter.
Der virale Brauch und seine historischen Wurzeln in der Antike
Bevor das Blatt seinen Weg in den Alltag findet, sehen Anleitungen im Netz ein kleines Ritual vor. Anwender sollen das getrocknete Gewächs kurz ans Herz halten, die Augen schließen und einen Wunsch oder ein persönliches Ziel formulieren wie eine bestimmte Nachricht oder eine neue berufliche Chance. Danach wandert das Blatt direkt unter die Handyhülle oder in das Portemonnaie.

Dass für diesen Zweck ausgerechnet Lorbeer gewählt wird, ist kein Zufall. Das immergrüne Gewächs besitzt eine jahrtausendealte Kulturgeschichte, die von der griechisch-römischen Antike bis in die Neuzeit reicht laut dem Online-Lexikon „Compendium heroicum“ der Universität Freiburg. Bei den Pythischen Spielen in Delphi erhielten erfolgreiche Sportler einen Lorbeerkranz als Zeichen besonderer Leistungen. Auch das Archäologische Landesmuseum Hessen verweist bei einer Darstellung der römischen Siegesgöttin Viktoria auf die entsprechende Siegessymbolik des Kranzes, während Plinius dem Älteren zufolge im antiken Rom sogar eine schützende Wirkung vor Blitzen zugeschrieben wurde und Kaiser Tiberius bei Wetterleuchten einen Lorbeerkranz trug.”
Psychologische Wirkung und der Realitätscheck aus den Kommentaren
Wissenschaftliche Belege dafür, dass ein getrocknetes Blatt aus dem Gewürzregal tatsächlich Wohlstand, Geld oder neue Jobs anzieht, gibt es nicht. Dennoch bleibt die erhoffte Wirkung reiner Aberglaube ohne technische oder magische Funktion, da das Blatt weder Glück anzieht noch negative Energien abwehrt oder abschirmt.
So berichtet eine Nutzerin, sie habe das Blatt fast ein Jahr lang im Case getragen, ohne dass etwas passiert sei und nannte es wirkungslos, während ein anderer den Trick als den Schwachsinn bezeichnete, den bereits die eigene Mutter macht. Andere greifen in stressigen Momenten zu dem Mittel: Ich bin so verzweifelt, ich probiere es
, schreibt eine Person mit Blick auf eine bevorstehende Prüfung als Nervenberuhigung, und manche probieren es mit viel Glauben, bis sich der erhoffte Job oder ausbleibender Geldmangel einstellt.

Die Psychologie erklärt solche Alltagsrituale und Glücksbringer ohne Blatt-Magie durch bestimmte Effekte. Wer einen Wunsch oder ein Ziel auf das Blatt schreibt oder es als ständige Erinnerung bei sich trägt, denkt häufiger an das eigene Vorhaben, nimmt passende Gelegenheiten bewusster wahr und bleibt ruhiger in herausfordernden Situationen.
Praktische Hinweise für die Umsetzung unter dem Smartphone-Case
Wer den Trend trotz fehlender wissenschaftlicher Nachweise ausprobieren möchte, sollte einige praktische Dinge beachten.
Zudem darf das Blatt weder Kamera noch Blitz oder Sensoren verdecken und sollte bei beginnendem Zerfall oder Brüchigkeit sofort entfernt werden. Vor dem kabellosen Laden nimmt man es ebenfalls besser aus der Hülle, da Apple für MagSafe eine Ladefläche ohne Fremdmaterial empfiehlt.
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