SpaceX geht diesen Freitag, den 12. Juni 2026, an die New Yorker Nasdaq-Börse. Das Unternehmen strebt eine Rekordmarktkapitalisierung von 1,77 Billionen Dollar an und will rund 75 Milliarden Dollar einsammeln. Damit würde SpaceX den bisherigen Rekord von Aramco weit übertreffen, während Elon Musk über 80 Prozent der Stimmrechte behält.
Rekordwert an der Nasdaq: Die Dimensionen des Börsengangs
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Die Finanzwelt bereitet sich auf ein Ereignis vor, das alle bisherigen Maßstäbe für Börsendebüts sprengt. SpaceX plant, seine Aktien zu einem Ausgabepreis von 135 Dollar zu platzieren. Damit würde das Unternehmen laut eine Marktkapitalisierung von 1,77 Billionen Dollar erreichen und sofort in die Riege der zehn wertvollsten US-Unternehmen aufsteigen.
Der Umfang der Kapitalbeschaffung ist beispiellos. Während die saudische Ölfirma Aramco im Jahr 2019 rund 29 Milliarden Dollar einnahm, zielt SpaceX auf eine Summe von 75 Milliarden Dollar ab. Um diesen Prozess zu begleiten, hat Musk ein Konsortium aus 23 Banken engagiert, die für ihre Bemühungen schätzungsweise 500 Millionen Dollar an Gebühren erhalten werden.
Die Begeisterung der Investmentbanken ist physisch greifbar. Goldman Sachs installierte Raketenattrappen in seiner New Yorker Zentrale, während die Bank of America die Spitze ihres Büroturms in Form einer startenden Rakete beleuchtete. Jamie Dimon, Chef von JP Morgan Chase, warb aktiv bei seinen Top-Investoren für den Schritt und bezeichnete Musk in einem Video-Interview als den Edison unserer Zeit sowie als amerikanischen Patrioten.
Die Machtfrage: Musks Kontrolle trotz Börsenlisting
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Trotz des massiven Zuflusses an externem Kapital bleibt die operative und strategische Leitung fest in einer Hand. Durch die Emission spezieller Aktienklassen mit erweiterten Stimmrechten wird Musk einen Stimmrechtsanteil von mehr als 80 Prozent behalten.
Dies ist ein entscheidender Punkt für die Investoren: Die Aktie wird weniger als Beteiligung an einem klassischen Unternehmen, sondern vielmehr als Wette auf die Innovationskraft und die Vision eines einzelnen Mannes verkauft. Musk kann so seine langfristigen Ziele – von der Besiedlung des Mars bis hin zu Mondstädten – ohne den üblichen Druck kurzfristig orientierter Aktionäre vorantreiben.
Strategiewechsel: KI-Rechenzentren im Weltraum
Ist der SpaceX-Börsengang bei einer Bewertung von 2 Billionen Dollar ein Kauf?
SpaceX ist längst nicht mehr nur ein Transportunternehmen für Satelliten und Astronauten. Die Integration der KI-Firma xAI sowie der Plattform X in das Ökosystem signalisiert eine neue Richtung. Ein zentraler Pfeiler dieser Strategie ist der Aufbau von Datenzentren im Weltall.
Die Logik dahinter ist pragmatisch: Auf der Erde stoßen Rechenzentren zunehmend an regulatorische Grenzen und kämpfen mit massiven Stromengpässen, insbesondere im Vergleich zu China. Im Weltraum hingegen könnten Energie und Platz effizienter genutzt werden, um die für künftige KI-Kapazitäten notwendige Rechenleistung zu sichern.
Um diesen Weg zu ebnen, lud das Unternehmen Analysten bereits im April zu einem Besuch im xAI-Rechenzentrum in Memphis ein. Die Verknüpfung von Raumfahrt und Künstlicher Intelligenz soll SpaceX eine technologische Dominanz verschaffen, die über das bloße Starten von Raketen hinausgeht.
Bewertungsstreit: Zwischen Vision und Bilanzverlusten
Die Kluft zwischen den aktuellen Geschäftszahlen und der angestrebten Bewertung ist gewaltig. Im vergangenen Jahr verzeichnete SpaceX bei einem Umsatz von rund 18,7 Milliarden Dollar einen Verlust von etwa 4,94 Milliarden Dollar. Haupttreiber für diese roten Zahlen sind die enormen Entwicklungskosten für das Starship-System.
Diese Bilanz führt zu einer extremen Divergenz in der Analystenwelt. Auf der einen Seite stehen optimistische Prognosen, wie die von Morgan Stanley, die den Umsatz bis 2028 auf 160 Milliarden Dollar und bis 2040 auf astronomische 3,4 Billionen Dollar steigen sehen.
Auf der anderen Seite stehen Skeptiker, die die Bewertung für völlig überzogen halten.
Die mit dem Ausgabepreis verbundene Bewertung ist an das Erreichen kühner Ziele geknüpft. Dies ist aus heutiger Sicht sehr ungewiss.
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Nicolas Owens, Analysegruppe Morningstar
Owens bewertet die Aktie lediglich mit 63 Dollar – weniger als die Hälfte des geplanten Ausgabepreises. Dennoch scheint der Markt im Moment blind für diese Risiken zu sein; Berichte deuten darauf hin, dass der Börsengang bereits zweifach überzeichnet ist.
Die KI-Welle: OpenAI und Anthropic im Sog des Hypes
Der SpaceX-IPO ist vermutlich nur der Auftakt für ein Jahr der Superlative. Die Branche erlebt derzeit eine massive Konsolidierung von KI-Kapital. Sowohl OpenAI als auch der Konkurrent Anthropic haben bereits Börsenprospekte eingereicht oder planen diesen Schritt kurzfristig.
Beide Unternehmen wurden in jüngsten Finanzierungsrunden mit annähernd einer Billion Dollar bewertet. Sollten SpaceX, OpenAI und Anthropic alle innerhalb kurzer Zeit an die Börse gehen, könnte die kombinierte Marktkapitalisierung dieser drei Akteure die Marke von vier Billionen Dollar erreichen.
Die Motivation hinter diesen Mega-IPOs ist klar: Die Entwicklung von Künstlicher Intelligenz ist extrem kostenintensiv. Der Zugang zum öffentlichen Kapitalmarkt ist für diese Firmen der einzige Weg, die notwendigen Milliardenbeträge für Hardware und Energie zu sichern, um im globalen Wettrüsten nicht zurückzufallen.
Für den Anleger bleibt die Frage, ob die Vision von Weltraum-Hotels und KI-Servern in der Umlaufbahn die aktuellen Milliardenverluste rechtfertigt. Die Antwort wird am Freitag unter dem Ticker-Symbol $SPCX vom Markt gegeben.
Clara Vogt verantwortet das Ressort Technik und Wissenschaft. Sie schreibt ueber KI, Digitalisierung, Forschung und Innovation und uebersetzt komplexe Entwicklungen in klaren, belastbaren Journalismus.
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