Die American Heart Association und das American College of Cardiology haben im Juni 2026 neue Leitlinien zum kardiovaskulären-renalen-metabolischen Syndrom (CKM) veröffentlicht. Die Richtlinien adressieren die enge Verknüpfung von Adipositas, Diabetes, Nierenerkrankungen und Herzproblemen durch eine koordinierte, frühzeitige Prävention und Behandlung über verschiedene medizinische Fachdisziplinen hinweg.
Die Vernetzung von Herz, Nieren und Stoffwechsel
Mit der Veröffentlichung der neuen Richtlinien erfolgt ein Paradigmenwechsel in der Behandlung chronischer Erkrankungen. Die erste klinische Leitlinie, die sich explizit dem CKM-Syndrom widmet, erkennt an, dass metabolische Risikofaktoren wie Adipositas und Typ-2-Diabetes nicht isoliert betrachtet werden dürfen. Stattdessen stehen sie in einer direkten Wechselwirkung mit chronischen Nierenerkrankungen und Herz-Kreislauf-Beschwerden.

Die Tragweite dieses Syndroms wird durch aktuelle Daten verdeutlicht: Fast neun von zehn Erwachsenen in den USA leiden unter mindestens einer der Bedingungen, die das CKM-Syndrom definieren. Dazu gehören unter anderem Bluthochdruck, abnormale Cholesterinwerte, erhöhter Blutzucker sowie eine eingeschränkte Nierenfunktion. Die neuen Standards wurden von mehreren gemeinsamen Fachgesellschaften entwickelt, um eine einheitliche, evidenzbasierte Grundlage für die klinische Praxis zu schaffen.
Diese neuen Vorgaben ersetzen die bestehende Leitlinie aus dem Jahr 2013, die sich primär auf das Management von Übergewicht und Adipositas konzentrierte. Während die älteren Richtlinien den Fokus auf das Gewicht als isoliertes Problem legten, betrachtet das CKM-Modell die systemische Gefahr, die entsteht, wenn diese Faktoren zusammenwirken.
Bauchfett als zentraler Treiber der Erkrankung
Ein wesentlicher Aspekt der neuen Richtlinien ist die Identifizierung von überschüssigem Gewicht, insbesondere im Bauchraum, als Hauptursache für die Entstehung des Syndroms. Die medizinische Fachwelt betont dabei, dass die bloße Zahl auf der Waage nicht die gesamte gesundheitliche Realität widerspiegelt.

Chiadi E. Ndumele, M.D., Ph.D.
Ndumele, der als Vorsitzender des Schreibkomitees fungiert, erklärt weiter, dass die entscheidende Rolle des Fettgewebes darin liege, wie es die metabolische Gesundheit beeinflusst. Dies umfasst die Art und Weise, wie der Körper den Blutzuckerspiegel reguliert und wie Fett gespeichert und verwendet wird.
„Die Herausforderung besteht darin, die Empfehlungen verschiedener Kliniker zu verbinden, die möglicherweise nur auf eine dieser Erkrankungen spezialisiert sind.
Chiadi E. Ndumele, M.D., Ph.D.
- Der Rost kann die Rohre beschädigen, was Ihrem Gefäßsystem entspricht.
- Er kann die Pumpe beschädigen, was Ihr Herz ist.
- Und er kann die Filter beschädigen, wie Ihre Nieren.
Ambar Kulshreshtha, ein Mitautor der Leitlinien, weist darauf hin, dass Ärzte das Thema Gewicht oft vernachlässigen, sofern Patienten es nicht von sich aus ansprechen. Er betont, dass die Diskussion über Gewicht nicht als kosmetisches Anliegen, sondern als medizinische Notwendigkeit zur Vermeidung von Organschäden geführt werden muss.
Ambar Kulshreshtha, M.D., Ph.D.
Präzisionsmedizin durch PREVENT-Gleichungen und GLP-1-Therapien
Um die Risiken früher zu erkennen, führen die Leitlinien neue Diagnosewerkzeuge ein. Ein zentrales Element sind die sogenannten PREVENT-Gleichungen. Diese ermöglichen es Medizinern, das 10- und 30-Jahres-Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen präziser einzuschätzen, da sie neben herkömmlichen Werten auch die Nieren- und Stoffwechselgesundheit berücksichtigen.

Ein weiterer technologischer und pharmakologischer Fortschritt ist die explizite Empfehlung von GLP-1-basierten Therapien. Zum ersten Mal werden diese Medikamente für ausgewählte Personen mit Adipositas oder Typ-2-Diabetes und weiteren kardiovaskulären Risikofaktoren in den offiziellen Leitlinien aufgeführt.
- Einsatz der geschätzten glomerulären Filtrationsrate (eGFR) zur Charakterisierung chronischer Nierenerkrankungen.
- Nutzung des Albumin-Kreatinin-Verhältnisses im Urin (UACR), um den Einsatz nierenprotektiver Wirkstoffe zu steuern.
- Systematisches Screening auf soziale Gesundheitsfaktoren wie Ernährungsunsicherheit, Wohnungsinstabilität und finanzielle Belastungen.
Hürden bei der Umsetzung und soziale Einflussfaktoren
Trotz der fortschrittlichen medizinischen Ansätze bleibt die praktische Umsetzung eine Herausforderung. Die Leitlinien fordern eine koordinierte interdisziplinäre Versorgung, bei der eine zentrale Ansprechperson für das CKM-Syndrom die Patientenbetreuung und die Einhaltung der Richtlinien erleichtert.
Die Autoren weisen darauf hin, dass es noch erhebliche Wissenslücken gibt, insbesondere bei Patienten, die gleichzeitig an Herzinsuffizienz und chronischen Nierenerkrankungen leiden. Für diese spezifische Gruppe fehlen derzeit ausreichende Daten, um optimale Behandlungspfade festzulegen.
Zudem müssen strukturelle Faktoren adressiert werden, um die Empfehlungen flächendeckend anwendbar zu machen. Dazu gehören die Weiterbildung des medizinischen Personals sowie die Anpassung von Abrechnungsmodellen, der Einsatz automatisierter Technologien und die Verbesserung der Kommunikation zwischen den verschiedenen medizinischen Fachbereichen.
Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Wenden Sie sich bei Fragen zu Ihrer Gesundheit oder zu möglichen Behandlungen bitte an Ihren behandelnden Arzt.
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