Scott Pelley wurde am Dienstagabend von CBS News gefeuert, nachdem er in einer hitzigen Personalsitzung mit dem neuen Executive Producer Nick Bilton und Chefredakteurin Bari Weiss kollidiert war. Der langjährige Korrespondent von 60 Minutes wirft der Führung nun vor, das Personal mit Lügen zu täuschen, während die Netzwerkspitze von Insubordination spricht.
Die Eskalation: „Sie ermordet 60 Minutes“

Das Kündigungsschreiben und der Vorwurf der Ungebührlichkeit

mit sofortiger Wirkung aus wichtigem Grund entlassen.Bilton beschuldigte Pelley darin, das erste Treffen mit der Belegschaft „gekapert“ zu haben, um ihn und seine Absichten mit
bemerkenswerter Unhöflichkeit und Verachtungherabzusetzen. Aus Sicht der Führung war Pelleys Verhalten nicht mehr mit der professionellen Führung des Programms vereinbar. Pelley hingegen sieht sich als Verteidiger der journalistischen Integrität und der DNA der Sendung, die er seit 2004 prägte.
Der Vorwurf der Heuchelei: „Disingenuous“
das Gespräch mit Scott Pelley zu suchen und einen Weg zurück zu finden, was jedoch gescheitert sei. Sie betonte, man habe nicht gewollt, dass es zur Entlassung kommt, aber Pelley habe diesen Weg selbst gewählt.Pelley reagierte prompt und nannte diese Darstellung in einer Antwort an Medienvertreter
unaufrichtig. Laut Forbes wirft er Weiss und dem Präsidenten des Netzwerks, Tom Cibrowski, vor, von Anfang an
offen feindseliggewesen zu sein. Pelley behauptet, dass die Aussicht auf seine Entlassung bereits
in den ersten 15 Sekundeneines Treffens am Dienstag zur Sprache kam und dass die Führung ihn etwa zehn Minuten lang
blockierthabe, anstatt seine Fragen zu den jüngsten Entlassungen im Team zu beantworten.„Diese Führungskräfte können das Vertrauen der Belegschaft nicht mit Lügen gewinnen. Das ist gegenteilig zu allem, wofür wir stehen, und offenbart eine Verachtung für das, was Journalisten tun.“ Scott Pelley, ehemaliger Korrespondent bei CBS NewsWährend Cibrowski Pelley noch als
integralen Bestandteildes Netzwerks pries und einräumte, dass die Veränderungen
viel zu verarbeitenseien, ist das Vertrauensverhältnis zwischen dem Star-Journalisten und der neuen Führung endgültig zerstört.
Ein „Blutbad“ in der Redaktion

- Tanya Simon: Die langjährige Executive Producerin wurde entlassen.
- Cecilia Vega & Sharyn Alfonsi: Zwei prominente Korrespondentinnen wurden ohne spezifische Begründung gefeuert.
- Anderson Cooper: Verließ die Sendung bereits im letzten Monat aus Sorge über die Richtung der Berichterstattung.
- Drei Top-Produzenten: Ebenfalls im Zuge der Neuausrichtung entlassen.
Die politische Dimension: Die Ellison-Ära
Um zu verstehen, warum 60 Minutes gerade jetzt in diesen Aufruhr gerät, muss man den Blick auf die Eigentümer werfen. NPR analysiert die Situation als Teil eines größeren Kampfes um die Medienkontrolle in der Trump-Ära. Die Milliardärsfamilie Ellison – Larry und David Ellison – kaufte Paramount, die Muttergesellschaft von CBS, im letzten Sommer.Die Ellisons haben ihre Geschäftsinteressen eng mit den politischen Interessen von Präsident Trump verknüpft. Neben CBS kontrollieren sie nun die US-Operationen von TikTok und streben die Übernahme von Warner Bros. Discovery an, dem Mutterkonzern von CNN. In diesem Kontext wirkt die Installation von Bari Weiss, einer bekannten Meinungsmacherin, als Chefredakteurin wie ein strategischer Schachzug, um die redaktionelle Ausrichtung von CBS News grundlegend zu verschieben.Was Scott Pelley als „Mord“ an der Sendung bezeichnet, sehen die neuen Eigentümer vermutlich als notwendige Modernisierung oder ideologische Neuausrichtung. Für die Zuschauer bleibt die Frage, ob 60 Minutes seine Rolle als unabhängige Instanz des investigativen Journalismus überleben kann, wenn die Grenze zwischen Eigentümern, politischer Macht und redaktioneller Freiheit so stark verschwimmt.Weiterlesen
