Der Schweizer Leitindex SMI erreichte am 24. Juni 2026 mit einem Schlussstand von 14.117,75 Punkten ein neues Allzeithoch. Der Index stieg um 1,49 Prozent und überwand damit die Februar-Marke von 14.063,53 Zählern. Damit glich der Markt Verluste aus, die zuvor durch geopolitische Spannungen im Iran-Konflikt und Ölpreisschocks entstanden waren.
Die Rekordmarke und die Erholung vom Iran-Konflikt
Der SMI hat die Turbulenzen der letzten Monate hinter sich gelassen. Wie SRF berichtet, übersprang der Index am frühen Nachmittag die alte Bestmarke aus dem Februar, bevor der Iran-Krieg die Märkte unter Druck setzte. Die Erholung ist massiv: Während der SMI im Zuge der Unsicherheiten rund um den Iran-Krieg und den Ölpreisschock durch die Blockade der Straße von Hormus zeitweise auf ein Jahrestief von 12.053,51 Punkten abstürzte, zeigt der aktuelle Kurs eine vollständige Kompensation dieser Verluste.

Die Blockade der Straße von Hormus, einer der weltweit wichtigsten Engpässe für den Öltransport, führte zu einer unmittelbaren Verknappung des Angebots und trieb die Rohölpreise in die Höhe. Solche geopolitischen Schocks lösen an den Märkten typischerweise eine Flucht in „Safe Haven“-Assets aus, führen jedoch gleichzeitig zu steigenden Inputkosten für Industrieunternehmen, was die Gewinnmargen unter Druck setzt.
Dieser Aufstieg war teilweise auch ein Aufholprozess. Während der Schweizer Markt mit den geopolitischen Schocks kämpfte, erreichten an der Wall Street bereits in den vorangegangenen Wochen immer wieder neue Höchststände. Der SMI hat nun diesen Anschluss gefunden und sich zudem erfolgreich gegen den jüngsten Ausverkauf im überhitzten Tech-Sektor behauptet.
Gewinnmitnahmen und die Zinsabhängigkeit der Tech-Werte
Trotz des Rekordhochs bleibt die Lage bei den Technologie-Aktien volatil. Die aktuelle Korrektur im KI-Sektor wirft die Frage auf, ob es sich lediglich um einen kurzfristigen Rücksetzer auf dem Weg nach oben handelt oder um den Beginn einer größeren Verwerfung.
Ein wesentlicher Treiber dieser Unsicherheit ist die Geldpolitik der US-Notenbank Fed. Laut Cash reagieren Tech-Aktien besonders empfindlich auf mögliche Zinserhöhungen. Hohe Zinsen mindern den heutigen Barwert der erwarteten hohen Gewinne dieser Unternehmen. In der Finanzmathematik wird dies über das Discounted-Cashflow-Modell gesteuert: Steigt der Diskontsatz (orientiert an den Staatsanleihen), sinkt der heutige Wert zukünftiger Cashflows, was besonders Wachstumsaktien mit Gewinnerwartungen in der fernen Zukunft trifft.
Viele Anleger verzeichnen mit ihren KI-Aktien hohe Gewinne, und jede Unsicherheit könnte sie dazu veranlassen, ihre Positionen zu reduzieren, um die Erträge zu sichern. Jian Shi Cortesi, Fondsmanagerin bei Gam Investment Management
Diese Tendenz zur Gewinnmitnahme sorgt für eine nervöse Stimmung, selbst wenn der Gesamtindex neue Rekorde schreibt.
Performance-Check: Von Richemont bis Holcim
Der Aufstieg zum Allzeithoch war breit gestützt, wobei 15 der 20 SMI-Werte im Plus schlossen. Besonders hervorzuheben ist die Nestlé-Aktie, die auf ein Vier-Monats-Hoch sprang. Der SMI setzt sich aus den 20 grössten und liquidesten Schweizer Aktien zusammen und wird nach Marktkapitalisierung gewichtet, was bedeutet, dass Schwergewichte wie Nestlé, Roche und Novartis einen überproportionalen Einfluss auf die Indexbewegung haben.
Ein Blick auf die mittägigen Daten vom 24. Juni 2026, die finanzen.ch detailliert auflistet, zeigt die deutliche Spreizung zwischen den Gewinnern und Verlierern des Tages:
| Top-Performer (Mittag) | Kursänderung | Bottom-Performer (Mittag) | Kursänderung |
|---|---|---|---|
| Richemont | +3,31 % | Holcim | -2,27 % |
| Kühne + Nagel | +3,29 % | Amrize | -1,15 % |
| Givaudan | +2,65 % | Swiss Life | -0,86 % |
| Nestlé | +2,08 % | UBS | -0,68 % |
| Lonza | +1,48 % | Zurich Insurance | -0,65 % |
Während die UBS das höchste Handelsvolumen mit 891.012 gehandelten Aktien verzeichnete, bleibt Roche mit einer Marktkapitalisierung von 274,928 Milliarden Euro das schwerste Gewicht im Index. Die hohe Volatilität bei UBS spiegelt oft die Sensitivität des Finanzsektors gegenüber regulatorischen Änderungen und Zinsentscheidungen wider.
Fundamentaldaten und der Ausblick auf die Halbjahresberichte
Die Bewertung der SMI-Unternehmen zeigt eine starke Divergenz in den Kennzahlen für das Jahr 2026. Laut FactSet-Schätzungen weist die Swiss Re mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 9,54 die niedrigste Bewertung im Index auf. Ein niedriges KGV kann entweder auf eine Unterbewertung hindeuten oder darauf, dass der Markt höhere Risiken für die zukünftigen Gewinne des Unternehmens einpreist.

Auf der anderen Seite bietet die Partners Group mit einer voraussichtlichen Dividendenrendite von 7,17 Prozent die stärkste Ausschüttung. Die Dividendenrendite ist ein zentraler Faktor für konservative Anleger, die in einem volatilen Marktumfeld auf stabile Cashflows setzen.
Die langfristige Dynamik des Index ist positiv. Seit Jahresbeginn 2026 ist der SMI bereits um 5,86 Prozent gestiegen. Im Vergleich zum Vorjahr am 24. Juni 2025, als der Index noch bei 11.988,92 Punkten stand, ist ein massiver Wertzuwachs zu verzeichnen. Der Gesamtwert der im Index enthaltenen Titel belief sich am Mittag des heutigen Handelstages auf 1,626 Billionen Euro.
Für die kommenden Tage wird die anstehende Saison der Halbjahresberichte als zentraler Impulsgeber erwartet. Diese Berichte sind gesetzlich vorgeschriebene Finanzupdates, die den Geschäftsverlauf der ersten sechs Monate analysieren. Sie dienen als Korrektiv für die Marktbewertungen, da sie konkrete Zahlen zu Umsatz und Gewinn liefern, anstatt auf Schätzungen zu basieren. Diese Zahlen werden entscheiden, ob die aktuelle Rallye auf soliden Fundamentaldaten basiert oder ob die Marktteilnehmer die Bewertungen zu optimistisch gestaltet haben. Insbesondere die Fähigkeit der Unternehmen, die Kosteninflation und die Zinswende zu managen, wird im Fokus stehen.
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