Altkanzler Gerhard Schröder hat den 74. Geburtstag des russischen Präsidenten Wladimir Putin in Moskau persönlich gefeiert. Der Besuch des 82-jährigen SPD-Politikers löste in Deutschland scharfe parteiübergreifende Kritik aus, während die Bundesregierung erklärte, sie habe im Vorfeld keine Kenntnis von der Reise gehabt.
Geburtstagsfeier im privaten Kreis in Moskau
Am Mittwoch, dem 7. Oktober 2026, traf Gerhard Schröder in Moskau mit Wladimir Putin zusammen. Nach Angaben des Kreml lud der russische Präsident seinen alten Freund
zu sich nach Hause ein, nachdem er durch Medienberichte von Schröders geschäftlichem Aufenthalt in der russischen Hauptstadt erfahren hatte. Der Kreml veröffentlichte Fotos, die beide Männer beim Händeschütteln zeigen, während sie ihre Hände fest umeinander verschließen. Schröder wurde bei diesem privaten Besuch von seiner Ehefrau So-Yeon Schröder-Kim begleitet.
Schröder war nach seiner Berufung in den Aufsichtsrat der russischen Handelskette Hyperglobus, einer ehemaligen Tochter der deutschen Globus-Gruppe, nach Moskau gereist. Der frühere Unternehmenschef von Globus-Deutschland, Thomas Bruch, hatte laut einer Pressemitteilung auf Schröders langjährige Erfahrung im politischen und wirtschaftlichen Leben Russlands gesetzt. Vor der Geburtstagsfeier hielt der Altkanzler in einer Moskauer Filiale des Unternehmens eine Begrüßungsrede vor Mitarbeitern.

Der 1944 geborene Jurist Schröder, der Deutschland von 1998 bis 2005 als Kanzler regierte, pflegt seit Jahrzehnten eine enge Beziehung zu Putin. Bereits 2001 feierten sie gemeinsam orthodoxe Weihnachten, und der russische Präsident war in der Vergangenheit Gast bei Feierlichkeiten zu Schröders 60. und 70. Geburtstag. Auch nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine im Jahr 2022 hielt der Altkanzler an seinen geschäftlichen Verbindungen und seiner Freundschaft fest.
Empörung über Schröders Auftritt
Der Besuch stieß in Deutschland auf massive Ablehnung. Die FDP-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann bezeichnete den Altkanzler auf der Plattform X als Deutschlands frechsten Rentner
. Sie verwies darauf, dass Schröder im Jahr 2025 mehrfach Zeugenaussagen vor einem Untersuchungsausschuss zur Klimastiftung Mecklenburg-Vorpommern im Kontext der Gaspipeline „Nord Stream 2“ mit Verweis auf eine Burn-out-Erkrankung abgesagt hatte, nun aber für Termine in Russland und eine Geburtstagsfeier zur Verfügung stehe.
Die Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt verurteilte die Reise als Schande für Deutschland
und Verrat an Europa
. Dennis Radtke, Chef des CDU-Sozialflügels, schloss sich der Kritik an und sprach von einer Wunderheilung à la Rasputin
. Er kritisierte, Schröder sei für einen Untersuchungsausschuss zu krank, aber fit genug für Moskau, Putin und eine frische Ladung Rubel
. Auch aus der eigenen Partei kam deutliche Kritik: SPD-Chef Lars Klingbeil nannte den Besuch völlig inakzeptabel
.
Ralf Stegner verteidigt den Kontakt zu Putin
Der SPD-Außenpolitiker Ralf Stegner nahm Schröder gegen die Vorwürfe in Schutz. Er betonte, Schröder sei als Privatmann in Moskau gewesen und habe keine offizielle politische Funktion. Wir sollten in Deutschland keine Teufelsaustreibung betreiben, wenn ein Altkanzler nach Moskau reist
, sagte Stegner. Er argumentierte, dass in Anbetracht der ernsten Lage der Zugang zu Putin, über den nur wenige verfügten, genutzt werden müsse.

Zur Wahrheit gehört doch: Schröder ist einer der wenigen in Deutschland, die noch Zugang zu Putin haben. Als Sozialdemokrat wird er Putin sagen, dass er den Krieg beenden soll. Wenn sein Besuch nur einen Millimeter nützt, um einem Waffenstillstand in der Ukraine näherzukommen, kann ich daran nichts Falsches finden.
Ralf Stegner, SPD-Außenpolitiker
Stegner betonte zudem, dass Schröder gegen den Krieg sei und Putin sicher nicht dazu ermuntert habe, diesen fortzusetzen. Der SPD-Spitzenkandidat für die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen, Jochen Ott, räumte zwar ein, dass diplomatische Initiativen zur Beendigung des Krieges notwendig seien, bezeichnete die Bilder aus Moskau jedoch als Teil des Problems
, da sie vor allem der russischen Propaganda dienten.
Reaktion der Bundesregierung
Die offizielle Reaktion aus Berlin fiel scharf aus. Wie Regierungssprecher Steffen Meyer am Freitag mitteilte, zeigte sich Bundeskanzler Friedrich Merz zutiefst empört
über das Treffen. Sowohl das Auswärtige Amt als auch das Innenministerium bestätigten auf Anfrage, dass sie im Vorfeld keine Kenntnis von der Reise des Altkanzlers hatten.

Während der Feierlichkeiten in Moskau dauerten die militärischen Auseinandersetzungen in der Ukraine an. Präsident Wolodymyr Selenskyj berichtete von 78 Toten innerhalb von zwei Tagen und über 200 Verletzten durch russische Angriffe, die er als Geburtstagsgeschenk für Putin
bezeichnete.
Auch interessant