Zum Inhalt springen
Unternehmen

Sandoz-CEO fordert von EU Marktfairness

Sandoz-CEO Richard Saynor forderte am 28. Mai 2026 in Kundl von der Europäischen Union die Wiederherstellung eines fairen Marktwettbewerbs. Angesichts „ultrabilliger“ chinesischer Importe, die teilweise 90 Prozent günstiger seien, warnte Saynor vor einer gefährlichen Abhängigkeit bei Antibiotika-Wirkstoffen und bezeichnete die aktuelle Situation als „letzten Weckruf“ für die europäische Industrie.

Die Lage auf dem Markt für Generika ist nicht mehr nur eine Frage des Preises, sondern eine strategische Sicherheitsfrage für den gesamten Kontinent. Sandoz schlägt Alarm, weil die Versorgung mit lebensnotwendigen Antibiotika zunehmend von Lieferketten außerhalb Europas abhängt. Laut Berichten von Blick stammen bis zu 90 Prozent der weltweiten Wirkstoffe für Antibiotika aus Asien, primär aus China. Diese Abhängigkeit ist das Resultat einer aggressiven Preisstrategie. Richard Saynor kritisierte, dass vergleichbare Produkte aus China derzeit „um rund 90 Prozent“ günstiger seien. In einer drastischen Analogie verglich der Konzernchef die Preisentwicklung mit Alltagswaren. „Antibiotika haben mehr Leben gerettet als jedes andere Medikament. Trotzdem werden sie heute wie eine Billigware behandelt. Oft kostet eine Packung Antibiotika weniger als ein Päckchen Kaugummi.“ Richard Saynor, CEO von Sandoz, via Blick Sandoz reagiert darauf nicht nur mit öffentlichen Warnungen, sondern mit juristischen Schritten. Das Unternehmen hat bei der EU-Kommission eine Anti-Dumping-Beschwerde gegen chinesische Hersteller eingereicht. Der Kernvorwurf: Chinesische Firmen würden Wirkstoffe mit staatlicher Unterstützung künstlich billig auf den Weltmarkt werfen, teilweise sogar unter den eigentlichen Produktionskosten, um europäische Produzenten systematisch zu verdrängen.

Die strategische Bedeutung des Standorts Kundl

Die strategische Bedeutung des Standorts Kundl
cluster (priority): BörsenNEWS.de
Im Zentrum dieser Debatte steht das Werk in Kundl, Österreich. Seit 1946 wird dort Antibiotika produziert, womit der Standort ein 80-jähriges Erbe der pharmazeutischen Fertigung repräsentiert. Sandoz bezeichnet die Fabrik als die letzte vollständig integrierte Antibiotika-Produktion Europas. Für den Verwaltungsratspräsidenten Gilbert Ghostine ist die Anlage daher „strategisch unverzichtbar“ für den Kontinent. Der Verlust solcher Kapazitäten wäre nicht nur ein Problem für Sandoz, sondern ein Risiko für die gesamte westliche Industrie. Saynor wies darauf hin, dass zahlreiche andere Penicillin-Produktionsstätten in den USA sowie in Höchst in Deutschland bereits geschlossen wurden. Kundl ist damit ein letztes Bollwerk gegen die totale Abhängigkeit von asiatischen Importen. Trotz dieser strategischen Bedeutung ist der Standort nicht immun gegen den wirtschaftlichen Druck. Im März wurde das Development Center geschlossen, wovon rund 100 Mitarbeiter betroffen waren, wobei Sandoz angab, für den größeren Teil alternative Positionen gefunden zu haben.

Der Industrial Accelerator Act und die 30-Prozent-Quote

Der Industrial Accelerator Act und die 30-Prozent-Quote
cluster (priority): VOL.AT
Um den Niedergang der europäischen Produktion zu stoppen, fordert Saynor konkrete Taten statt bloßem Verständnis auf EU-Ebene. Er plädiert für die Schaffung richtiger Rahmenbedingungen, die über reine Staatsunterstützungen hinausgehen. Ein konkreter Vorschlag ist die Einführung einer Priorisierungsquote: Europa solle mit einem „Slot von rund 30 Prozent“ europäische Produkte bevorzugen. Die Politik reagiert auf diesen Druck. Wirtschaftsstaatssekretärin Elisabeth Zehetner verwies auf den im März von der Europäischen Kommission vorgestellten „Industrial Accelerator Act“. Diese Maßnahme zielt darauf ab, öffentliche Beschaffungen und Förderungen gezielt auf EU-Unternehmen zu lenken. „Wichtig ist nun, dass dieser Act auf EU-Ebene entsprechend umgesetzt wird. Es gelte darauf zu schauen, dass man beim Industrie-Thema souverän bleibt. Das bedeute auch, dass ein Mindestmaß der Produktion in Europa bleiben muss.“ Elisabeth Zehetner, Wirtschaftsstaatssekretärin, via Südtirol News Zehetner betonte, dass bei der Beschaffung „nicht nur auf den billigsten Preis geschaut werden“ dürfe, sondern die Herkunft des Produkts ein entscheidendes Kriterium werden müsse. Die österreichische Bundesregierung hat angekündigt, alle diesbezüglichen EU-Maßnahmen zu unterstützen.

Kostenexplosion und staatliche Entlastungspakete

Kostenexplosion und staatliche Entlastungspakete
cluster (priority): news.google.com
Neben dem globalen Preisdruck durch China kämpft Sandoz mit massiv steigenden Betriebskosten in Europa. Die finanzielle Belastung ist in den letzten Jahren drastisch gestiegen, was die Wettbewerbsfähigkeit weiter untergräbt.
  • Energiekosten: Anstieg um 173 Prozent.
  • Industriekosten: Zuwachs von 31 Prozent.
  • Zusatzbelastung: Anhaltend hohe Inflation.
Auf nationaler Ebene versucht die österreichische Regierung, diesen Kostenpeak abzufedern. Zehetner erläuterte das aktuelle „Industriestrompaket“, das darauf abzielt, die Elektrizitätskosten in den Jahren 2027 bis 2029 um insgesamt 750 Millionen Euro zu reduzieren. Sandoz soll von diesem Paket profitieren, um die Produktion in Kundl trotz der wirtschaftlichen Gegenwinde aufrechtzuerhalten. Für Richard Saynor bleibt die Situation jedoch kritisch. Während nationale Strompakete kurzfristige Erleichterungen bringen, löst nur eine fundamentale Änderung der EU-Handels- und Beschaffungspolitik das strukturelle Problem. Sandoz sieht sich in einem Kampf nicht nur gegen billigere Konkurrenten, sondern für die strategische Autonomie Europas in der Gesundheitsversorgung.
Teilen Facebook X WhatsApp E-Mail
David Falk

Über den Autor

David Falk verantwortet das Wirtschafts- und Unternehmensressort von Germanic Nachrichten. Er berichtet ueber Maerkte, Mittelstand, Innovation und strategische Entwicklungen in deutschen und internationalen Unternehmen.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.