Der Fast-Fashion-Riese Shein verzeichnete im ersten Quartal 2026 einen Nettoverlust von 99 Millionen US-Dollar, nachdem die USA eine wichtige Zollbefreiung für Kleinpakete aufgehoben haben.
Die Zahlen sind ein deutliches Signal für die finanziellen Verwerfungen, die den Online-Händler derzeit erschüttern. Laut aktuellen Finanzberichten vor dem geplanten Börsengang schwang Shein von einem Nettogewinn von 395 Millionen US-Dollar im Vorjahresquartal in einen Verlust von 99 Millionen US-Dollar. Neben dem Umsatzrückgang belastete eine einmalige Buchungsanpassung in Höhe von 328 Millionen US-Dollar für wandelbare Vorzugsakien das Ergebnis.
Das Ende der „De Minimis“-Regelung in den USA
Der Kern des Problems liegt in einer Änderung der US-Zollpolitik. Bisher erlaubte die sogenannte „De Minimis“-Regelung den zollfreien Import von Waren mit einem Wert von bis zu 800 US-Dollar. Das Weiße Haus rechtfertigte den Schritt damit, dass die Befreiung genutzt wurde, um Zölle zu umgehen und tödliche synthetische Opioide in die USA zu schleusen.”

Für Shein waren die Folgen unmittelbar spürbar. Produkte aus China, die über das Unternehmen oder seinen Marktplatz in die USA geliefert werden, unterliegen nun Steuersätzen. Der Umsatz in den USA sank im ersten Quartal 2026, wie aus dem Prospekt des Unternehmens hervorgeht.
Um die gestiegenen Kosten abzufangen, prüft das Unternehmen Preiserhöhungen im US-Markt. Das ist eine riskante Strategie, da die Marke primär über extrem niedrige Preise – etwa 5-Dollar-Kleider oder 10-Dollar-Jeans – wächst.
EU-Zölle und globale Margendruck
Die regulatorische Zange schließt sich nun auch in Europa. Im Juli führte die Europäische Union eine Gebühr von 3 Euro auf geringwertige E-Commerce-Importe ein, um unfaire Wettbewerbsvorteile aus China zu begrenzen. Da Europa im Jahr 2025 etwa ein Drittel des Umsatzes von Shein ausmachte, warnt das Unternehmen vor ähnlichen oder sogar stärkeren Effekten wie in den USA.
Die gesamte Geschäftsbilanz für 2025 zeigt bereits eine Abkühlung: Der Nettogewinn sank auf 2,06 Milliarden US-Dollar. Zwar stiegen die Umsätze insgesamt auf 41,85 Milliarden US-Dollar, doch das Wachstum hat sich im Vergleich zu 2024 massiv verlangsamt. Die operative Marge im ersten Quartal 2026 schrumpfte zudem.
Strategische Neuausrichtung vor dem Hongkong-Börsengang
Nach gescheiterten Versuchen, in New York oder London an die Börse zu gehen, erhielt Shein am 10. Juli die Genehmigung der China Securities Regulatory Commission (CSRC) für einen Börsengang in Hongkong. Die Details zu Preis, Volumen und Zeitplan bleiben jedoch geheim. Marktbeobachter berichten, dass Shein eine Bewertung von 40 bis 50 Milliarden US-Dollar anstrebt – ein drastischer Absturz gegenüber den 100 Milliarden US-Dollar, die in einer Finanzierungsrunde 2022 kolportiert wurden.
Das Unternehmen plant, die Erlöse aus dem IPO in Technologie, Markenbekanntheit und globale Expansion sowie in Maßnahmen zur unternehmerischen Verantwortung zu investieren. Dies erfolgt vor dem Hintergrund anhaltender Kritik an den Arbeitsbedingungen in Lieferantenfabriken und den ökologischen Auswirkungen des massiven Luftversands. Shein betont hierbei eine Null-Toleranz-Politik gegenüber Arbeitsmissbrauch.
Überlebenschancen im Handelskrieg
Ob die Zölle Shein dauerhaft schwächen, wird unter Experten diskutiert.
„Die Trump-Administration glaubt, sie seien geschwächt worden, aber selbst mit den Zöllen sind sie die günstigere Alternative für die Verbraucher. Die Unternehmen waren flexibel in der Anpassung und verfügen über Lagerhäuser in den USA. Ich glaube nicht, dass sie in dem Maße geschwächt sind, wie es sich die Administration erhofft hat. Les Mandelbaum, Präsident von Umbra
Ein entscheidender Faktor bleibt die Kaufkraft der Konsumenten. Susannah Streeter von Hargreaves Lansdown analysiert, dass Haushalte mit knappem Budget eher zum Preis als zum Ruf eines Unternehmens neigen, selbst wenn Bedenken hinsichtlich Nachhaltigkeit und Menschenrechten wachsen.
Diese Struktur macht das Unternehmen hochgradig anfällig für jede weitere Verschärfung der Handelskonflikte zwischen Washington und Peking.
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