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Salzburgerin versuchte Tötung ihrer Tochter und Suizid wegen Pflegekonflikt

Eine 86-jährige Salzburgerin stand am 3. August 2026 vor dem Landesgericht Salzburg an, weil sie am 25. Oktober 2025 versuchte, ihre 61-jährige, geistig schwer beeinträchtigte Tochter mit einer potenziell tödlichen Dosis Schlaftabletten zu töten und anschließend selbst Suizid zu begehen. Beide Frauen überlebten den Vorfall.

Die Angeklagte, eine bisher unbescholtene Pensionistin, wurde von Justizwachebeamten im Rollstuhl in den Schwurgerichtssaal gefahren. Vor den Geschworenen zeigte sie sich geständig. Der Kern des tragischen Falls liegt in einem Familienkonflikt über die Pflege der Tochter, die laut Staatsanwältin durch eine angeborene Entwicklungsstörung mit schwerer Intelligenzminderung schwer beeinträchtigt ist.

Die Tat vom 25. Oktober 2025 und die Rettung durch den Ehemann

Nach Angaben der Staatsanwältin verabreichte die Mutter ihrer Tochter jeweils 15 Tabletten des Schlafmittels „Halcion“. Die Frau nahm dieselbe Menge selbst ein, in der Absicht, ihr gemeinsames Leben zu beenden. Die Tochter konnte die Gefahr der Tabletteneinnahme aufgrund ihrer schweren geistigen Beeinträchtigung nicht erkennen.

Bei den zwei Frauen trat eine massive Bewusstseinsbeeinträchtigung ein. Dass die Tat nicht tödlich endete, ist laut Staatsanwaltschaft dem Glück und dem Ehemann der Angeklagten zu verdanken, der auch der Vater der 61-Jährigen ist. Er fand die beiden Frauen noch lebend vor und verständigte die Rettung.

„Dass beide lediglich eine Sedierung erlitten, war Glück und dem Ehegatten zu verdanken, der Hilfe geholt hat.“

Staatsanwältin, via salzburg24

Pflegeheim-Konflikt als Auslöser der Tat

Im Gericht räumte die 86-Jährige ein, dass sie den Tod gesucht habe, um zu verhindern, dass ihre Tochter in ein Pflegeheim kommt. Der Sohn der Angeklagten, der bereits die Obsorge über die 61-Jährige innehatte, wollte die Tochter in eine Einrichtung überführen, um die betagte Mutter zu entlasten. Am Abend des 24.

Mutter wegen des Todes ihrer pflegebedürftigen Tochter angeklagt | 28/22 News

Die Angeklagte erklärte dem vorsitzenden Richter Günther Nocker, sie habe befürchtet, dass es ihrer Tochter in einem Heim schlecht gehen würde und dass sie tun muss, was sie nicht mag. Sie begründete ihr Vorgehen mit den Worten: Ich sagte, das kommt nicht in Frage. Zudem gab sie an: Meine Tochter hat gesagt, sie geht in kein Pflegeheim. Die Tochter habe weder lesen noch schreiben können, außer ihren Vornamen, und könne selbst keine Entscheidungen treffen; sie habe gemacht, was die Mutter sagte.

Ihr Verteidiger, Markus Kobler, betonte das besondere emotionale Naheverhältnis zwischen Mutter und Tochter. Die Mutter habe sich aufopferungsvoll gekümmert und sei überzeugt gewesen, dass sich niemand mit derselben Liebe und Fürsorge um die Tochter kümmern könne, weshalb sie keinen anderen Ausweg mehr gesehen habe.

Rechtliche Bewertung und Zurechnungsfähigkeit

Trotz der tragischen Umstände und des menschlichen Mitgefühls, das auch die Staatsanwaltschaft ansprach, bleibt die rechtliche Lage eindeutig. Die Staatsanwaltschaft vertritt die Ansicht, dass die Frau zum Tatzeitpunkt voll zurechnungsfähig war: Die Angeklagte wusste, was sie tat. In ihrem Eingangsplädoyer mahnte die Staatsanwältin die Geschworenen, sich auf die rechtliche Seite des Verfahrens zu konzentrieren, da die Angeklagte versucht habe, ihre Tochter im Wissen um den fehlenden Willen der Tochter, aus dem Leben zu scheiden, zu töten.

Salzburgerin versuchte Tötung ihrer Tochter und Suizid wegen Pflegekonflikt
Photo: salzburg24

Die Frau verbringt ihre Untersuchungshaft derzeit in einer geriatrischen Abteilung der Sonderkrankenanstalt Wilhelmshöhe, einer Außenstelle der Justizanstalt Wien-Josefstadt. Während des Prozesses gestaltete sich die Einvernahme schwierig; die Angeklagte antwortete teilweise erst nach mehrfacher Wiederholung der Fragen und unter Tränen.

Vergleichbare Fälle und aktueller Status

Das Landesgericht Salzburg behandelte erst kürzlich einen ähnlich gelagerten Fall. Im März 2026 wurde ein 86-jähriger Salzburger wegen versuchten Mordes verurteilt. Dieser soll im August 2025 versucht haben, seine bettlägerige, schwer demente, 85-jährige Ehefrau ebenfalls durch Verabreichung von Halcion zu töten.

Salzburgerin versuchte Tötung ihrer Tochter und Suizid wegen Pflegekonflikt
Photo: SN

In dem aktuellen Verfahren wurde ein Abschiedsbrief der Angeklagten sichergestellt. Die Frau, die sich bereits im Ermittlungsverfahren ihrer Verantwortung gestellt und reuig gezeigt hatte, berichtete zudem während des Prozesses, dass es ihrer Tochter mittlerweile in dem Pflegeheim gut gehe und sie dort glücklich sei.

Nach der Befragung von Gutachtern und zwei Zeugen wird das Gericht voraussichtlich noch am selben Tag, dem 3. August 2026, ein Urteil fällen.

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Jonas Becker

Über den Autor

Jonas Becker verantwortet das Nachrichtenressort von Germanic Nachrichten. Sein Fokus liegt auf schneller, praeziser und sauber verifizierter Berichterstattung zu Politik, Gesellschaft und aktuellen Entwicklungen in Deutschland.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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