Heike Kleen beschreibt in einer Kolumne für DER SPIEGEL die Merkmale des sogenannten „männlichen Obernarzissten“. Diese Personen zeichnen sich laut Kleen durch ein Gefühl der Einzigartigkeit und Überlegenheit aus. Zudem fehle ihnen die Empathie, und sie würden sich niemals entschuldigen, berichtet das Magazin in der Ausgabe Nr. 26.
Psychologische Einordnung narzisstischer Persönlichkeitsmuster
In ihrer „Liebesleben“-Kolumne analysiert Heike Kleen das Verhalten von Männern, die sich selbst als besonders wichtig wahrnehmen.
Diese Typen glauben, einzigartig zu sein, besonders wichtig und allen anderen haushoch überlegen.
Heike Kleen, Kolumnistin bei DER SPIEGEL
Laut dem Bericht ist diesen Personen Empathie fremd, und sie neigen nicht dazu, sich für ihr Handeln zu entschuldigen.
Die Analyse in der „Liebesleben“-Kolumne knüpft an eine breitere gesellschaftliche Diskussion über Beziehungsdynamiken und psychologische Muster in Partnerschaften an. Die Kolumne nutzt Beobachtungen aus dem Alltag und dem Dating-Verhalten, um problematische Persönlichkeitszüge zu identifizieren, die in romantischen Beziehungen oft zu einem Ungleichgewicht der Macht führen.
Wissenschaftliche Definition und klinische Kriterien
Psychologisch betrachtet korrespondieren die von Kleen beschriebenen Merkmale des „Obernarzissten“ mit den Kriterien des grandiosen Narzisstums. In der klinischen Psychologie, etwa im DSM-5 (Diagnostisches und Statistisches Manual Psychischer Störungen), wird Narzissmus durch ein übersteigertes Gefühl der eigenen Wichtigkeit, Fantasien über grenzenlosen Erfolg und Macht sowie ein starkes Bedürfnis nach Bewunderung definiert. Der Begriff „Obernarzisst“ in der Kolumne beschreibt somit eine extreme Ausprägung dieser Tendenzen, bei der die Überlegenheit nicht nur gefühlt, sondern als absolute Tatsache gegenüber anderen Menschen gesetzt wird.
Ein zentraler Punkt der Beschreibung ist das Fehlen von Empathie. Empathie ist die Fähigkeit, die Emotionen und Perspektiven eines anderen Menschen zu verstehen und nachzuempfinden. Wenn diese Fähigkeit fehlt, können Betroffene die Bedürfnisse oder den Schmerz ihres Partners nicht wahrnehmen oder ignorieren sie bewusst. Dies führt in der Praxis oft dazu, dass die Bedürfnisse des „Obernarzissten“ stets im Vordergrund stehen, während die emotionalen Anforderungen des Gegenübers als irrelevant oder gar als störend empfunden werden.
Verweigerung von Verantwortung und Schamvermeidung
Besonders prägnant ist die Beobachtung, dass diese Personen sich niemals entschuldigen. In der Psychologie wird dies oft mit einem fragilen Selbstwertgefühl erklärt, das hinter einer Fassade von Grandiosität verborgen liegt. Eine Entschuldigung würde bedeuten, einen Fehler einzugestehen und damit die eigene vermeintliche Perfektion und Überlegenheit infrage zu stellen. Für einen Menschen mit stark ausgeprägten narzisstischen Zügen ist ein solches Eingeständnis oft mit einem unerträglichen Gefühl von Scham verbunden, weshalb die Verantwortung für Konflikte systematisch auf den Partner oder äußere Umstände übertragen wird.

Geschlechterrollen und gesellschaftliche Wahrnehmung
Die Spezifizierung als „männlicher“ Narzisst in Kleens Kolumne rückt zudem die Rolle von Geschlechterstereotypen in den Fokus. In vielen kulturellen Kontexten wurden bestimmte Verhaltensweisen wie Dominanz, ein starkes Selbstbewusstsein und eine geringe emotionale Offenheit traditionell mit Männlichkeit assoziiert. Wenn diese gesellschaftlichen Erwartungen auf eine narzisstische Persönlichkeitsstruktur treffen, kann dies dazu führen, dass manipulatives oder überlegenes Verhalten weniger schnell als problematisch erkannt wird, da es fälschlicherweise als „starkes Auftreten“ oder „Führungsqualität“ interpretiert wird.
Die Identifizierung solcher Muster in einer öffentlich zugänglichen Publikation wie DER SPIEGEL dient oft dazu, Betroffenen in toxischen Beziehungsstrukturen eine Sprache für ihre Erfahrungen zu geben. Das Erkennen von Warnsignalen – wie der Weigerung, Verantwortung zu übernehmen, oder der systematischen Abwertung des Partners – ist in der psychologischen Beratung ein erster Schritt, um die Dynamik einer emotional belastenden Beziehung zu verstehen und gegebenenfalls Gegenmaßnahmen zu ergreifen.
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