Mehrere russische Tanker, die ursprünglich Dieselkraftstoff an die US-Ostküste liefern sollten, haben ihre Routen geändert und steuern nun andere Ziele wie Brasilien und das Mittelmeer an. Damit gerät das im Oktober 2026 von US-Präsident Donald Trump und Wladimir Putin vereinbarte Dieselabkommen unter erheblichen Druck.
Änderung der Routen und unklare Ziele
Nach aktuellen Schiffsdaten haben mindestens zwei der für die USA vorgesehenen Tanker ihren Kurs angepasst. Ein weiteres Schiff, die Primorye, hat Kurs auf die Bahamas genommen.
Der griechische Tanker Agioi Fanendes ist laut Berichten weiterhin auf dem Weg nach Nordamerika. Der Eigentümer, Eastern Mediterranean Maritime, teilte der Financial Times jedoch mit, dass die Genehmigung des Entladehafens noch nicht bestätigt sei.

Ein weiterer Tanker namens Beast, der einem Unternehmen mit Sitz auf den Seychellen gehört und ebenfalls auf der Sanktionsliste steht, verließ den russischen Hafen Primorsk am 27. Oktober nach der Beladung. Luftbilder zeigen zudem den Tanker Boracay aus der russischen sogenannten „Schattenflottevor der französischen Küste.
Rechtlicher Widerstand in den USA
Das Abkommen sieht vor, dass Russland sukzessive große Mengen Diesel liefert. Nach einer Vereinbarung vom 9. Oktober, die auf einem Telefonat zwischen Trump und Putin basierte, sollten zunächst 300.000 Tonnen im Oktober, weitere 500.000 Tonnen im November und danach eine Million Tonnen bereitgestellt werden. Insgesamt hatte Trump Lieferungen von mehr als 1,8 Millionen Tonnen bzw. bis zu 4,8 Millionen Tonnen in Aussicht gestellt. Das US-Finanzministerium erteilte hierfür eine Genehmigung, die bestimmte Geschäfte mit russischem Diesel bis zum 7. April 2027 erlaubt.
Diese Sondergenehmigung stößt jedoch auf massiven politischen und rechtlichen Widerstand. Die Gouverneurin von New Jersey, Mikie Sherrill, forderte Hafen- und Terminalbetreiber in einem offiziellen Schreiben auf, Schiffe mit russischem Kraftstoff abzuweisen. Sie erklärte, New Jersey werde seine rechtlichen Mittel nutzen, um sicherzustellen, dass Einrichtungen und Firmen vor Ort keinen russischen Kraftstoff umschlagen. Unternehmen, die am illegalen Handel mit russischem Treibstoff teilnehmen, müssten mit empfindlichen Strafen rechnen.
Eine überparteiische Gruppe von zwölf Senatorinnen und Senatoren forderte Trump in einem dringenden Appell auf, den Deal sofort abzublasen, da die USA Putin keine finanzielle Rettungsleine verschaffen sollten
.

Marktsituation und wirtschaftliche Folgen
Die Unsicherheit über die Lieferungen erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem die US-Dieselvorräte auf einen Tiefstand von weniger als 100 Millionen Barrel gefallen sind, den niedrigsten Wert seit mehr als 20 Jahren. Die Financial Times berichtete, dass eine Gallone Diesel Anfang November durchschnittlich etwa 6,29 Dollar kostete. Die Benzinpreise an US-Tankstellen erreichten zeitgleich etwa 6,27 US-Dollar pro Gallone, was sich dem Rekordhoch vom September näherte.
Die Umleitung der Tanker könnte das Angebot im Atlantikraum verknappen und die Preisvolatilität erhöhen. Während die US-Bestände niedrig sind, werden russische Produkte zunehmend an Käufer in der Türkei, Brasilien und afrikanischen Staaten verkauft. Händler stehen vor einem komplexeren Importbild, da die saisonale Nachfrage steigt.
Internationale Kritik und Reaktionen
Der Deal hat bei europäischen Partnern und der Ukraine für Entsetzen gesorgt. Sie betonten, dass die Einnahmen aus dem Treibstoffverkauf direkt die Mittel für Moskaus Angriffskrieg gegen die Ukraine finanzieren würden. Die Kritik richtete sich auch darauf, dass Washington Sanktionen gegen den russischen Staatsfonds und dessen Chef Kirill Dmitriew aufheben wollte, während Moskau militärisch in der Ukraine verharrt.
Der Kreml weist die Berichte über ein Scheitern der Vereinbarung zurück. Der Kremlsprecher Dmitri Peskow erklärte, dass die russischen Lieferungen ihre Käufer erreichen würden. Ein Zusammenhang zwischen den Kursänderungen der Tanker und den amerikanischen Wahlen wurde von ihm zurückgewiesen.

Kirill Dmitrijew, der den russischen Direktinvestitionsfonds leitet und als Sondergesandter des Kremls zwischen Washington und Moskau vermittelt, bezeichnete den Bericht der Financial Times als Fake
und erklärte, die für die USA bestimmten Tanker setzten ihre Fahrt fort. Der Experte für russische Wirtschaft, Janis Kluge, kommentierte auf der Plattform X hingegen: Das Theater um den ‚Diesel-Deal‘ ist vorbei. Die USA erhalten keinen russischen Kraftstoff. Stattdessen fahren die Tanker zu den üblichen russischen Abnehmern wie Brasilien.
Kluge leitet daraus ab, dass die USA die Sanktionen gegen Dmitrijews Fonds wahrscheinlich doch nicht aufheben werden.
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