Zum Inhalt springen
Gesundheit

REM-Schlaf mit geringerem Risiko für 83 Krankheiten verbunden

Eine neue, auf Daten der UK Biobank gestützte Studie mit fast 100.000 Menschen zeigt, dass längerer REM-Schlaf mit einem deutlich geringeren Risiko für 83 verschiedene Erkrankungen verbunden ist. Die im September 2026 veröffentlichte Untersuchung beleuchtet die Bedeutung einzelner Schlafphasen für die langfristige Gesundheit.

Wer nachts genügend Träume im REM-Schlaf erlebt, profitiert davon offenbar weit stärker als bisher angenommen. Eine groß angelegte Untersuchung, deren Ergebnisse im September 2026 bekannt wurden, hat den Zusammenhang zwischen verschiedenen Schlafphasen und der Entstehung von Krankheiten analysiert. Dafür werteten Forscher die Daten von genau 95.559 Teilnehmern aus, die ihre Schlafaktivität über eine Woche hinweg mittels am Handgelenk getragener Bewegungsmesser aufgezeichnet hatten.

Im Gegensatz zu älteren Erhebungen, die sich meist auf die subjektive Wahrnehmung der Probanden verließen, lieferten die elektronischen Beschleunigungssensoren objektive Einblicke in die tatsächliche Schlafarchitektur und Schlafdauer. Die Wissenschaftler begleiteten die Studienteilnehmer über einen Median von 8,9 Jahren, um neu auftretende gesundheitliche Beschwerden zu dokumentieren.

REM-Schlaf als Schutzfaktor gegen 83 Krankheiten

Das auffälligste Resultat der Auswertung betrifft die sogenannte REM-Phase (Rapid Eye Movement), in der die Augen unter den geschlossenen Lidern rasch hin- und herwandern und die meisten intensiven Träume stattfinden. Harvard Health zufolge schalten die Muskeln in Armen und Beinen in diesem Zustand vorübergehend ab, um zu verhindern, dass Schlafende ihre Träume körperlich ausleben.

Mehr Zeit in dieser aktiven Phase war im Rahmen der Untersuchung mit einem reduzierten Risiko für über 80 gesundheitliche Bedingungen verbunden. Dazu gehören laut den publizierten Daten unter anderem Herzinsuffizienz, Vorhofflimmern, Alzheimer, multiple Sklerose und Hypotonie. Auch der Tiefschlaf, der idealerweise etwa ein Viertel der Gesamtschlafzeit ausmacht, zeigte positive Effekte: Er ging mit einem geringeren Risiko für sieben spezifische Leiden einher, darunter Typ-2-Diabetes, Schlafapnoe, Depressionen und Parkinson.

„These findings highlight that both sleep architecture and sleep duration are associated with disease risk.“

Studienautoren, via Yahoo

Optimale Schlafdauer und die Rolle der Regelmäßigkeit

Neben den einzelnen Schlafphasen spielte auch die Gesamtdauer eine entscheidende Rolle für das gesundheitliche Profil. Personen, die regelmäßig zwischen sechs und acht Stunden pro Nacht schliefen, wiesen das geringste Risiko für zahlreiche Erkrankungen auf. Wer dagegen weniger als fünf Stunden Ruhe fand, schien laut den Beobachtungen deutlich mehr gesundheitlichen Risiken ausgesetzt zu sein.

Zudem untersuchten die Forscher das Phänomen der Schlafunterbrechungen und der Regelmäßigkeit. Eine stärkere Unregelmäßigkeit beim Einschlafen korrelierte mit erhöhten Wahrscheinlichkeiten für Angststörungen, Bauchschmerzen und Depressionen. Häufiges Aufwachen in der Nacht erhöhte laut den Auswertungen ebenfalls das Risiko für bestimmte Beschwerden, darunter Arthrose.

Einordnung durch die Fachwelt und methodische Grenzen

Trotz der beeindruckenden statistischen Zusammenhänge mahnen Experten zur Vorsicht bei der Interpretation der Daten. So betonte Dr. Greg Elder, Associate Director des Northumbria Centre for Sleep Research an der Northumbria University, dass bewegungsbasierte Armbanduhren noch nicht exakt bestimmen können, in welcher Schlafphase sich der Körper über Nacht tatsächlich befindet. Dennoch bewertete er die Methodik positiv, da sie auf objektiven Messungen anstelle reiner Selbstauskünfte beruht.

REM-Schlaf mit geringerem Risiko für 83 Krankheiten verbunden
Photo: Fitbook
REM-Schlaf mit geringerem Risiko für 83 Krankheiten verbunden
Photo: medicalnewstoday.com

Auch Dr. Nina Rzechorzek, Clinician Scientist an der University of Cambridge, wies darauf hin, dass die Resultate zwar als potenziell informative Marker für ein künftiges Krankheitsrisiko dienen können, aber keineswegs belegen, dass eine künstliche Verlängerung des REM- oder Tiefschlafs Krankheiten automatisch verhindert.

„This study adds to the evidence to show that a regular sleep pattern, where we get enough sleep, is important for our physical and psychological health, as we get older.“

Dr Greg Elder, Northumbria University

Zudem weisen die Autoren der Studie auf das Phänomen der kausalen Umkehr hin. So könnte beispielsweise eine bereits im Frühstadium unerkannte Erkrankung wie eine Depression zu veränderten Schlafmustern führen, anstatt dass der schlechte Schlaf die Depression ausgelöst hat.

‼️ Zu wenig oder zu viel Schlaf kann das Risiko für Krebs erhöhen.
Teilen Facebook X WhatsApp E-Mail
Dr. Lena Hartmann

Über den Autor

Dr. Lena Hartmann leitet das Gesundheitsressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet seit ueber zehn Jahren ueber Praevention, Medizinpolitik und digitale Gesundheit und legt besonderen Wert auf verstaendliche, quellenbasierte Einordnung.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.