Der Begriff „Ragebaitist von dem Verlag Pons Langenscheidt zum Jugendwort des Jahres 2026 gekürt worden.
„Ragebait“ gewinnt die Online-Abstimmung an der Frankfurter Buchmesse
Das Rennen um das Jugendwort des Jahres 2026 ist entschieden. Der Verlag Pons Langenscheidt gab den Gewinner im Rahmen der Frankfurter Buchmesse bekannt (Lausitzer Rundschau). Mit genau 36,5 Prozent der Stimmen sicherte sich Ragebait
den ersten Platz in der Internet-Abstimmung (Lausitzer Rundschau). Etwa eine Million junge Menschen hatten sich an dem Voting beteiligt (Tages-Anzeiger).

Direkt übersetzt bedeutet der Begriff Wut-Köder (Tages-Anzeiger). Gemeint sind damit Inhalte in sozialen Netzwerken, die bewusst mit provokanten Thesen, Falschbehauptungen oder wilden Meinungen arbeiten, um Empörung auszulösen (SRF). Das Ziel solcher Beiträge besteht darin, den Algorithmus zu füttern, Reaktionen zu provozieren und dadurch Reichweite zu generieren (Tages-Anzeiger). Seit 2008 veröffentlicht der Verlag das Jugendwort des Jahres – damals siegte „Gammelfleischparty“ für Ü30-Partys. Die Wahl hat im Laufe der Jahre eine feste Altersbeschränkung erhalten, denn seit 2020 dürfen ausschließlich Jugendliche im Alter zwischen 11 und 20 Jahren an dem Verfahren teilnehmen. Nach Angaben einer Verlagssprecherin wird dabei sowohl bei den Einreichungen als auch bei der Abstimmung konsequent nur diese genannte Altersgruppe berücksichtigt. Dabei muss sich der Veranstalter darauf verlassen, dass die Teilnehmenden ihr Alter wahrheitsgemäss angeben. Zuvor können Jugendliche von Ende Mai an eigene Begriffe einreichen, aus denen eine Jury eine Top-Ten-Auswahl trifft, bevor Ende August die drei Finalisten bekanntgegeben werden und die finale Abstimmung startet.”
Wie sich die Finalisten bei der Endauswahl platzierten
In der Endrunde standen neben dem Sieger nur noch zwei weitere Begriffe zur Auswahl (Tages-Anzeiger). Den zweiten Platz belegte Peak
, das mit etwa 34 Prozent der Stimmen knapp hinter dem Sieger landete (BILD). Der Begriff beschreibt das Beste vom Besten – also eine 10 von 10 – und wird im Alltag für herausragende Momente verwendet (Sarganserländer).
Den dritten Platz in der Endauswahl belegte Crashout
mit rund 30 Prozent der Stimmen (Lausitzer Rundschau). Der Ausdruck beschreibt einen Moment, in dem jemand die Fassung verliert oder ausrastet (Bürger & Geld), wobei er von Jugendlichen häufig ironisch für Kleinigkeiten genutzt wird (Bürger & Geld). Zu den weiteren Nominierten in der erweiterten Top 10 gehörten in diesem Jahr unter anderem der Insider-Ausruf „67“, der durch einen Song von Skrilla auf TikTok bekannt wurde, sowie Ausdrücke wie „süper“, „Macker“, „Digga“ und „Schere“. Vergangene Sieger waren im Jahr 2024 „Aura“ für die Ausstrahlung einer Person und im Jahr 2025 „Das crazy“ als Reaktion auf Sprachlosigkeit.
| Platzierung | Jugendwort 2026 | Stimmenanteil | Bedeutung |
|---|---|---|---|
| 1 | Ragebait | 36,5 % | Wut-Köder im Netz zur Reichweitensteigerung (Lausitzer Rundschau) |
| 2 | Peak | ca. 34 % | Das Beste, der Höhepunkt (Lausitzer Rundschau) |
| 3 | Crashout | ca. 30 % | Die Fassung verlieren, ausrasten (Lausitzer Rundschau) |
Sprachwissenschaftliche Einordnung und der Einfluss von Social Media
Der Sprachforscher Jannis Androutsopoulos von der Universität Hamburg betonte gegenüber Medien, dass der Begriff weit über seinen reinen Ursprung in den sozialen Netzwerken hinausreicht und längst Teil der alltäglichen Jugendsprache geworden ist (Sarganserländer). So kann es im Alltag beispielsweise vorkommen, dass jemand seine Eltern bewusst nervt, nur um sie auf die Palme zu bringen. Nach Ansicht von Experten schaffen es viele dieser Ausdrücke ohnehin früher oder später in die allgemeine Verwendung, wie es vor 25 Jahren etwa beim Wort „Chillen“ der Fall war, das inzwischen sogar im Bundestag zu hören ist. Sprachwissenschaftlerin Marlies Whitehouse von der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) sieht in den Top-3-Begriffen zudem eine Entsprechung zur aktuellen gesellschaftlichen Situation (Blick).”
Die aktuellen Top 3 in Deutschland beschreiben extreme Gefühle – einen emotionalen Zusammenbruch, einen Höhepunkt, eine Provokation. Wenn wir die aktuelle Weltlage mit ihren Verwerfungen und Disruptionen sehen, erkenne ich klare Parallelen zu diesen Wörtern.
Marlies Whitehouse, Linguistin an der ZHAW
Das Videospiel-Geheimnis und Susanne Daubners Rolle
Bereits kurz vor der offiziellen Bekanntgabe hatte ein Instagram-Video der Tagesschau
-Sprecherin Susanne Daubner für Spekulationen gesorgt (GMX). Darin tat die 65-Jährige im vertrauten Studio vor der blauen Weltkarte und im gelben Blazer so, als wolle sie den Sieger verraten, brach die Verkündung jedoch wegen einer Kalender-Panne ab und vertröstete die Zuschauerschaft auf den nächsten Tag (GMX). Der Beitrag wurde im Netz rasant gefeiert und erreichte bereits nach rund drei Stunden mehr als 300.000 Likes, während Fans das Vorgehen in Kommentaren als humorvollen „Ragebait“ feierten.

Während das Verfahren in Deutschland damit abgeschlossen ist, läuft die erste offizielle Wahl eines Schweizer Jugendworts in allen vier Landessprachen noch bis Mitte Oktober, wobei die Gewinner dort am 27. Oktober 2026 verkündet werden (Blick).