Ein einjähriger Junge wurde in Senatobia im US-Bundesstaat Mississippi von einem Polizisten tödlich getroffen, als Einsatzkräfte ein Auto wegen eines angeblichen Ladendiebstahls umstellten. Die Staatsanwaltschaft stufte den Schusswaffeneinsatz als gerechtfertigt ein, was landesweit für heftige Proteste und Forderungen nach lückenloser Aufklärung sorgte.
Der tragische Vorfall ereignete sich am 14. Juni in Senatobia, einer Stadt rund 40 Meilen südlich von Memphis, Tennessee. Beamte des Polizeidepartements Senatobia sowie des Tate County Sheriff’s Office reagierten damals auf eine Meldung über einen Ladendiebstahl in einem Walmart-Markt. Was als Einsatz wegen angeblich gestohlener Windeln begann, endete für den einjährigen Kohen Wiley tödlich, als ein Polizist Schüsse auf ein fahrendes Fahrzeug abgab nach Angaben der Familie und Behörden.
Einsatz am Walmart-Markt eskaliert
Das Mississippi Department of Public Safety veröffentlichte am Donnerstag Videoaufnahmen aus mehreren Körperkameras von Polizeibeamten sowie Überwachungsvideos des betroffenen Geschäfts berichteten Medien und das Ministerium. Die Bilder zeigen, wie fünf Gesetzeshüter mit gezogenen Waffen auf ein Auto zulaufen, das gerade aus einer Parklücke rangiert. Das Fahrzeug prallt leicht gegen ein anderes Auto, setzt sich dann vorwärts in Bewegung und fährt an den Beamten vorbei. In diesem Moment bricht das vordere Beifahrerfenster auf, und es sind mehrere Schüsse zu hören.
Generalstaatsanwaltschaft stuft Schüsse als gerechtfertigt ein
Monate nach den Schüssen gab die Generalstaatsanwaltschaft von Mississippi unter der Leitung von Attorney General Lynn Fitch bekannt, dass der polizeiliche Waffeneinsatz nach einer Prüfung als gerechtfertigt angesehen wird, wie die Behörde mitteilte. Gegen den beteiligten Beamten, Hunter Foster, werden demnach keine strafrechtlichen Anklagen erhoben.
Rücktritt von Hunter Foster
Kurz nach der Veröffentlichung der behördlichen Untersuchungsergebnisse und nach der Freigabe von Videomaterial kam Bewegung in den personellen Status der beteiligten Dienststelle. Der Stadtrat von Senatobia akzeptierte den Rücktritt von Foster, der am 21. Oktober wirksam wurde bestätigte der Bürgermeister der Stadt. Der Beamte war bereits am 16. Juni, wenige Tage nach dem tödlichen Vorfall, vom Dienst freigestellt worden.
Verteidigung beruft sich auf akute Gefahr
Martin Zummach, ein Rechtsbeistand des beteiligten Polizisten, erklärte in einer Stellungnahme, dass sein Mandant angesichts der drohenden Gefahr keine andere Wahl gehabt habe. Der Fahrer des Fahrzeugs versuchte, diese fünf Beamten zu töten, und Hunter Foster hatte keine andere Wahl, als seine Waffe abzufeuern
, teilte Zummach mit laut übereinstimmender Berichte. Gleichzeitig sprach der Anwalt sein Bedauern über den Verlust aus und betonte, dass der Freispruch durch die Staatsanwaltschaft überfällig gewesen sei.

Schärfste Kritik von Familie und Anwälten
Die Familie des getöteten Kindes und deren juristische Vertreter weisen die Darstellung der Behörden entschieden zurück. Der bekannte Bürgerrechtsanwalt Ben Crump, der die Familie Wiley vertritt, forderte eine Untersuchung durch das US-Justizministerium und den Entzug der beruflichen Lizenz für den zurückgetretenen Beamten wie auf einer Pressekonferenz bekannt gegeben wurde. Crump kritisierte das Vorgehen der Einsatzkräfte scharf als unverhältnismäßig.
Ben Crump erklärte: Eine Dienstmarke kann man nicht einfach abgeben, um der Verantwortung für die Tötung eines unschuldigen einjährigen Babys zu entgehen.
Auch die Großmutter des Jungen, Veronica Roberson, äußerte tiefe Enttäuschung über die juristische Bewertung der Tat berichte CNN zufolge. Die Mutter des Kindes, Vellesiya Wiley, die den Jungen während des Vorfalls im Arm hielt, bestritt zudem die Darstellung, dass das Auto gezielt auf die Beamten zugesteuert sei. Durch die Schüsse wurde neben der tödlichen Verletzung des einjährigen Kohen auch die Fahrerin des Wagens, eine Verwandte, am Arm und am Oberschenkel verletzt.
Bezirksstaatsanwaltschaft prüft weitere Schritte
Während die Ermittlungen des Ministeriums und der Generalstaatsanwaltschaft zur Bewertung des polizeilichen Schusswaffeneinsatzes abgeschlossen sind, bleibt die Frage weiterer strafrechtlicher Schritte gegen andere Beteiligte offen teilte die Staatsanwaltschaft mit. Bezirksstaatsanwalt Jay Hale erklärte, dass sein Büro den Fall prüfen werde, um zu entscheiden, ob die Angelegenheit einem Geschworenengericht vorgelegt wird.
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