Zum Inhalt springen
Nachrichten

Polizei findet 21 Sprengsätze an Strommasten in Ostdeutschland

Deutsche Sicherheitsbehörden haben in Ostdeutschland insgesamt 21 selbst gebaute Sprengsätze an Hochspannungstrassen entdeckt und entschärft. Die Fahndung nach einem verdächtigen 48-jährigen Mann läuft auf Hochtouren, während das Bundesinnenministerium von Klimaterrorismus spricht.

Nach einer Serie versuchter Anschläge auf die kritische Infrastruktur in Deutschland hat die Polizei in Sachsen im September 2026 eine alarmierende Entdeckung gemacht. Spezialkräfte des Landeskriminalamtes Sachsen entschärften insgesamt 21 selbst hergestellte Sprengvorrichtungen an Hochspannungsleitungen. Die Funde konzentrieren sich auf den Bereich von Hochspannungstrassen im Landkreis Görlitz.

Sprengsätze an Hochspannstrassen in der Lausitz entdeckt

Die ersten zwölf Sprengsätze hatten Polizei und Generalstaatsanwaltschaft Dresden am ersten Septemberwochenende in der Lausitzer Braunkohleregion an der Grenze zu Brandenburg öffentlich gemacht. Die Vorrichtungen wurden im Bereich südlich des Umspannwerks Bärwalde nahe Lippen sowie östlich des Umspannwerks Graustein in der Nähe der Ortschaft Schleife aufgespürt, wie die Sicherheitsbehörden mitteilten. Im Zuge der erweiterten Durchsuchungen stießen Einsatzkräfte im Bundesland Sachsen auf neun weitere Sprengvorrichtungen in unmittelbarer Nähe von Trassen.

Zu echten Beeinträchtigungen der Stromversorgung kam es laut Behördenangaben nicht. Diese sollten Schäden an den elektrischen Hochspannungsleitungen durch einen Kurzschluss herbeiführen, erklärten Polizei und Generalstaatsanwaltschaft Dresden in ihren Berichten. Nach Angaben der Ermittler bestand zu keinem Zeitpunkt eine akute Gefahrenlage für die Zivilbevölkerung.

Ermittlungen wegen verfassungsfeindlicher Sabotage und Großeinsatz im Hambacher Forst

Die zuständigen Justizbehörden führen umfassende Verfahren. Ermittelt wird wegen des Verdachts des Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion in Tateinheit mit versuchter Störung öffentlicher Betriebe und versuchter verfassungsfeindlicher Sabotage. Die Generalstaatsanwaltschaft Dresden, das Landeskriminalamt und die Polizeidirektion Görlitz leiten den Großeinsatz im Freistaat.

Polizei findet 21 Sprengsätze an Strommasten in Ostdeutschland
Photo: swissinfo.ch

Parallel dazu läuft eine länderübergreifende Fahndung nach einem 48-jährigen Tatverdächtigen. Der Mann wird mit Haftbefehl gesucht, nachdem Beamte am Freitag in seiner Wohnung im nordrhein-westfälischen Gevelsberg Sprengstoff sichergestellt hatten. Ein Spezialeinsatzkommando stürmte daraufhin am Freitagnachmittag einen zum Wohnmobil umgebauten Lastwagen in einem Wald bei Niederzier, traf den Gesuchten dort jedoch nicht an. Am Sonntag folgte ein weiterer Großeinsatz im Hambacher Forst nahe Köln, der ebenfalls erfolglos verlief.

Bekennerschreiben und die Debatte um Klimaterrorismus

Die Sabotageakte stehen im Kontext mehrerer Bekennerschreiben, die bei verschiedenen Medienhäusern eingegangen sind und der Deutschen Presse-Agentur vorliegen. Die Vorrichtungen und Anschlagspläne betreffen Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und Sachsen – drei deutsche Bundesländer, in denen nach wie vor Braunkohle abgebaut und verstromt wird. In einem der Schreiben heißt es unmissverständlich: Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen ist ein Verbrechen.

Polizei findet 21 Sprengsätze an Strommasten in Ostdeutschland
Photo: 20min

Die politische Einordnung ließ nicht lange auf sich warten. Der deutsche Innenminister Alexander Dobrindt bewertete das Vorgehen des Verdächtigen öffentlich und sprach von Klimaterrorismus eines Einzeltäters. Ob der gesuchte 48-Jährige direkt für alle 21 Sprengsätze in Ostsachsen verantwortlich ist, wird von der Kriminalpolizei Köln und den beteiligten Landesbehörden weiterhin untersucht.

Germany Finds 21 Explosive Devices Near Power Grid as Sabotage Investigation Expands
Teilen Facebook X WhatsApp E-Mail
Jonas Becker

Über den Autor

Jonas Becker verantwortet das Nachrichtenressort von Germanic Nachrichten. Sein Fokus liegt auf schneller, praeziser und sauber verifizierter Berichterstattung zu Politik, Gesellschaft und aktuellen Entwicklungen in Deutschland.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.