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Unterhaltung

Parasiten und Pilze manipulieren das Verhalten von Tieren

Parasiten und Pilze greifen in biologische Systeme von Tieren ein und steuern deren Verhalten, ohne Untote zu erschaffen. Forschende der Georgia Institute of Technology sowie internationale Fachartikel zeigen, dass diese Organismen gezielt Muskeln und Nervenbahnen manipulieren, um ihr eigenes Überleben und ihre Fortpflanzung zu sichern.

In populären Kulturformaten wie dem Musikvideo zu Michael Jacksons Thriller, der HBO-Serie The Last of Us oder in Episoden von SpongeBob SquarePants übernehmen Erreger Körper und verwandeln sie in willenlose Hüllen. Die Realität in der Natur verläuft leiser, zeigt jedoch Mechanismen, die diesen Fiktionen erstaunlich nahekommen. Dabei entstehen jedoch keine reell untoten Kreaturen, sondern lebende Tiere, deren normale Verhaltensweisen gezielt von Parasiten umgelenkt werden, wie berichtet wird.

Wie der Ophiocordyceps-Pilz Ameisen steuert

Das wohl bekannteste Beispiel für eine derartige Verhaltensänderung liefert der Pilz Ophiocordyceps, der als Vorbild für fiktive Szenarien diente. Der Lebenszyklus beginnt, wenn Sporen die Außenhülle einer Ameise erreichen, diese durchdringen und im lebenden Insekt heranwachsen.

Bemerkenswerterweise durchdringt der Pilz dabei nicht das Gehirn der Ameise. Stattdessen konzentrieren sich die Fäden und freigesetzten Moleküle stark auf die Muskelgewebe und insbesondere auf den Kieferbereich. Das Resultat ist ein extremer Kontraktionskrampf, der den sogenannten Todesbiss auslöst. Die Nervenverbindungen bleiben oft intakt, während der Parasit direkt die biologischen Maschinen für die Muskelbewegung übernimmt, erklärt Tara Deans von der Georgia Institute of Technology.

How Parasites and Fungi Create Zombie Animals
Foto: wvtra.org

Toxoplasma gondii und das veränderte Verhalten von Nagetieren

Nicht nur Insekten, auch Säugetiere geraten ins Visier solcher Lebenszyklen. Der einzellige Parasit Toxoplasma gondii infiziert weltweit warmblütige Tiere, benötigt jedoch Katzen als Endwirt für die sexuelle Reproduktion. Um dorthin zu gelangen, manipuliert der Erreger das Fluchtverhalten von Nagetieren.

Normalerweise erzeugt der Geruch von Katzen bei Ratten und Mäusen sofortigen Fluchtreflex und Angst. Infizierte Nagetiere verlieren diese natürliche Aversion jedoch teilweise und zeigen in manchen Situationen sogar Annäherung oder Anziehung zu den Raubtiergerüchen. Dadurch erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass eine Katze das Tier frisst, wodurch der Parasit seinen Lebenszyklus vollenden kann.

Parasiten und Pilze manipulieren das Verhalten von Tieren
Foto: dnyuz.com

Wespengift und Hairworms als manipulative Taktiken

Im Tierreich existieren diverse weitere Strategien der biologischen Umleitung. Die Juwelwespe Ampulex compressa injiziert Gift direkt in das Nervensystem einer Schabe. Das Insekt wird dadurch nicht vollständig gelähmt, verliert jedoch jeglichen Antrieb zur Flucht oder Fortbewegung, sodass die Wespe es problemlos in einen Bau führen kann.

Sogenannte Saitenwürmer oder Hairworms infizieren währenddessen Heuschrecken oder Gottesanbeterinnen. Sobald die Parasiten im Inneren heranwachsen und die Fortpflanzungsreife erreichen, beeinflussen sie das Wirtsgehirn so, dass die Insekten stark von Licht angezogen werden. Das treibt die Tiere ins Wasser, wo der Wirt ertrinkt und der ausgewachsene Wurm ausbricht, wie Beobachtungen zeigen.

Grenzen der Biologie und der Umgang mit menschlichen Risiken

Trotz dieser weitreichenden Eingriffe betonen Forschende eine klare Grenze zwischen wissenschaftlicher Realität und Science-Fiction. Berichte über eine direkte Übertragung von Toxoplasma gondii auf menschliche Entscheidungen als universelle Verhaltenssteuerung entbehren jeder wissenschaftlichen Grundlage. Zwar untersuchen Studien mögliche Zusammenhänge zwischen einer Infektion und menschlichen Verhaltensweisen oder Risikowahrnehmungen, doch eine Übertragung von Nagetier-Ergebnissen auf den Menschen greift zu kurz.

Ebenso existiert keinerlei Beleg für eine Evolution hin zu Pilzen, die den Menschen befallen könnten. Die evolutionären Beziehungen zwischen Parasiten und ihren spezifischen Wirten sind hochgradig spezialisiert. Derartige Naturphänomene liefern der Wissenschaft stattdessen wertvolle Einblicke darüber, wie Sinneseindruck, Nervenleitung und Muskelsteuerung in biologischen Systemen als vernetzte Maschinerie funktionieren.

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Sophie Krueger

Über den Autor

Sophie Krueger leitet das Unterhaltungsressort von Germanic Nachrichten. Ihr Schwerpunkt liegt auf Film, Streaming, Popkultur und prominenten Entwicklungen mit redaktioneller Einordnung und sauberer Quellenlage.

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