Papst Leo XIV. hat den russischen Präsidenten Wladimir Putin und den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zu einer Waffenruhe für die umkämpfte südukrainische Frontstadt Oleschky aufgerufen. Aus dem Krankenhaus forderte das Kirchenoberhaupt am 16. Oktober 2026 humanitäre Korridore, um blockierte Zivilisten mit dringend benötigten Hilfsgütern zu versorgen.
Die humanitäre Lage in der russisch besetzten Kleinstadt in der Region Cherson hat sich in den vergangenen Monaten dramatisch zugespitzt. Nach Angaben von Hilfsorganisationen und ukrainischen Behörden sind die Vorräte der verbliebenen Zivilbevölkerung vollständig aufgebraucht. Papst Leo XIV. nahm während seines stationären Aufenthalts im römischen Gemelli-Krankenhaus am Freitag, den 16. Oktober 2026, telefonisch Kontakt mit Russlands Staatschef Wladimir Putin auf und drängte auf eine zeitlich und örtlich begrenzte Feuerpause (Swissinfo). Putin hatte im Februar 2022 den Befehl zur russischen Vollinvasion in der Ukraine gegeben, und die Ukraine verteidigt sich mit westlicher Hilfe seit mehr als viereinhalb Jahren gegen diesen russischen Angriffskrieg.
Drei Tage später, am Montag, den 19. Oktober 2026, führte der Papst zudem ein Telefongespräch mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Dabei verwies das Kirchenoberhaupt auf die zuvor an Moskau übermittelte Bitte und bekräftigte die Hoffnung des Vatikans auf eine beidseitige Kooperation (Vaticannews). Das Presseamt des Heiligen Stuhls informierte über das Gespräch, das am späten Nachmittag stattfand, und der Vatikan gab bekannt, dass der Papst in dem Gespräch auch auf die bereits an Putin herangetragene Bitte um eine humanitäre Feuerpause verwiesen habe.
Der Papst bat um eine Waffenruhe, damit Lebensmittel und medizinische Hilfe die Stadt erreichen und die Zivilbevölkerung freiwillig und sicher evakuiert werden kann. Er bekräftigte zudem das Engagement des Heiligen Stuhls für Dialog und Frieden.
— https://x.com/vaticannews_de/status/2111118565130612969
Humanitäre Notlage und Blockade in Oleschky
Während die russischen Truppen im Herbst 2022 aus dem zuvor im März eroberten ukrainischen Cherson abzogen, wird Oleschky weiter von der russischen Armee belagert. Die Stadt befindet sich rund zehn Kilometer östlich von Cherson, und die Leiterin der militärischen Stadtverwaltung von Oleschky, Tetiana Hasanenko, warnte vor den extremen Bedingungen. Nach Angaben von Hilfsorganisationen und lokalen Berichten sind die Vorräte der Bewohner vollständig aufgebraucht, und im eigentlichen Stadtgebiet harren noch etwa 2.000 Menschen aus.
Die verbliebene Bevölkerung leidet unter schwerem Hunger. Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha erklärte, dass Familien auf Notbehelf wie Gartengemüse, Konserven und Schnecken angewiesen seien. Überdies berichtete er von extremen Entbehrungen:
Die Menschen können nicht von bloßen Bekundungen der Besorgnis leben. Sie brauchen Taten. Sie brauchen einen Ausweg.
Andrij Sybiha, ukrainischer Außenminister (via Suaragarut)
Nach Angaben der ukrainischen Seite halten russische Truppen in der abgeriegelten Ortschaft noch etwa 1.700 bis 2.000 Zivilisten fest (Orf). Hilfsorganisationen beklagen seit langem die humanitäre Lage in Oleschky.
Reaktionen des Kremls und der Vatikan-Diplomatie
Der Kreml bestätigte das Telefonat zwischen Wladimir Putin und Papst Leo XIV. Nach Angaben aus Moskau wünschte der russische Präsident dem Papst nach dessen Operation eine rasche Genesung und dankte dem Vatikan für die Bereitschaft, im Ukraine-Krieg zu vermitteln und humanitäre Fragen zu lösen (Swissinfo). Gleichzeitig schob der Kreml die Verantwortung für die humanitäre Krise in Oleschky jedoch auf die ukrainische Seite und warf Kyjiw vor, Evakuierungen und Hilfslieferungen durch Drohnenangriffe zu behindern (Swissinfo). Dennoch signalisierte Moskau durch die Erklärung, dass Putin in dem Gespräch mit dem Papst die Absicht des Vatikans unterstützt habe, zur Schaffung von Bedingungen für die Sicherheit der Bevölkerung der Stadt und für die Organisation lebenswichtiger Lieferungen beizutragen (Kath).

Päpstlicherseits wurden die diplomatischen Anstrengungen durch Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin und den Sondergesandten für humanitäre Fragen im russisch-ukrainischen Krieg, Kardinal Matteo Zuppi, flankiert, der sich Ende September bei einem Moskau-Besuch für eine Verbesserung der Situation eingesetzt hatte (Kath). Kardinal Parolin äußerte die Erwartung, dass die Annahme des päpstlichen Anrufs durch den russischen Präsidenten den Weg für eine tatsächliche Umsetzung der Waffenruhe ebnen könnte (Orf). Nuntius in Kiew, Monsignore Visvaldas Kulbokas, berichtete ebenfalls über die persönliche Bitte des Papstes an Putin um eine humanitäre Waffenruhe.
Gefährliche Evakuierungswege und der Weg nach vorn
Wer der Belagerung zu entkommen versucht, begibt sich auf einen lebensgefährlichen Weg. Hilfsorganisationen und lokale Aktivisten berichten von ausgedehnten Minengürteln und ständigen Drohnenüberwachungen entlang der rund 23 bis 25 Kilometer langen Strecke in Richtung des Dorfes Radensk beziehungsweise des von Kyjiw kontrollierten Gebiets (Euronews).
Drei Tage nach seiner Krebsoperation telefoniert Papst Leo XIV. mit Putin und fordert eine Waffenruhe in Oleschky. Der Kreml sagt humanitäre Zusammenarbeit zu. https://t.co/Y9eEMChLGN
— https://x.com/berlinerzeitung/status/2111166665106829417
Bislang wurde jedoch keine formelle Feuerpause für Oleschky vereinbart (Orf). Die internationalen Appelle richten sich deshalb weiterhin auf die sofortige Öffnung sicherer Evakuierungswege vor dem Einbruch des Winters (Suaragarut), während der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj dem Papst über das Portal X für dessen Einsatz dankte und ihm eine rasche Genesung wünschte.
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Nur drei Tage nach seiner Krebs-Operation ließ sich Papst Leo XIV. mit dem russischen Präsidenten verbinden: Der 71-jährige Pontifex bat dabei in „tiefer Besorgnis“ über die ernste humanitäre Lage in der Frontstadt Oleschky um einen Waffenstillstand.https://t.co/4zyBxKugs6
— https://x.com/TichysEinblick/status/2111324349156233276