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Unternehmen

Oxfam-Bericht: CEOs verdienen 78-mal so viel wie Mitarbeiter

Die Hilfsorganisation Oxfam veröffentlichte am Dienstag einen Bericht über die 100 umsatzstärksten Unternehmen Europas, wonach Top-CEOs im Jahr 2024 im Durchschnitt das 78-fache ihrer Angestellten verdienten. Die Analyse „People, Power, Profits, Planet“ zeigt eine wachsende Lohnschere, massive Dividendenausschüttungen und eine stagnierende ökologische Transformation in der europäischen Wirtschaft.

Die Zahlen sind mehr als nur statistische Ausreißer; sie beschreiben eine systematische Entkoppelung von Management-Vergütung und Mitarbeiterlohn. Wer in der Chefetage der europäischen Elite sitzt, hat die Jahresrechnung eines Durchschnittsarbeiters bereits nach fünf Arbeitstagen eingestrichen. Von den 89 Unternehmen, die ihre Gehälter offenlegten, lag die durchschnittliche CEO-Vergütung bei sechs Millionen Euro.

Extreme Lohnscheren bei Carrefour und Compass

Besonders drastisch zeigt sich die Kluft im Einzelhandel und im Catering. Laut Blick führt die französische Supermarktkette Carrefour die Liste der Ungleichheit an: CEO Alexandre Bompard verdiente 2024 das 361-fache eines Durchschnittsarbeiters seines Unternehmens. Dicht darauf folgt Dominic Blakemore, Chef der Catering-Firma Compass, dessen Gehalt das 352-fache des Durchschnittslohns betrug. Den dritten Platz belegt Óscar García Maceiras von Inditex.

An der Spitze der absoluten Einkommen dominieren die Automobil- und Pharmabranche. Carlos Tavares (Stellantis) sicherte sich mit über 20 Millionen Franken den ersten Platz, gefolgt von Vas Narasimhan (Novartis) mit 19,2 Millionen Franken und Pascal Soriot (AstraZeneca) mit rund 16 Millionen Franken.

Diese Gehälter stehen in einem kaum noch zu rechtfertigenden Verhältnis zu den Basislohnen, während die Machtkonzentration in den Händen weniger Individuen zunimmt.

Geschlechterspezifische Lohnunterschiede und die „John-Statistik“

Die gläserne Decke ist in Europa nicht nur eine Frage des Aufstiegs, sondern auch des Preises. Weibliche CEOs verdienten zwischen 2022 und 2024 über ein Fünftel weniger als ihre männlichen Kollegen. Während Männer in den untersuchten Unternehmen 2024 im Schnitt rund 11 Prozent mehr verdienten als Frauen, ist die Diskrepanz im Finanzsektor mit einem Minus von 26,6 Prozent für Frauen noch massiver.

Geschlechterspezifische Lohnunterschiede und die „John-Statistik“
Photo: STERN.de

Deutschland schneidet hierbei schlechter ab als der europäische Durchschnitt. Während dieser bei 11 Prozent liegt, beträgt die Differenz in Deutschland knapp 16 Prozent. Ein extremes Beispiel ist die Deutsche Bank, wo der Lohnunterschied bei knapp 39 Prozent liegt. Positive Ausnahmen bilden Unternehmen wie BMW oder DHL, in denen Frauen im Durchschnitt mehr verdienten als Männer.

Die strukturelle Benachteiligung wird durch eine fast schon anekdotische Statistik unterstrichen: Es gibt in Europa mehr Firmenchefs, die John heißen (oder eine landesspezifische Variante wie Johannes oder Hans), als weibliche CEOs insgesamt.

Dividendenboom versus Reallohnverlust in Deutschland

Die finanzielle Architektur der 100 größten Konzerne scheint primär auf die Maximierung des Aktionärswerts ausgerichtet zu sein. Im Jahr 2024 schütteten europäische Firmen insgesamt 387,6 Milliarden CHF an Dividenden aus – ein Anstieg von 139 Prozent seit 2004.

Dividendenboom versus Reallohnverlust in Deutschland
Photo: Oxfam Deutschland

Diese Profitabilität kommt bei der Belegschaft kaum an. In Deutschland zeigt sich eine paradoxe Entwicklung: Während die Dividenden zwischen 2020 und 2023 um 27 Prozent stiegen, sanken die Löhne im selben Zeitraum um zwölf Prozent, wie pressetext berichtet.

„Großkonzerne machen ihre Eigentümer und CEOs zu Milliardären, während die Reallöhne für viele Menschen sinken.

Oxfam

Zwischen 2022 und 2024 erhielten Aktionäre der untersuchten Konzerne im Schnitt mehr als zwei Drittel der Gewinne. Diese Verteilung lässt wenig Raum für interne Lohnanpassungen oder soziale Investitionen.

Ökologischer Wandel als nachgeordnetes Ziel

Trotz öffentlich geführter Nachhaltigkeitskampagnen klafft zwischen Rhetorik und Budget eine riesige Lücke. Knapp die Hälfte der untersuchten Konzerne schüttete 2024 32-mal mehr an Aktionäre aus, als sie in den ökologischen Wandel investierte. Investitionen in CO₂-arme Produktionsprozesse werden somit systematisch gegenüber kurzfristigen Renditen zurückgestellt.

Ökologischer Wandel als nachgeordnetes Ziel

Die Emissionsdaten zeichnen ein gemischtes Bild. Zwar gingen die Emissionen bei 92 der untersuchten Unternehmen zurück, doch es gibt prominente Rückfaller. Bei Lufthansa und ThyssenKrupp stiegen die Emissionen hingegen an. Einige Unternehmen, darunter Bosch und Rewe, lieferten unvollständige oder gar keine Angaben zu ihren Klimazielen.

Die Implikationen sind klar: Die soziale und ökologische Transformation Europas wird durch die Geschäftsstrategien ihrer umsatzstärksten Unternehmen eher gebremst als beschleunigt. Oxfam fordert daher eine gesetzliche Begrenzung des Abstands zwischen Topmanager-Gehältern und Mitarbeiterlöhnen sowie eine zügige Umsetzung der EU-Richtlinie zur Entgelttransparenz in deutsches Recht.

Die kommenden Monate werden zeigen, ob der politische Druck in Brüssel und Berlin ausreicht, um die interne Lohnstruktur der Konzerne zu reformieren, oder ob die Dividendenpriorität auch 2026 das dominierende Paradigma bleibt.

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David Falk

Über den Autor

David Falk verantwortet das Wirtschafts- und Unternehmensressort von Germanic Nachrichten. Er berichtet ueber Maerkte, Mittelstand, Innovation und strategische Entwicklungen in deutschen und internationalen Unternehmen.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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