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Orgelweihe im Prager Veitsdom schließt Jahrhundertprojekt ab

Im Prager Veitsdom wurde am 15. Juni 2026 die neue Kathedralorgel feierlich gesegnet. Das Instrument mit 121 Registern und 5.755 Pfeifen markiert laut Kathpress den symbolischen Abschluss des fast sieben Jahrhunderte währenden Baus der bedeutendsten Kirche Tschechiens auf der Prager Burg.

Erzbischof Stanislav Pribyl bezeichnete die Orgel während des Festgottesdienstes am Montag als eine neue Stimme für die Kathedrale. Die musikalische Gestaltung des Abends umfasste Werke von Antonin Dvorak, Georg Friedrich Händel, Camille Saint-Saens und Joseph Haydn. Die Segnung wurde durch den emeritierten Erzbischof Jan Graubner vollzogen. Erzbischof Stanislav Pribyl Die Installation beendet eine Ära provisorischer Lösungen. Bis zur Inbetriebnahme dieser Woche musste die Kathedrale auf eine im Querschiff befindliche Orgel zurückgreifen, die laut Domradio den höheren Anforderungen des Raumes nicht genügte.

Die technische Dimension und das Design der Orgel

Die technische Dimension und das Design der Orgel
Das Instrument ist ein massives Bauwerk von 45 Tonnen Gewicht. Während Domradio von rund 6.000 Pfeifen berichtet, beziffern ORF und Kathpress die genaue Anzahl auf 5.755 Pfeifen bei 121 Registern. Gefertigt wurde die Orgel in der renommierten Werkstatt von Gerhard Grenzing in El Papiol bei Barcelona. Grenzing, dessen Betrieb 1972 gegründet wurde, gilt als einer der führenden Orgelbauer Europas und realisierte bereits Projekte für die Almudena-Kathedrale in Madrid sowie die Brüsseler Kathedrale Sankt Michael und Sankt Gudula. Die optische Integration in den sakralen Raum war eine zentrale Herausforderung. Designer Peter Olah entwarf eine Konstruktion, bei der die Pfeifen scheinbar schweben. Ein besonderes regionales Detail sind rund 180 Elemente aus böhmischem Kristall, die das äußere Erscheinungsbild ergänzen. Peter Olah, Designer Grenzing selbst beschrieb das Projekt als einen Höhepunkt seines beruflichen Lebens und bezeichnete das Ergebnis als ein „wahren Kunstwerk, das der Musik, der Liturgie und der Architektur der Kathedrale dient“.

Das Erbe von Kardinal Duka und die Finanzierung

Das Erbe von Kardinal Duka und die Finanzierung
Photo: domradio.de
Die Realisierung der Orgel war das Herzensprojekt des vor einem halben Jahr verstorbenen Kardinal Dominik Duka (1943–2025). Kurz nach seinem Amtsantritt als Prager Erzbischof im Jahr 2010 begann Duka mit einer umfassenden Aufwertung der Kathedrale. Nachdem die Beleuchtung erneuert und der Chorraum restauriert worden war, rückte die Errichtung einer repräsentativen Orgel in den Fokus. Die Finanzierung des Millionenprojekts verlief ungewöhnlich breit gefächert. Laut ORF beteiligten sich mehr als 12.000 Spender an einer groß angelegten Kampagne, die den Löwenanteil der Kosten trug. Domradio beziffert die Gesamtkosten auf umgerechnet rund drei Millionen Euro. Die Umsetzung fiel in die Amtszeit von Jan Graubner, der ab 2022 als Erzbischof von Prag fungierte. Ein erster emotionaler Moment der Inbetriebnahme war bereits im vergangenen November bei der Beisetzung von Kardinal Duka zu erleben, als der Klang des neuen Instruments erstmals erklang.

Von der Kaiserorgel zur modernen Vollendung

Veitsdom in der Prager Burg
Die neue Orgel knüpft an eine Tradition an, die bis ins 13. Jahrhundert zurückreicht. Die erste belegte Orgel im Veitsdom wurde zur Zeit von König Ottokar II. Premysl für 26 Mark Silber errichtet. In der Ära Karls IV. folgte vermutlich ein weiteres Instrument. Ein historischer Höhepunkt war das sogenannte „Kaiserliche Instrument“, das 1570 unter Kaiser Ferdinand I. fertiggestellt wurde. Diese Orgel begleitete nicht nur die Liturgie, sondern auch die Krönungen der böhmischen Könige, bevor sie 1757 während der preußischen Belagerung Prags zerstört wurde. Als Ersatz trat 1765 die barocke Orgel von Johann Anton Gartner mit 2.619 Pfeifen an ihre Stelle, von der Teile bis heute erhalten sind. Der Bau des Doms selbst zog sich über Jahrhunderte hin. Nach dem Vorbild des Kölner Doms wurde im 19. Jahrhundert der Weiterbau forciert, was 1929 in der offiziellen Weihe der Kirche gipfelte. Die jetzige Orgelweihe schließt diesen Kreis.

Bedeutung für die Liturgie und Ausblick

In der christlichen Kirchenmusik wird die Pfeifenorgel traditionell als „Königin der Instrumente“ bezeichnet. Ihre Funktion geht über die reine Musikdarbietung hinaus; sie dient als tragendes Element des Gemeindegesangs und der liturgischen Ausgestaltung. Die Inbetriebnahme wird in dieser Woche durch eine mehrtägige Konzertreihe gefeiert. Ein weiterer wichtiger Termin steht kurz bevor: Am 22. Juni findet ein Dankgottesdienst für alle Spender statt, die das Projekt finanziell ermöglicht haben. Mit der Platzierung der Orgel unter der großen Rosette über dem Haupteingang ist das mittelalterliche Bauwerk nun nicht nur architektonisch, sondern auch klanglich vervollständigt. Die Kombination aus modernster Technik aus Barcelona und traditionellem böhmischem Kristall symbolisiert den Anspruch der Kathedrale, als kulturelles und religiöses Zentrum Tschechiens sowohl die Geschichte zu bewahren als auch in die Zukunft zu weisen.

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Bedeutung für die Liturgie und Ausblick
Photo: religion.ORF.at
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Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

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