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ÖPNV in neun Städten Niedersachsens steht nächste Woche still

Es ist ein Timing, das in der Logistikbranche als Albtraum gelten würde. Pünktlich zum Start der Hannover Messe am kommenden Montag legen die Bus- und Bahnfahrer in Niedersachsen die Arbeit nieder. Die Gewerkschaft Verdi hat zu einem Warnstreik aufgerufen, der den öffentlichen Nahverkehr in neun Städten am Montag und Dienstag weitgehend zum Erliegen bringt. Für die Landeshauptstadt Hannover ist das besonders brisant: Während internationale Wirtschaftsdelegationen anreisen, bleiben die Depots der Üstra geschlossen.

Ein denkbar schlechter Zeitpunkt für den Wirtschaftsstandort

Die Kritik an der Entscheidung der Gewerkschaft ist harsch. Benedikt Hüppe, Hauptgeschäftsführer der Unternehmerverbände Niedersachsen (UVN), spricht offen von einer „unverantwortlichen“ Aktion. In seinen Augen schwäche der Streik nicht nur den Wirtschaftsstandort massiv, sondern schade letztlich auch dem Ansehen des ÖPNV selbst. Besonders die Deutsche Messe sieht sich nun mit einem logistischen Problem konfrontiert. Ein Sprecher des Unternehmens bezeichnete den Zeitpunkt als „Unzeit“.

Man versucht nun händeringend, Alternativen zu finden. Shuttle-Busse könnten eine Option sein, um Gästen und Ausstellern die Anreise zu ermöglichen. Es bleibt jedoch ein riskantes Unterfangen, da die gesamte Infrastruktur der Stadt auf einen reibungslosen Ablauf angewiesen ist, der nun massiv gestört wird.

Hintergrund: Die Friedenspflicht Niedersachsen blieb bisher als einziges Bundesland von den Arbeitskämpfen verschont, da für die rund 5.000 Beschäftigten im kommunalen Nahverkehr eine sogenannte Friedenspflicht bis Ende März galt.

Neun Städte im Stillstand: Wer ist betroffen?

Der Ausstand betrifft nicht nur die Metropole Hannover. Insgesamt neun Verkehrsbetriebe folgen dem Aufruf von Verdi. Die Fahrer lassen ihre Fahrzeuge in den Depots stehen, was den Berufsverkehr in weiten Teilen des Landes kollabieren lässt. Betroffen sind folgende Betriebe:

  • Üstra (Hannover)
  • BSVG (Braunschweig)
  • GÖVB (Göttingen)
  • SWO Mobil (Osnabrück)
  • WVG (Wolfsburg)
  • Delbus (Delmenhorst)
  • Stadtbus (Goslar)
  • Stadtverkehr (Hildesheim)
  • Lüchow-Schmarsauer Eisenbahn

Ein kleiner Lichtblick für Pendler in der Region Hannover: Die S-Bahn Hannover ist vom Warnstreik nicht betroffen und behält ihren Betrieb bei. Dennoch wird der Druck auf die verbleibenden Verkehrsadern enorm steigen.

Das Tauziehen um die Arbeitszeit

Hinter dem Chaos steckt ein tief gefrorener Tarifkonflikt mit dem Kommunalen Arbeitgeberverband (KAV). Die Fronten sind verhärtet. Während Verdi bessere Arbeitsbedingungen fordert – allen voran eine Reduzierung der Wochenarbeitszeit sowie Entlastungen im Schichtdienst –, sieht die Arbeitgeberseite keinen finanziellen Spielraum für solche Zugeständnisse.

Marian Drews, der Verhandlungsführer von Verdi, betonte, dass man lange versucht habe, eine Lösung am Verhandlungstisch zu finden. Die „anhaltende Blockadehaltung“ der Arbeitgeber beim Thema Arbeitszeit habe den Streik nun jedoch unvermeidlich gemacht. Auf der anderen Seite sieht Michael Bosse-Arbogast, Hauptgeschäftsführer des KAV Niedersachsen, die Streiks als unnötig an. Er argumentiert, dass die Lasten ausschließlich bei den Bürgern liegen, die aufgrund hoher Spritpreise ohnehin verstärkt auf den ÖPNV setzen.

Die Spannung wird am Dienstag in Hannover ihren Höhepunkt erreichen. Geplant ist eine Demonstration, die vom Betriebshof Glocksee zum Platz der Menschenrechte führt. Dort soll gegen 12:00 Uhr eine Abschlusskundgebung stattfinden, die den Forderungen der Beschäftigten ein öffentliches Gesicht gibt.

Welche Auswirkungen hat der Streik auf den Alltag?

In den neun betroffenen Städten stehen Busse und Bahnen am Montag und Dienstag den ganzen Tag über komplett still. Fahrgäste müssen auf alternative Transportmittel ausweichen oder ihre Termine verschieben. In Hannover bleibt lediglich die S-Bahn als verlässliche Schiene.

Welche Betriebe genau sind betroffen?

Neben den großen Verkehrsbetrieben in Hannover (Üstra), Braunschweig (BSVG), Göttingen (GÖVB), Wolfsburg (WVG) und Osnabrück (SWO Mobil) sind auch Delbus in Delmenhorst, der Stadtbus Goslar, der Stadtverkehr Hildesheim sowie die Lüchow-Schmarsauer Eisenbahn betroffen.

Was bedeutet das für die Hannover Messe?

Der Streik trifft die Messe direkt zum Start am Montag. Da die regulären Stadtwerke-Verbindungen ausfallen, prüft die Deutsche Messe derzeit den Einsatz von Shuttle-Bussen, um den Transport von Gästen und Ausstellern zumindest teilweise sicherzustellen.

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Johann Falk

Über den Autor

Johann Falk ist Chief Editor von Germanic Nachrichten und verantwortet die redaktionelle Linie, Themenauswahl und finale Qualitaetssicherung der Veroeffentlichung. Sein Schwerpunkt liegt auf klarer, verifizierter und schnell einordenbarer Berichterstattung fuer ein deutschsprachiges Publikum.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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