Ölpreise sind am Dienstag gesunken, da sich die Rohölexporte aus dem Nahen Osten trotz anhaltender Angriffe auf Schiffsrouten erholt haben und die G7-Staaten Notfallreserven freigeben. Die Nordseesorte Brent fiel unter 100 US-Dollar je Barrel, während die US-Benchmark WTI ebenfalls nachgab.
Preise unter Druck: Brent und WTI geben nach
An den internationalen Rohstoffmärkten haben die Ölnotierungen am Dienstag spürbar nachgegeben. Die Nordseesorte Brent verzeichnete einen Rückgang um 2,6 Prozent auf 97,73 US-Dollar je Barrel für Dezember-Kontrakte, während der US-Terminpreis für West Texas Intermediate (WTI) um 1,8 Prozent auf 86,64 US-Dollar je Barrel sank, wie das Wall Street Journal berichtete. Am Vortag hatten die Notierungen noch höher gestanden: Brent schloss bei 100,32 US-Dollar je Barrel, während WTI bei 89,43 US-Dollar notierte, wie aus Daten hervorgeht, die von Yahoo Finance unter Berufung auf Reuters veröffentlicht wurden.
Der Rückgang folgt auf eine Entwicklung, bei der sich die physischen Lieferungen aus der Golfregion überraschend stabil gezeigt haben. Marktbeobachter führen das Nachgeben der Preise auf eine Kombination aus anziehenden Exportmengen und der geplanten Freigabe staatlicher Notreserven zurück. Dennoch bleiben die Notierungen auf einem erhöhten Niveau.

Exportsteigerungen und alternative Transportwege am Golf
Trotz anhaltender militärischer Risiken rund um die Straße von Hormus haben die Rohölexporte aus dem Nahen Osten im September deutlich zugelegt. Schiffsdaten zeigten, dass die Ausfuhren in der letzten Septemberwoche an vier Tagen das Niveau aus der Zeit vor Ausbruch des Konflikts überstiegen, wie The Times of India unter Berufung auf Marktdaten berichtete. Die Investmentbank JP Morgan stufte das Exportvolumen im September auf 98 Prozent des Vorkriegsniveaus ein und sprach von einer bemerkenswerten Erholung für eine Region, die sich nach wie vor im Krieg befindet
, so eine Analyse, die von Oilprice zitiert wurde.
Dahinter stehen logistische Anpassungen der Ölindustrie. Produzenten weichen verstärkt auf Pipelines aus, setzen Pendeltanker ein oder organisieren Schiff-zu-Schiff-Umladungen. Saudi-Arabien nutzt unter anderem die Ost-West-Pipeline zum Roten Meer, die nach früheren Drohnenangriffen wieder in Betrieb genommen wurde und den Hafen von Yanbu bedient. Richard Meade, Chefredakteur von Lloyds List, erklärte dazu in einem Briefing: Mehr Öl kommt aus dem Golf von Nahen Osten heraus, als viele das noch vor wenigen Monaten für möglich gehalten hätten
, wie Oilprice dokumentierte.

G7-Notfallfreigabe und Skepsis an den Märkten
Zusätzlich zum verbesserten physischen Angebot hat die Vereinbarung der G7-Staaten zur Freigabe von Notreserven den Druck von den Märkten genommen. Die Gruppe beschloss, 100 Millionen Barrel Diesel und Rohöl aus strategischen Reserven auf den Markt zu werfen, um Versorgungsengpässe abzufedern, wie Yahoo Finance berichtete. Gleichzeitig verpflichteten sich die Mitgliedstaaten, keine Exportbeschränkungen für Energie zwischen Mitgliedstaaten zu verhängen.
Analysten begegnen der Freigabe jedoch mit Skepsis. Pavel Molchanov von Raymond James gab zu bedenken, dass unklar sei, inwieweit die zugesagten Mengen aus verbleibenden Beständen der früheren, von der Internationalen Energieagentur (IEA) koordinierten Freigabe von 400 Millionen Barrel stammen, die im März vereinbart worden war, so die Berichterstattung von Yahoo Finance. Nach Angaben von IEA-Chef Fatih Birol hatten die Mitgliedstaaten bis dahin rund zwei Drittel dieser früheren Tranche auf den Markt gebracht.

Sicherheitsrisiken und Engpässe bei Raffinerieprodukten
Obwohl die Rohölexporte steigen, bleibt die geopolitische Lage angespannt. In Saudi-Arabien wurden Angriffe auf Ziele in Riad, eine Aramco-Raffinerie in Rabigh sowie den Flughafen von Abha gemeldet, wie The Times of India anführte. Zudem wurden in der Straße von Hormus jüngst wieder Tanker von Projektilen getroffen. Analysten betonen daher, dass die reibungslosere Logistik nicht gleichbedeutend mit Sicherheit ist. Tamas Varga von PVM Oil Associates analysierte: Ein Waffenstillstand im Nahen Osten bleibt schwer greifbar, und erneute Feindseligkeiten zwischen Saudi-Arabien und den vom Iran unterstützten Huthis stellen sicher, dass Angriffe auf die Energieinfrastruktur und Schiffe anhalten und die geopolitische Risikoprämie auf einem erhöhten Niveau halten werden, wie Reuters-Meldungen festhalten.
Parallel dazu bereiten Raffineriekapazitäten Sorge. Weltweit, insbesondere bei Diesel, sind die Kapazitäten stark beansprucht. Führende Energielenker machten auf der Konferenz in London deutlich, dass die weltweiten Lagerbestände nach den starken Entnahmen nur sehr langsam wieder aufgefüllt werden können. Amin Nasser, CEO von Saudi Aramco, warnte, dass die Rückführung der globalen Reserven auf ein normalisiertes Niveau bis zu zwei Jahre in Anspruch nehmen könnte. Solange Hormus nicht vollständig wiedereröffnet wird und das Vertrauen zurückkehrt, wird sich der Druck an beiden Enden des Fasses verschärfen
, so Nasser, zitiert von The Times of India.
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