Der Iran-Konflikt und die Instabilität der Straße von Hormus treiben die Inflationsrisiken in Europa massiv in die Höhe. Während die USA durch Energieunabhängigkeit stabil bleiben, warnt T. Rowe Price vor einer geldpolitischen Divergenz, die 2026 zu Zinserhöhungen der EZB führen könnte, während die Fed Spielraum für Senkungen behält.
Die geopolitische Lage im Nahen Osten ist längst kein reines diplomatisches Problem mehr; sie ist zu einem massiven makroökonomischen Risiko geworden. Besonders die strategisch kritische Straße von Hormus steht im Fokus. Sollte die Eskalation rund um den Iran anhalten, drohen nicht nur sprunghafte Energiepreissteigerungen, sondern eine fundamentale Verschiebung in der globalen Geldpolitik. Laut einem Bericht von BondGuide könnte dies zu einer zunehmenden Divergenz zwischen den USA und Europa führen.
Die drohende Zinsschere zwischen Fed und EZB
Die USA und die Eurozone blicken auf völlig unterschiedliche wirtschaftliche Fundamente. Die Vereinigten Staaten profitieren massiv von ihrer Energieunabhängigkeit und fiskalischen Impulsen. Hinzu kommen umfangreiche Investitionen in die KI-Infrastruktur, die das US-Wachstum stützen. Unter diesen Voraussetzungen könnte die US-Notenbank FED im weiteren Jahresverlauf sogar wieder Spielraum für Zinssenkungen erhalten.

Europa hingegen ist als Nettoimporteur von Energie weitaus anfälliger für Versorgungsschocks. Höhere Energiepreise könnten die Inflation hier deutlich länger auf einem erhöhten Niveau halten. Die Gefahr besteht darin, dass die Energiepreise auf Löhne, Lebensmittel und andere Wirtschaftsbereiche durchschlagen. In einem solchen Szenario wird die Inflationsdynamik so hartnäckig, dass die europäischen Währungshüter im Jahr 2026 möglicherweise wieder über Zinserhöhungen nachdenken müssen, wie T. Rowe Price analysiert.
Diese Entwicklung würde eine klassische Zinsschere öffnen: Während die USA die Zinsen senken, um das Wachstum zu stützen oder eine Normalisierung einzuleiten, müsste Europa die Zinsen erhöhen, um die importierte Inflation zu bekämpfen.
Pierre Wunsch und die EZB-Strategie gegen Inflationsrisiken
Innerhalb der Europäischen Zentralbank (EZB) ist die Haltung gegenüber einer möglichen Lockerung derzeit skeptisch. Pierre Wunsch, Leiter der belgischen Zentralbank, hat in einem Interview mit der Financial Times klargestellt, dass die Wahrscheinlichkeit einer Straffung der geldpolitischen Bedingungen für die kommende Sitzung hoch bleibt.
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Wenn kurz vor der Sitzung ein Friedensvertrag bestätigt wird, wird dies Teil der Diskussion sein. Aber wir werden nicht wissen, ob er von Dauer oder glaubwürdig sein wird.
Diese Aussage unterstreicht eine tief sitzende Vorsicht in Frankfurt. Selbst ein dauerhafter Friedensvertrag zwischen den USA und dem Iran würde die Pläne für eine geldpolitische Straffung nicht zwangsläufig stoppen. Die EZB priorisiert ihre Preisstabilität, die bei einer Inflationsrate von rund 2 % definiert ist, über kurzfristige geopolitische Hoffnungsschimmer.
Die Marktreaktion auf diese hawkishen Signale blieb bislang gedämpft. Der Wechselkurs EUR/USD notierte zuletzt bei rund 1,1625. Dennoch bleibt die EZB bereit, bei Bedarf auf Instrumente wie die Quantitative Straffung (QT) zu setzen, um die Liquidität am Markt zu verringern und den Euro tendenziell zu stärken.
Strategische Neuausrichtung: Von Software zu Infrastruktur
Für Anleger bedeutet dieses Umfeld, dass die bisherige Konzentration auf die großen Technologiewerte riskant werden könnte. Die langfristigen Treiber wie Gewinnwachstum und staatliche Investitionen bleiben zwar intakt, doch die Diversifikation gewinnt massiv an Bedeutung. Seit 2025 ist eine breitere Marktteilnahme zu beobachten, von der insbesondere Schwellenländer, Value-Aktien sowie kleine und mittelgroße Unternehmen profitieren.
Besonders interessant ist die Entwicklung im Bereich der Künstlichen Intelligenz. Das Thema verschiebt sich derzeit von der reinen Software-Ebene hin zu einer Infrastruktur-Thematik.
- Rechenzentren: Der physische Ort der Datenverarbeitung.
- Energieversorgung: Die massive Stromnachfrage der KI-Cluster.
- Kühlung: Technologische Lösungen zur Temperaturkontrolle in Serverfarmen.
- Halbleiter: Die Hardware-Basis für alle KI-Anwendungen.
Diese Bereiche bieten Chancen außerhalb der bekannten US-Tech-Giganten und sind weniger anfällig für die reine Software-Bewertungsblase.
Absicherung gegen geopolitische Schocks
Angesichts der Volatilität und der drohenden Inflation empfehlen Experten eine gezielte Absicherung des Portfolios. Sachwerte rücken wieder stärker in den Fokus, da sie in Zeiten steigender Energiepreise und geldpolitischer Instabilität als stabilisierende Anker fungieren können.

| Anlageklasse | Funktion im Portfolio |
|---|---|
| Gold | Klassischer Schutz gegen geopolitische Unsicherheit und Währungsverfall. |
| Inflationsgeschützte Anleihen | Direkte Absicherung gegen steigende Verbraucherpreise. |
| Sachwerte | Langfristiger Werterhalt bei Geldentwertung. |
| Schwellenländer | Profitieren teilweise von höheren Rohstoffpreisen (Exporteure). |
Die Differenzierung innerhalb der Anlageklassen ist dabei entscheidend. Während Rohstoffexporteure in den Schwellenländern von steigenden Ölpreisen profitieren, geraten ölimportierende Volkswirtschaften unter massiven Währungsdruck. Ein blindes Investment in Emerging Markets ist daher nicht mehr ratsam; eine selektive Strategie ist zwingend erforderlich.
Letztlich hängt die Entwicklung der nächsten Monate davon ab, ob die Energiepreise als vorübergehender Schock wahrgenommen werden oder ob sie eine strukturelle Regimeverschiebung einleiten. Sollte die Inflation in Europa dauerhaft verfestigt werden, wird die EZB kaum eine andere Wahl haben, als die Zinsen in einer Weise zu bewegen, die Europa wirtschaftlich weiter von den USA entkoppelt.