Wochen nach verheerenden Sommerstürmen kämpfen zehntausende Haushalte in Nordwest-Indiana weiter ohne Strom. Während die Northern Indiana Public Service Company den Wiederaufbau vorantreibt und Gouverneur Mike Braun den Notstand ausruft, wächst bei betroffenen Bürgern in Gary und Umgebung der Unmut über langwierige Ausfälle und beschädigte Infrastruktur.
Die humanitäre Lage in Gary und das Ringen um die Grundversorgung
Mehr als zwei Wochen nach den heftigen Unwettern, die am 11. August 2026 über Nordwest-Indiana hinwegfegten, bleibt die Situation für viele Menschen angespannt. Vor allem in Gary, wo nach Angaben von CBS News rund ein Drittel der Bevölkerung in Armut lebt, sind die Folgen des Blackouts allgegenwärtig. Betroffene berichten von unerträglichen Bedingungen in den abgedunkelten Häusern und Straßen.
Die Dunkelheit in den Wohngebieten wird abends nur durch Scheinwerfer von Autos erhellt, wie Anwohner schildern. Besonders für ältere Menschen, die auf medizinische Geräte angewiesen sind, oder für Familien mit Kleinkindern bedeutet der anhaltende Stromausfall eine extreme Belastung. Einige Bürger suchen Zuflucht in ihren geparkten Fahrzeugen, da in den aufgeheizten Wohnungen erhebliche Feuchtigkeit entstanden ist, die Möbel beschädigt hat.
Millionenschäden und der Antrag auf Bundeshilfe
Angesichts von mindestens sieben Todesfällen und rund 1.000 Vertriebenen im Zuge der Unwetter hat der Gouverneur von Indiana, Mike Braun, reagiert. Aufsichtsbehörden und Landesregierung beziffern die durch den Sturm und dessen Nachwehen verursachten Sachschäden auf über 5 Milliarden Dollar. Der Gouverneur beantragte bei der Bundesbehörde FEMA eine beschleunigte Katastrophenerklärung für 54 Landkreise, um zusätzliche Ressourcen für den Wiederaufbau zu mobilisieren.
Die Northern Indiana Public Service Company bezifferte die Zahl der betroffenen Kunden zu Beginn auf 374.500. Allein in Gary müssen etwa 300 normale Strommasten und 44 Hochspannungsmasten ersetzt werden.
These aren’t simple repairs. These are systems that are being rebuilt. Melody Birmingham, Führungskraft bei der NIPSCO-Muttergesellschaft, via abcnews.com
Rechtliche Schritte und Kritik am Versorger
Die anhaltenden Stromausfälle haben eine Welle juristischer und politischer Auseinandersetzungen ausgelöst. Eine von der Kanzlei Kenneth Allen Law Group eingereichte Sammelklage wirft der Northern Indiana Public Service Company vor, den Baumbeschnitt rund um die Freileitungen vernachlässigt zu haben. Die Kläger argumentieren, dass herabstürzende Bäume die primäre Ursache für die flächendeckenden Ausfälle waren und das Unternehmen unzureichende Inspektionen durchgeführt habe.

Das Unternehmen wies diese Vorwürfe entschieden zurück. In einer Stellungnahme erklärte der Versorger, die Ausgaben für das Vegetationsmanagement seit 2016 mehr als verdoppelt zu haben und sich gegen die Vorwürfe gerichtlich zur Wehr zu setzen. Um die finanzielle Last der Betroffenen zu mindern, hat das Unternehmen laut der Präsidentin Melody Birmingham Rechnungsabschaltungen für die Folgewoche ausgesetzt.
Hilfskräfte aus Illinois und zivile Solidarität
Zur Entlastung der lokalen Technikteams hat der Energieversorger ComEd am Wochenende mehr als 60 Mitarbeiter von Illinois nach Nordwest-Indiana entsandt, um die Reparaturarbeiten zu unterstützen. Zugleich zeigten regionale Organisationen und Sportvereine Solidarität. Die Chicago Bears kündigten Spenden in Höhe von 200,000 US-Dollar an, die zu gleichen Teilen an die katholischen Wohlfahrtsverbände in Chicago und im Bistum Gary fließen sollen.

In Kirchengemeinden und Gemeindezentren wie der First Baptist Church of Gary versorgen Ehrenamtliche die Bevölkerung täglich mit warmen Mahlzeiten, Trinkwasser und Lademöglichkeiten für Mobiltelefone. Während Bürgermeister Eddie Melton eine verstärkte Rechenschaftspflicht des Versorgers für die Zukunft ankündigte, bleibt für viele Anwohner vorerst nur das Warten auf die endgültige Wiederherstellung des Stromnetzes.
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