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Welt

Niger: Bewaffnete Angreifer Attackieren Flughafen und Präsidentenpalast

Bewaffnete Angreifer haben den internationalen Flughafen von Niamey sowie sicherheitsrelevante Zonen in Niger angegriffen und damit stundenlange Gefechte ausgelöst. Die Regierung unter der Militärjunta meldete getötete Angreifer und betonte, die Lage wieder unter Kontrolle gebracht zu haben, während Al-Qaida-nahe Gruppen die Verantwortung übernahmen.

Nächtliche Gefechte um den Flughafen und sensible Areale in Niamey

Schwere Explosionen und anhaltende Gewehrschüsse erschütterten im Morgengrauen die nigrische Hauptstadt Niamey. Die Angriffe richteten sich gezielt gegen den internationalen Flughafen, das dort befindliche Militärgelände sowie gegen Einrichtungen in der Nähe des Präsidentenpalastes. Anwohner berichteten von wackelnden Wänden und einer spürbaren Panik in den Wohnvierteln. Der Diori Hamani International Airport war Schauplatz von heftigem, anhaltendem Gewehrfeuer und lauten Explosionen, während Luftverteidigungssysteme in den frühen Morgenstunden unbekannte Projektile bekämpften. Die Vorfälle ereigneten sich im Schutze der Dunkelheit und legten Teile der Infrastruktur vorübergehend lahm, wobei der Betrieb am Flughafen im Laufe des Tages zu Normalität zurückkehrte. Der staatliche Rundfunk und das Fernsehen fielen zeitweise aus, bevor der Sender nach einer Unterbrechung wieder auf Sendung ging und erste offizielle Mitteilungen verbreitete.

Mutinierte Soldaten aus einer Basis in Niamey eröffneten das Feuer auf sensible Einrichtungen der Stadt, während Berichte auch Soldaten aus den südwestlichen Ortschaften Ouallam, Tera und Dosso in den Vorfall einbezogen. Der Aufstand betraf zudem das wichtige Militärgelände der Base 101 nahe dem Verwaltungsbezirk Plateau. Bana Ibrahim, Mitglied des Beratenden Rates von Niger, bestätigte den Angriff auf Facebook und erklärte, die Sicherheits- und Verteidigungskräfte hätten die Situation erfolgreich unter Kontrolle gebracht, obgleich Zeugen auch nach dieser Ankündigung anhaltendes Schießen meldeten. Bana Wagana Ibrahim, ebenfalls Mitglied des Beratenden Rates und Abgeordneter im Parlament der Allianz der Sahel-Staaten, führte aus, dass die Angreifer zwar die Base 101 ins Visier genommen hatten, die Sicherheitskräfte die Lage jedoch wieder bereinigen konnten.

Offizielle Opferzahlen und widersprüchliche Verantwortlichkeiten

In einer im Staatsfernsehen verlesenen Erklärung gab das Verteidigungsministerium bekannt, dass bei den heftigen Auseinandersetzungen elf Angehörige der Sicherheitskräfte sowie zwei Zivilisten ums Leben gekommen seien; zudem wurden vier Militärangehörige verletzt. Gleichzeitig erklärten die Behörden im Staatsfernsehen, dass die Regierungstruppen den Angriff abgewehrt, 20 Angreifer getötet und eine französische Staatsangehörigkeit unter den Getöteten bestätigt hätten. Eine frühere oder ergänzende Regierungsbilanz sprach von 22 getöteten Angreifern sowie 11 festgenommenen Personen am Flughafen im Zuge von Übernacht-Einsätzen, während andere Berichte von rund 20 Festgenommenen und beschlagnahmten Waffen berichteten.

Niger soldiers stage mutiny, attack military base and sensitive sites in capital Niamey
Photo: news.ssbcrack.com
Niger: Bewaffnete Angreifer Attackieren Flughafen und Präsidentenpalast
Photo: nbcnews.com

Die Frage nach den Hintermännern sorgte zunächst für unterschiedliche Spekulationen und geopolitische Schuldzuweisungen. Während internationale Beobachter, der französische Journalist und Sahel-Konfliktreporter Wasim Nasir sowie Sicherheitsanalysten auf die anhaltende Bedrohung durch dschihadistische Gruppierungen oder einen internen Machtkampf beziehungsweise Staatsstreich verwiesen, erhoben Vertreter der Militärjunta schwere Vorwürfe gegen äußere Mächte. So dankte der Junta-Anführer General Abdourahamane Tchiani – der durch einen Putsch im Juli 2023 an die Macht gekommen war – auf im Staatsradio ausgestrahlten Ansprachen ausdrücklich den russischen Partnern für deren professionellen Beistand im Sicherheitssektor. Gleichzeitig beschuldigte General Tchiani die Präsidenten von Frankreich (Emmanuel Macron), Benin (Patrice Talon) und Alassane Ouattara und rief ihnen zu, man habe sie nun genug bellen hören.

Bekenntnis von Dschihadisten und Parallelen zu früheren Vorfällen

Kurz nach den Ereignissen übernahm das westafrikanische Al-Qaida-Affiliat Jama’at Nusrat al-Islam wal Muslimin (JNIM) offiziell die Verantwortung für den Überfall auf das Flughafenareal und den Militärflugplatz. Das Bekenntnis wurde über die offizielle Medienarmee der Organisation, die Az-Zallaqa Foundation, verbreitet. JNIM ist auch in den Nachbarländern Mali und Burkina Faso aktiv, wo im April landesweite Angriffe, darunter auf den Flughafen der Hauptstadt Bamako, verzeichnet wurden.

Abdourahamane Tchiani
Photo: BBC

Es handelte sich bereits um den zweiten beziehungsweise dritten größeren Sicherheitsvorfall an dem Flughafenkomplex in diesem Jahr. Im Januar war der Standort bereits von einem lokalen Ableger des IS, dem sogenannten Islamic State Sahel Province (ISSP), attackiert worden. Niger kämpft anhaltend gegen jihadistische Gewalt von Gruppen, die mit dem Islamischen Staat und Al-Qaida in der Sahelzone und im Tschadsee-Gebiet verbunden sind, während die Junta-Regierung unter Abdourahamane Tiani trotz anderslautender Versprechen bei der Sicherheitslage weiterhin vor enormen Herausforderungen steht.

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Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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