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Nepal: Über 700 Tote nach Gletscherabbruch und Sturzfluten im Himalaya

Nach einer katastrophalen Sturzflut entlang der nepalesisch-tibetischen Grenze ist die Zahl der Todesopfer auf über 700 gestiegen, während rund 3.000 Menschen weiterhin vermisst werden. Rettungskräfte kämpfen am vierten Tag gegen schwieriges Terrain, Schlammassen und neue Überschwemmungsgefahren an, um Vermisste in abgelegenen Tälern und Tunneln zu bergen.

Steigende Opferzahlen und Tausende Vermisste nach Gletscherabbruch

Die verheerenden Sturzfluten und Schlammlawinen wurden nach Angaben von Geologen dadurch ausgelöst, dass ein riesiger Eis- und Gesteinsblock von einem Berggipfel im Himalaya-Grenzgebiet abbrach. Die Erschütterung des mutmaßlichen Gletscherabbruchs war so heftig, dass seismische Messgeräte sie zunächst als Erdbeben der Stärke 4,4 registrierten, wie die United States Geological Survey (USGS) berichtete. Später korrigierte die Behörde den Wert auf die Äquivalenz eines Bebens der Stärke 5,2, gefolgt von einem Nachbeben der Stärke 4,2 nach drei Stunden.

Die Flutwelle aus Wasser, Eis und Schlamm wälzte sich über eine Strecke von knapp 100 Kilometern durch die Täler, begrub Dörfer unter sich und zerstörte Straßen sowie Brücken. Nach jüngsten behördlichen Angaben bestätigten nepalesische Stellen 734 Todesopfer und 2.498 Vermisste. Chinesische Behörden meldeten für die Region Tibet weitere 16 Tote und 546 Vermisste. Unter den Vermissten in Nepal befinden sich laut Agenturangaben fast 600 ausländische Staatsangehörige aus mehr als einem Dutzend Ländern, darunter Touristen, Arbeitskräfte und Pilger, die auf dem Weg zum heiligen Berg Kailash waren.

Rettungseinsätze an Wasserkraft-Tunneln und drohender Dammbruch

Besonderer Schwerpunkt der Rettungsbemühungen sind die Tunnelanlagen an Wasserkraftprojekten wie Trishuli 3A und 3B, in denen nach Regierungsangaben möglicherweise noch mehr als 100 Arbeiter lebend eingeschlossen sind.

Nepal: Über 700 Tote nach Gletscherabbruch und Sturzfluten im Himalaya
Photo: nbcnews.com

Dennoch bleibt die Lage vor Ort angespannt. Die Nationale Behörde für Katastrophenvorsorge und -management in Nepal (NDRRMA) warnte am Sonntagmorgen vor weiter steigenden Pegeln im Bhotekoshi-Fluss in der Region Rasuwa, wie unter anderem The Guardian und CBS News berichteten.

Wir haben die Information erhalten, dass die Flutwelle im Bhotekoshi-Fluss in Rasuwa weiter angestiegen ist. Daher werden alle Einsatzkräfte bei den Such-, Rettungs- und Hilfsarbeiten, Personen in Ufergebieten sowie alle anderen in den betroffenen Regionen einschließlich Rasuwa, Nuwakot, Dhading und Chitwan aufgefordert, Vorsicht walten zu lassen. National Disaster Risk Reduction and Management Authority (NDRRMA), offizielle Warnmeldung

Zusätzlich zur Gefahr durch ansteigende Flusspegel bereitet ein neu entstandener Barriere-See an der Grenze zwischen Nepal und China große Sorge. Der See hat sich gebildet, weil Geröllmassen den Fluss abgeriegelt und ein natürliches Becken geschaffen haben. Chinesische Stellen warnten, dass das Gewässer bereits Millionen Kubikmeter Wasser fasst und das Risiko eines plötzlichen Dammbruchs besteht.

Internationale Hilfen und Verzweiflung in den Krankenhäusern

Während Hubschrauber der nepalesischen Armee im Distrikt Nuwakot und anderen betroffenen Gebieten im Pendelverkehr Hilfsgüter wie Reis, Nudeln und Kleidung einfliegen und Überlebende evakuieren, wächst bei den Angehörigen die Verzweiflung.

Nepal: Über 700 Tote nach Gletscherabbruch und Sturzfluten im Himalaya
Photo: cbsnews.com

Die internationale Gemeinschaft hat unterdessen finanzielle und logistische Unterstützung zugesagt. Auch andere Staaten und Organisationen haben Mittel zugesagt oder Notfallfonds freigegeben. Außenminister Shisir Khanal betonte, dass die Suche nach den Vermissten oberste nationale Priorität hat und die Regierung bezüglich der Schadensbewältigung mit Milliardenkosten rechnet.

Suche nach Vermissten: Was über die Flutwelle in Nepal bekannt ist
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Jonas Becker

Über den Autor

Jonas Becker verantwortet das Nachrichtenressort von Germanic Nachrichten. Sein Fokus liegt auf schneller, praeziser und sauber verifizierter Berichterstattung zu Politik, Gesellschaft und aktuellen Entwicklungen in Deutschland.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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