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Technik und Wissenschaft

NASA und ESA: DART-Einschlag veränderte Asteroidenbahn

Die NASA und die Europäische Weltraumorganisation (ESA) betreiben ein mehrstufiges System zur Abwehr von erdnahen Objekten (Near-Earth Objects, NEOs). Die ESA-Mission Hera, die im Oktober 2024 startete, nähert sich derzeit dem Asteroiden Dimorphos, um die Auswirkungen des 2022 durchgeführten DART-Einschlags zu analysieren, der die Umlaufbahn des Objekts erfolgreich veränderte.

Analyse der kinetischen Impakt-Effizienz

Die derzeitige Phase der planetaren Verteidigung konzentriert sich auf die präzise Messung der Wirksamkeit kinetischer Impaktoren. Am 26. September 2022 steuerte die NASA-Sonde DART (Double Asteroid Redirection Test) gezielt in den Asteroiden Dimorphos, einen Mond des größeren Asteroiden Didymos. Ziel war es, die Umlaufzeit von Dimorphos durch die reine Wucht des Aufpralls zu verkürzen.

Nach Angaben der NASA reduzierte der Einschlag die Umlaufzeit von Dimorphos um etwa 32 Minuten, was die theoretischen Vorhersagen übertraf. Die im Oktober 2024 gestartete Hera-Mission der ESA soll nun die physikalischen Details dieses Vorgangs klären. Hera wird im Dezember 2026 am Didymos-System eintreffen. Die Sonde ist darauf ausgelegt, die Masse von Dimorphos sowie die genaue Größe und Struktur des vom DART-Einschlags hinterlassenen Kraters zu bestimmen.

Diese Daten sind für die Zukunft entscheidend, da die reine Beobachtung der Umlaufzeitänderung von der Erde aus nicht ausreicht, um zu verstehen, wie viel Energie tatsächlich auf den Asteroiden übertragen wurde und wie die interne Struktur des Objekts – ob massiver Fels oder ein lockerer Trümmerhaufen – die Ablenkung beeinflusst.

Frühwarnsysteme durch Infrarot-Detektion

Ein effektiver Abwehrplan setzt die frühzeitige Entdeckung von Bedrohungen voraus. Die NASA arbeitet an der Entwicklung des NEO Surveyor, einem infraroten Weltraumteleskop, das voraussichtlich ab 2027 operativ sein wird. Während bodengebundene Teleskope Schwierigkeiten haben, dunkle Asteroiden gegen den hellen Hintergrund des Weltraums zu erkennen, detektiert NEO Surveyor die Wärmestrahlung der Objekte.

Das Ziel des Projekts ist es, 90 Prozent der erdnahen Objekte mit einem Durchmesser von mehr als 140 Metern zu identifizieren. Objekte dieser Größe könnten bei einem Einschlag ganze Regionen verwüsten. Das Planetary Defense Coordination Office (PDCO) der NASA koordiniert die Auswertung dieser Daten und nutzt Systeme wie „Sentry“, um die Aufprallwahrscheinlichkeiten über die nächsten 100 Jahre zu berechnen.

Methoden zur Kurskorrektur und Bahnbeeinflussung

Experten unterscheiden je nach Größe des Objekts und dem verfügbaren Vorlaufzeitraum zwischen verschiedenen Abwehrmethoden.

Der kinetische Impaktor, wie bei DART demonstriert, ist die derzeit am weitesten fortgeschrittene Methode. Er eignet sich für mittelgroße Asteroiden, sofern sie Jahre vor einem potenziellen Einschlag entdeckt werden. Durch die Änderung der Geschwindigkeit des Objekts wird dessen Bahn so verschoben, dass es die Erde verfehlt.

Für eine präzisere Steuerung wird der sogenannte Gravitationstraktor diskutiert. Hierbei fliegt eine schwere Raumsonde über einen längeren Zeitraum parallel zu einem Asteroiden. Die minimale gegenseitige Anziehungskraft zwischen Sonde und Asteroiden reicht aus, um das Objekt über Jahre hinweg langsam aus seiner Bahn zu ziehen. Diese Methode ist jedoch nur bei sehr langen Vorlaufzeiten effektiv.

Als letzte Option für extrem große Objekte oder sehr kurze Warnzeiten gilt die nukleare Ablation. Dabei wird keine klassische „Sprengung“ des Asteroiden angestrebt, da dies eine gefährliche Wolke aus Trümmern erzeugen würde. Stattdessen soll eine nukleare Detonation in der Nähe der Oberfläche Material verdampfen. Der daraus resultierende Rückstoß wirkt wie ein Raketentriebwerk und schiebt den Asteroiden aus seinem Kurs.

Globale Sicherheitsarchitektur und Einsatzkoordination

Die Abwehr eines Asteroiden ist eine globale Aufgabe, die eine Abstimmung zwischen staatlichen Akteuren erfordert. Hierfür wurden zwei zentrale Gremien etabliert:

Das International Asteroid Warning Network (IAWN) ist für die Detektion und die Kommunikation zuständig. Es bündelt Daten von Observatorien weltweit und informiert die betroffenen Regierungen über potenzielle Gefahren.

Die Space Mission Planning Advisory Group (SMPAG) befasst sich mit der technischen Umsetzung. Sie koordiniert die Planung und den Start von Abwehrmissionen, falls das IAWN eine ernsthafte Gefahr meldet.

Die Zusammenarbeit dieser Organisationen stellt sicher, dass nicht mehrere Nationen unabhängig voneinander versuchen, einen Asteroiden abzulenken, was zu unvorhersehbaren Ergebnissen führen könnte. Die aktuellen Missionen DART und Hera dienen als praktische Tests, um die Protokolle der SMPAG zu validieren und die technische Basis für eine reale Interventionsmission zu schaffen.

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Clara Vogt

Über den Autor

Clara Vogt verantwortet das Ressort Technik und Wissenschaft. Sie schreibt ueber KI, Digitalisierung, Forschung und Innovation und uebersetzt komplexe Entwicklungen in klaren, belastbaren Journalismus.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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