NASA-Forscher haben im Frühjahr 2024 mithilfe der Raumsonde Lunar Reconnaissance Orbiter einen 222 Meter großen Einschlagskrater auf dem Mond entdeckt. Der nach Thomas McGetchin benannte Krater gilt als der größte neue Krater, der jemals im Sonnensystem gefunden wurde. Die Entstehung wirft Fragen zur Sicherheit künftiger Mondbasen auf.
Ein unbemerkt gebliebener Kometen- oder Asteroideneinschlags sorgt in der planetologischen Forschung für Aufsehen. Forscher der US-Raumfahrtbehörde NASA und des Unternehmens Intuitive Machines haben den Fund im September 2026 publik gemacht. Der Krater entstand demnach im Frühjahr 2024, blieb jedoch in den darauffolgenden zwei Jahren unerkannt, bis eine neue Durchmusterung der Mondoberfläche das ungewöhnliche Oberflächenmerkmal offenbarte.
Entdeckung des Kraters McGetchin und die Dimensionen des Einschlags
Die Einschlagsstelle erhielt den Namen McGetchin – benannt nach dem verstorbenen Thomas McGetchin, der einst als Direktor des Lunar and Planetary Institute in Houston wirkte, wie WELT berichtet. Mit einem Durchmesser von 222 Metern übertrifft der Krater bisherige Rekorde deutlich. Wie Science News anmerkt, ist das Objekt rund dreimal so groß wie der bisherige Rekordhalter unter den jungen Kratern, den die Sonde Lunar Reconnaissance Orbiter (LRO) in der Vergangenheit aufgespürt hatte. Nasa-Forscher stuften ein derartiges Ereignis als selten ein; statistisch trete ein so wuchtiger Einschlag nur etwa einmal im Jahrhundert oder noch seltener
auf.
Der Himmelskörper, der das Phänomen auslöste, besaß nach Schätzungen die Ausmaße eines drei- bis sechsstöckigen Hauses. Der Aufprall ereignete sich an einer geologischen Übergangszone zwischen dem dunklen Basalt der Mondmeere und dem helleren, alten Hochlandgestein. Die durchschnittliche Tiefe des Kraters liegt bei rund 43 Metern, was zusammen mit den steilen Rändern auf ein stabiles Untergrundmaterial aus erstarrtem Lava-Gestein schließen lässt.
Geologische Fernwirkungen und Auswurfmaterial
Die Analyse der Auswurfmassen offenbart Phänomene, die über den eigentlichen Kraterrand hinausreichen. Forscher um Mark Robinson vom Raumfahrtunternehmen Intuitive Machines stellten fest, dass der Einschlag Material freilegte, das zuvor mehr als 20 Meter tief unter der Oberfläche schlummerte.
„Es war mit Abstand das auffälligste Trümmermuster eines Einschlags, das ich je auf einem dieser Bilder gesehen hatte.“
Robert Wagner, Intuitive Machines, via scinexx.de
Die Auswertungen der Aufnahmen deuten darauf hin, dass ein Teil des Materials in Winkeln von mehr als zehn Grad ausgeschleudert wurde, während die Wissenschaft bislang von etwa zwei Grad ausgegangen war. Zudem deuten die Daten auf mindestens zwei aufeinanderfolgende Wellen von Auswurfmaterial hin.
Kältezonen und Veränderungen des Regoliths
Neben dem sichtbaren Krater hinterließ das Ereignis auch im scheinbar unversehrten Umland messbare Spuren. Daten des Wärmestrahlungsinstruments Diviner offenbarten eine rund sieben Kilometer breite Kältezone rund um McGetchin. Während der langen Mondnacht sank die Temperatur dort um acht bis neun Kelvin unter das Niveau der Umgebung. Forscher des Johns Hopkins University Applied Physics Laboratory führen diesen Effekt darauf zurück, dass der Einschlag den oberflächennahen Regolith – den Mondstaub – auf eine Tiefe von Zentimetern bis Dezimetern auflockerte, wodurch lockeres Material Wärme schlechter speichert.
Bedeutung für künftige bemannte Mondmissionen
Die Erforschung des Einschlags bietet wertvolle Einblicke in die Dynamik des Mondbodens und birgt praktische Relevanz für anstehende Projekte. Sowohl die Vereinigten Staaten als auch China planen bemannte Missionen zum Mond; die NASA strebt für das Jahr 2028 eine Landung an, während die Volksrepublik das Jahr 2030 anvisiert. Die weitreichenden Streuungen von Trümmerteilen verdeutlichen jedoch die Risiken für künftige Stationen.
Künftige Mondinfrastrukturen müssen demnach so konstruiert werden, dass sie auch von extrem schnellen Partikeln, die aus großer Entfernung herangeschleudert werden, nicht zerstört werden.
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