Sechs Monate nach Beginn des Konflikts hat der iranische Oberste Führer Mojtaba Khamenei die muslimischen Staaten der Golfregion am Sonntag zur Einigkeit gegen die USA und Israel aufgerufen. In einer schriftlichen Erklärung warnt er vor inneren Spaltungen und fordert eine Abkehr vom US-Dollar, während der Iran weiter unter den Folgen der Blockade leidet.
Ein Aufruf zur regionalen Einheit und Abkehr von externen Gegnern
Sechs Monate nach dem Beginn der militärischen Offensive der USA und Israels im Nahen Osten hat Irans Oberster Führer Mojtaba Khamenei in einer schriftlichen Botschaft die islamischen Länder der Region zu einem geschlossenen Auftreten aufgefordert. Die Erklärung wurde am Sonntag zeitgleich mit der Woche der Islamischen Einheit veröffentlicht, die an den Geburtstag des Propheten Mohammed erinnert. Khamenei betonte, dass der Zusammenhalt der einzige Weg aus den anhaltenden Krisen der islamischen Nationen sei. Die Lösung für die Probleme der islamischen Nationen ist die Einheit der Worte, Freundschaft und Zusammenarbeit auf dem Weg des Guten, hieß es in dem Text, der über die offiziellen Kanäle des Machthabers verbreitet wurde.
In seiner Nachricht wandte sich das Staatsoberhaupt direkt an die Regierungen der Golfregion und forderte sie auf, ihren wahren Feind zu erkennen, dessen Pläne zu verstehen und ihm geschlossen entgegenzutreten. Dabei bezog er sich explizit auf die Vereinigten Staaten und Israel. Seit dem Ausbruch der Kampfhandlungen am 28. Februar 2026, die auf Angriffe zur Zerstörung von Raketenbedrohungen und des iranischen Atomprogramms folgten, hat sich das Verhältnis Teherans zu den arabischen Nachbarstaaten stark eingetrübt. Da iranische Vergeltungsschläge auch US-Militärbasen in Ländern wie Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Jordanien, Kuwait, Katar und Bahrain trafen, sind die diplomatischen Spannungen in der gesamten Region spürbar geblieben. Khamenei befragte die arabischen Führer des Golfs und fragte, ob Schurken es wagen würden, ihr Land und ihren Besitz zu begehren, wenn sich die Völker und Regierungen der Golfstaaten unter dem Banner des Islam vereinen.
Interne Warnungen vor Spaltung und wirtschaftlicher Druck
Neben den Appulsen an die Nachbarstaaten richtete Khamenei scharfe Worte an die eigene Bevölkerung und die politischen Verantwortungsträger im Land. Er warnte davor, dass jegliche Zwietracht im Inneren ausschließlich den Interessen der externen Gegner diene. Wer bewusst oder unbewusst Konflikte schürt, arbeite den Interessen der Feinde des Islam zu. In der Nachricht wurde auch die Frage aufgeworfen, ob die Palästinenser in einer derart machtlosen Lage blieben, wenn sich die Muslime vereinten. In diesem Zusammenhang verwies er auf eine vorangegangene Erklärung vom Freitag, in der er bereits strenge Maßstäbe für den nationalen Zusammenhalt gesetzt hatte.

Ich erkläre feierlich, dass alles verboten ist, was dem sozialen Zusammenhalt schadet.

Mojtaba Khamenei, Oberster Führer des Iran
Die Führung in Teheran steht innenpolitisch wie wirtschaftlich unter massivem Druck. Nach monatelanger Seeblockade durch die US-Marine und jahrelangen, verschärften Sanktionen leidet die Bevölkerung unter den wirtschaftlichen Folgen. Vor diesem Hintergrund forderte der Oberste Führer am Freitag eine schrittweise Entdollarisierung der iranischen Wirtschaft sowie die Stärkung der heimischen Produktion, um das Wachstum angesichts der internationalen Isolation zu stützen. Khamenei ist seit seiner Verletzung bei den US-amerikanischen und israelischen Luftangriffen am 28. Februar – dem Ereignis, das den Iran-Krieg auslöste und zum Tod des Obersten Führers Ayatollah Ali Khamenei führte – nicht mehr öffentlich aufgetreten.
Geopolitischer Hintergrund und das angespannte Informationsumfeld
Der Konflikt, der durch die Luftangriffe Ende Februar ausgelöst wurde und zum Tod des früheren Machthabers Ayatollah Ali Khamenei führte, hat nicht nur die militärische Architektur des Nahen Ostens erschüttert, sondern auch die Bedingungen für die Berichterstattung massiv verändert. Seit Beginn der Operationen verhängte das Regime einen strengen Internet-Shutdown, um die Kontrolle über die Informationsströme im Land zu behalten. Beobachter und Organisationen weisen darauf hin, dass dadurch ein massives Informationsvakuum entstanden ist, während Desinformationskampagnen und manipulierte Inhalte in den sozialen Netzwerken zunehmen. Der Krieg im Nahen Osten wird von Desinformationskampagnen und einer Flut von KI-generierten und aus dem Kontext gerissenen Videos und Bildern in sozialen Medien begleitet.

Gleichzeitig bleibt die Sicherheitslage in Westasien fragil, während internationale Akteure und religiöse Oberhäupter wie Papst Leo XIV. wiederholt ein Ende der Gewalt und die Rückkehr zu diplomatischen Verhandlungen gefordert haben. In Reaktion auf die Gewalt im Nahen Osten forderte Papst Leo XIV. am 1. März die sofortige Beendigung der Spirale der Gewalt und betonte, dass Stabilität und Frieden nicht durch Drohungen und Militärschläge erreicht werden könnten, sondern nur durch verantwortungsvollen Dialog. Ob die Appelle aus Teheran an die Adresse der Golfmonarchien in der gegenwärtigen Krisenlage Gehör finden, bleibt angesichts der militärischen Vorgeschichte und der tiefen strategischen Differenzen der Nachbarstaaten ungewiss.
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