Bundeskanzler Friedrich Merz hat auf dem Invest in Germany Summit in Berlin eine engere Zusammenarbeit mit dem Chipkonzern Nvidia vereinbart, um Künstliche Intelligenz in der deutschen Industrie voranzutreiben.
Im ehemaligen DDR-Staatsratsgebäude in Berlin-Mitte, das heute als Privatuniversität ESMT dient, versammelten sich am Montag rund zweihundert internationale Führungskräfte, Investoren und Spitzenmanager zu dem zweitägigen Treffen. Bundeskanzler Friedrich Merz nutzte den Auftakt, um privates Kapital zu mobilisieren und die heimische Wirtschaft durch den systematischen Einsatz von KI-Technologien zu modernisieren.
Begleitet von Vizekanzler Lars Klingbeil und weiteren Kabinettsmitgliedern warf der Kanzler den Blick auf die Standortbedingungen des Landes.
Neben Merz und Vizekanzler Lars Klingbeil vertrat die halbe Bundesregierung Deutschland politisch bei der Veranstaltung. Unter den anwesenden Größen aus Konzernen, Banken und Fonds befanden sich Bernard Mensah von der Bank of America, Larry Fink vom Vermögensverwalter BlackRock, Scheich Saoud Salem Abdulaziz Al-Sabah vom Staatsfonds von Kuwait sowie Investorin Jeannette Fürstin zu Fürstenberg von General Catalyst und die Bosse von deutschen Traditionsunternehmen wie Mercedes und Siemens. Auf der Regierungsseite sprachen während des Gipfels auch Bauministerin Verena Hubertz und Wirtschaftsministerin Katherina Reiche mit den geladenen Spitzenvertretern.
Partnerschaft mit Nvidia und KI für die Wirtschaft
Im Zentrum der wirtschaftspolitischen Bemühungen steht eine vom Bundeswirtschaftsministerium unterzeichnete Absichtserklärung mit Nvidia. Ziel der Kooperation ist es, die Entwicklung von KI-Modellen für die industrielle Nutzung – insbesondere für Roboter, Maschinen und Fahrzeuge – zu beschleunigen.
Nvidia-Chef Jensen Huang kündigte zudem Investitionen in vier deutsche Start-ups an: Agile Robots, Avelios Medical, Mirelo und Reflex Aerospace. Diese Finanzierungen sind Teil einer knapp zehn Milliarden Dollar schweren Zusage des Konzerns für das gesamte europäische Technologieökosystem. Der Bund will zusammen mit dem Chip-Riesen die Entwicklung von KI-gesteuerten Robotern vorantreiben, wobei eine konkrete Investitionssumme zunächst nicht genannt wurde.
Wir sind voll und ganz entschlossen, einer der fortschrittlichsten Orte der Welt zu sein – nicht nur in der Europäischen Union, sondern weltweit –, um mit KI zu arbeiten und KI in unsere Industrie zu integrieren.
Friedrich Merz, Bundeskanzler, via Thenextweb
Jensen Huang betonte, dass KI die Fähigkeiten nur ergänzen, aber nicht ersetzen könne, und riet, die Technologie zu nutzen, da sie ein neues Instrument sei.
Millioneninvestitionen und gigantische Summen bis 2035
Parallel zu den Regierungsgesprächen legte eine private Initiative konkrete Zahlen vor. Das Bündnis Made for Germany
, das von Unternehmen wie Siemens und der Deutsche Bank gegründet wurde und mittlerweile rund 150 Unternehmen und Investoren umfasst, veröffentlichte einen Bericht über potenzielle Zukunftsinvestitionen. Demnach sieht das Netzwerk das Potenzial für Investitionen von bis zu 4,1 Billionen Euro (etwa 4,6 Billionen Dollar) in den Bereichen Künstliche Intelligenz, Energie und Verteidigung bis zum Jahr 2035.
| Zeitraum oder Zieljahr | Geplante oder getätigte Investition | Initiative oder Partner |
|---|---|---|
| 2025 | Über 200 Milliarden Euro | Made for Germany |
| Bis 2028 | Mehr als 850 Milliarden Euro | Made for Germany |
| Bis 2035 | Bis zu 4,1 Billionen Euro (4,6 Billionen Dollar) | Siemens und Deutsche Bank Bericht |
Wirtschaftlicher Druck und politische Kritik am Gipfel
Um das notwendige Wirtschaftswachstum zu sichern, setzt die Bundesregierung neben dem neuen Chip-Abkommen auf eine Modernisierung durch öffentliche Investitionen aus dem 500 Milliarden Euro schweren Sondervermögen, Reformen im Sozialsystem, einzelne Maßnahmen im Bereich des Bürokratieabbaus, eine Rechenzentrumsstrategie sowie den Deutschlandfonds als staatliches Finanzierungs- und Absicherungsinstrument in Höhe von 30 Milliarden Euro zur Mobilisierung privater Investitionen.
Heikel für Merz war zudem, dass Nvidia-Chef Jensen Huang wenige Tage vor dem Gipfel Deutschland ungewöhnlich hart als weit abgehängt
kritisierte, bei der Auftakt-Gala in der Szene-Location „Kraftwerk Berlin“ dann jedoch mildere Töne anschlug und die deutsche Ingenieurskunst lobte. Kritik an der strategischen Ausrichtung des Treffens äußerte unter anderem Schubert mit dem Hinweis, dass gescheiterte Ansiedlungen wie die von Intel in Sachsen-Anhalt zeigen, dass privilegierte Partnerschaften mit einzelnen Konzernen keine industriepolitische Strategie ersetzen können. Dennoch zeigten sich die beteiligten Wirtschaftsvertreter gesprächsbereit, während das zweitägige Treffen fortgesetzt wird und Huang am Mittwoch eine Keynote-Rede auf der Nvidia GTC Berlin Konferenz halten soll.
Verwandte Artikel