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Unternehmen

Bundesregierung und Nvidia besiegeln Kooperation für Industrie-KI

Bundeskanzler Friedrich Merz und Nvidia-Chef Jensen Huang haben am 19. Oktober 2026 zum Auftakt des ersten Invest in Germany-Summits in Berlin eine offizielle Kooperation zur Förderung industrieller Künstlicher Intelligenz besiegelt, nachdem der Technologie-Milliardär zuvor den technologischen Rückstand Deutschlands scharf kritisiert hatte.

Fast eine Milliarde Dollar hat der US-Chiphersteller Nvidia nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr in Deutschland investiert. Dennoch zeigte sich Vorstandschef Jensen Huang kurz vor dem von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) initiierten Wirtschaftsgipfel ungewohnt direkt. In einem in London geführten Gespräch, das am Wochenende viral ging, bemängelte er das langsame Tempo bei der technologischen Umsetzung. Nichts schmerzt mich mehr, als zu sehen, dass eines der technologisch fortschrittlichsten Länder so weit abgehängt wird, sagte Huang in dem Bericht des Tagesspiegels.

FULL: Merz Joins Nvidia CEO Huang, Talks AI Safety, Regulation & Germany’s Industrial Future | AI1N

Kooperation für industrielle Künstliche Intelligenz im Kraftwerk Berlin besiegelt

Am Montagabend trafen Merz und Huang im Berliner Kraftwerk Berlin aufeinander, um die Differenzen hinter sich zu lassen. Vor rund 500 geladenen Gästen rollte der Kanzler den roten Teppich aus und verkündete den Abschluss einer offiziellen Partnerschaft. Das Bundeswirtschaftsministerium und das Forschungsministerium unterzeichneten eine entsprechende Absichtserklärung mit dem US-Konzern, wie ZDFheute und Regierungsquellen bestätigten.

Im Mittelpunkt der Initiative steht die sogenannte physische KI. Mithilfe spezieller KI-Modelle sollen Roboter und industrielle Anlagen trainiert und gesteuert werden. An dem Projekt beteiligen sich nach Medienangaben etwa ein Dutzend deutsche Unternehmen, darunter Siemens, die Volkswagen-Tochter Audi sowie das KI-Startup Black Forest Labs. Die staatliche Anschubfinanzierung soll unter anderem dazu dienen, Rechenkapazitäten auf einer KI-Cloud der Deutschen Telekom anzumieten.

Nvidia ceo jensen huang
Foto: ZDFheute

Wirtschaftsministerin Katherina Reiche nahm ebenfalls an der Auftakt-Gala teil und betonte gemeinsam mit Kanzler Merz die Entschlossenheit der Politik. Der Kanzler erklärte vor den anwesenden Spitzenvertretern, dass Deutschland offen für Geschäfte sei und bereit stehe, schneller zu wachsen. Neben Bundesfinanzminister und Vizekanzler Lars Klingbeil zählten rund 200 hochrangige Gäste aus Großunternehmen, Investmentbanken und Fonds zu den Teilnehmern. Unter ihnen befanden sich Larry Fink als Chef von BlackRock, Bernard Mensah von der Bank of America, Scheich Saoud Salem Abdulaziz Al-Sabah als Chef des Staatsfonds von Kuwait sowie Investorin Jeanette Fürstin zu Fürstenberg von General Catalyst.

Nvidia selbst blickt auf eine jahrzehntelange Verbindung zu Partnern im Land zurück: Bereits im Jahr 2000 war eine Kooperation mit dem deutschen PC-Spiele-Entwickler Crytek geschlossen worden. Über diese Verbindung öffneten sich dem US-Konzern damals die Tore zur deutschen Automobilindustrie. Heute ist das Unternehmen einer der größten Risikokapitalgeber in der Region, mit millionenschweren Beteiligungen an jungen Firmen wie Agile Robotics und dem Automatisierungsspezialisten n8n. Weltweit hat der Chipkonzern innerhalb von vier Jahren ein Beteiligungsportfolio von rund 50 Milliarden Dollar aufgebaut.

Wirtschaftsgipfel an der ESMT soll privates Kapital mobilisieren

Der eigentliche Konferenztag am Dienstag versammelt das halbe Bundeskabinett an der privaten Wirtschaftshochschule ESMT auf dem Schloßplatz im ehemaligen Staatsratsgebäude der DDR. Rund 200 internationale und nationale Vorstandschefs, Investmentbanker und Fondsmanager nehmen an dem Treffen teil, darunter Larry Fink von BlackRock und Mercedes-Chef Ola Källenius.

Um langfristig Innovation zu finanzieren und Wachstum zu generieren, muss vor allem privates Kapital mobilisiert werden, so die Bundesregierung.

FULL DISCUSSION: Nvidia Jensen Huang & German Merz Discuss AI, Robotics,Jobs, Germany’s Future |AC1E

Um dieses Kapital anzulocken, setzt die Regierung auf Reformen bei den Sozialsystemen, die Digitalisierung der Verwaltung und beschleunigte Genehmigungsverfahren für Rechenzentren. Der Kanzler betonte die Stärke des europäischen Binnenmarktes:.

Wir sind ein großer Markt, 450 Millionen Verbraucher, das sind 100 Millionen mehr als die Vereinigten Staaten von Amerika.

Friedrich Merz, Bundeskanzler

Experten und Verbände fordern konkrete Taten statt reiner Werbeeffekte

Trotz des glanzvollen Auftakts mahnen Ökonomen und Wirtschaftsverbände zur Vorsicht. Der ehemalige Wirtschaftsweiser Lars P. Feld erklärte im Gespräch mit SWR Aktuell, man wisse am Ende nicht genau, ob angelockte Investitionen nicht ohnehin in der Pipeline gewesen wären. Ähnlich äußerte sich Volker Treier, Außenwirtschaftschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages:.

Bundesregierung und Nvidia besiegeln Kooperation für Industrie-KI
Foto: Tagesspiegel

Entscheidend ist aber, dass aus dem Format konkrete und zusätzliche Investitionen werden.

Volker Treier, DIHK-Außenwirtschaftschef

Auch Nvidia-Chef Huang warnte die deutschen Unternehmen davor, ihr wertvolles Know-how unüberlegt preiszugeben. Er plädierte dafür, Industriedaten im Inland zu behalten und als nationale Ressource zur Entwicklung einer eigenen nationalen Intelligenz zu nutzen, statt sie an ausländische Konzerne zu verlieren.

Forschungsministerin Dorothee Bär strich die Bedeutung der hiesigen Technologie heraus und betonte, dass ohne deutsche Erfindungen keine fortschrittlichen Computerchips gefertigt werden können. Bis zum Jahr 2030 soll die Rechenzentrumskapazität im Land mindestens verdoppelt und für den Bereich der künstlichen Intelligenz sowie Hochleistungsrechner sogar mindestens vervierfacht werden. Zu den geplanten Vorhaben gehört auch die Industrial AI Cloud von Telekom und SAP in München, welche die souveränen KI-Kapazitäten um bis zu 50 Prozent erhöhen soll. Kritische Stimmen wie die des Roche-Deutschlandchefs Daniel Steiners blieben allerdings nicht aus; er kündigte an, sämtliche Investitionen des Pharmakonzerns in Deutschland wegen strenger Sparvorgaben im Gesundheitswesen auf den Prüfstand zu stellen.

Deal mit Nvidia-Chef Huang: Wie die deutsche Wirtschaft bei KI aufholen soll | ZDFheute live

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David Falk

Über den Autor

David Falk verantwortet das Wirtschafts- und Unternehmensressort von Germanic Nachrichten. Er berichtet ueber Maerkte, Mittelstand, Innovation und strategische Entwicklungen in deutschen und internationalen Unternehmen.

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