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Unternehmen

Medien: Abramowitsch verschleierte Vermögen mit Hilfe von Deloitte und MeritServus

Wirtschaftsprüfungsgesellschaften geraten ins Visier: Interne Unterlagen belegen, dass Deloitte in Zypern und der Dienstleister MeritServus dem russischen Oligarchen Roman Abramovich dabei halfen, Vermögenswerte im Wert von mindestens zehn Milliarden US-Dollar zu verschleiern und Steuern zu umgehen.

Eine großangelegte Medienrecherche bringt massive Vorwürfe gegen die Bilanzprüfer ans Licht. Dokumente aus den Jahren 1999 bis 2013 zeigen, dass mehr als 100 Firmengeflechte und rückdatierte Unterlagen genutzt wurden, um das wahre Ausmaß des Vermögens des früheren Eigentümers des FC Chelsea zu verbergen.

Die Rolle von Deloitte und MeritServus bei der Vermögensverschiebung

Im Zentrum der Enthüllungen steht ein Firmengeflecht rund um die zypriotische Gesellschaft Electus Investments. Recherchen von BBC, The Bureau of Investigative Journalism, The Guardian und dem Organized Crime and Corruption Reporting Project (OCCRP) deckten auf, dass Berater des Unternehmens MeritServus das gesamte geschäftliche Vermögen des Oligarchen im Wert von mehr als zehn Milliarden US-Dollar verlagerten. Die Konten wurden von einer zypriotischen auf eine gleichnamige Gesellschaft auf den Britischen Jungferninseln transferiert, wie die BBC berichtet.

Medien: Abramowitsch verschleierte Vermögen mit Hilfe von Deloitte und MeritServus
Foto: bbc.co.uk

Um neue Transparenzregeln zu umgehen, die auf Zypern in Kraft traten, unterzeichneten und datierten Mitarbeiter von MeritServus Dokumente zurück, um fälschlicherweise darzustellen, dass das Unternehmen in den Britischen Jungferninseln das Vermögen besessen hatte. So besaßen die offengelegten Konten der gleichnamigen zypriotischen Firma am Ende lediglich Vermögenswerte in Höhe von 145.000 US-Dollar, während das gesamte Vermögen des Oligarchen unzugänglich gemacht wurde.

Um neue Transparenzregeln zu umgehen, die 2006 auf Zypern in Kraft traten, wurden die Dokumente auf den 20. November 2003 rückdatiert. Dadurch sollte der Eindruck entstehen, die dortige Gesellschaft besitze das große Vermögen schon seit Jahren nicht mehr. Als die Jahresabschlüsse der zypriotischen Firma später veröffentlicht wurden, wiesen sie offiziell lediglich Vermögenswerte in Höhe von 110.000 britischen Pfund beziehungsweise 145.000 US-Dollar aus, so eine Auswertung von durchgesickerten Dokumenten.

The documents that were falsified to allow Roman Abramovich to evade tax.  #BBCPanorama  #BBCNews

Versteckte Yachten, Privatjets und Steuermanöver in Zypern

Neben dem Hauptvermögen betraf die angebliche Verschleierung auch eine Reihe von Luxusgütern. Finanzkonten, die von Deloitte geprüft wurden, ließen nach Angaben der Ermittler ein Volumen von 672 Millionen US-Dollar an Immobilien, Jachten und Privatjets vermissen, wie die Nachrichtenagentur Anadolu unter Berufung auf die Medienkooperation meldet. Darunter befanden sich unter anderem ein Anwesen in West Sussex, eine Luxuswohnung in London, Hubschrauber, Supersportwagen und die Jacht Pelorus im Wert von 111,5 Millionen Pfund.

Ein weiteres betroffenes Unternehmen, Kravin Investments, war in ein mutmaßliches Steuervermeidungsmodell verwickelt. E-Mails aus dem Jahr 2005 belegen, dass Berater vorschlugen, Bilanzwerte anzupassen, um rund 1,5 Milliarden britische Pfund an Zinserträgen steuerfrei zu halten. Dazu wurden Aufzeichnungen so geändert, dass Kravin das Geld angeblich nur für eine Muttergesellschaft auf den Jungferninseln hielt und somit keine Steuerpflicht auf Zypern entstand.

Reaktionen aus der Politik und juristische Einschätzungen

Experten und Politiker werten das Vorgehen als gezielte Verschleierung. Lord Sikka, ein Labour-Peer und Professor für Rechnungswesen, warf den Finanzberatern vor, eine Betrugsfabrik zu betreiben, da erhebliche Summen rückwirkend verschoben wurden, um etwas zu vertuschen. Der britische Jurist Andrew Mitchell KC bezeichnete den Vorgang als klassischen Fall von Steuerhinterziehung. Ein Verfahren in England hätte seiner Ansicht nach unmittelbar zu Ermittlungen durch die britischen Steuerbehörden geführt.

Der zypriotische Abgeordnete Christos Christofides forderte Konsequenzen. Man müsse prüfen, wie entgangene Steuern zurückgeholt werden und Verantwortliche zur Rechenschaft gezogen werden können. Die Anwälte von Roman Abramovich wiesen die Vorwürfe zurück; der Oligarch sei nicht in das operative Tagesgeschäft eingebunden gewesen und habe sich rechtmäßig auf professionelle Berater verlassen. Deloitte Cyprus erklärte seinerseits, man handle im Einklang mit geltenden Gesetzen und könne sich zu Vorgängen, die über zwei Jahrzehnte zurückliegen, nicht im Detail äußern.

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David Falk

Über den Autor

David Falk verantwortet das Wirtschafts- und Unternehmensressort von Germanic Nachrichten. Er berichtet ueber Maerkte, Mittelstand, Innovation und strategische Entwicklungen in deutschen und internationalen Unternehmen.

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