Bärbel Bas ist am 12. Oktober 2026 mit sofortiger Wirkung als Bundesarbeitsministerin und Co-Vorsitzende der SPD zurückgetreten. Als Gründe nannte die Duisburger Politikerin die Trauer nach dem Tod ihrer Stieftochter sowie scharfe öffentliche Angriffe aus den Reihen des Koalitionspartners.
Der sofortige Rücktritt und die persönlichen Gründe von Bärbel Bas
Bärbel Bas legte sowohl den SPD-Vorsitz mit dem heutigen Tag nieder als auch ihr Amt als Bundesministerin für Arbeit und Soziales. In einer persönlichen Erklärung begründete die 58-Jährige diesen Schritt in erster Linie mit ihrer familiären Situation.
Der schleswig-holsteinische SPD-Landesvorsitzende Ulf Kämpfer erklärte dazu, dass Bärbel Bas eine schwere und sehr persönliche Entscheidung getroffen habe. Der Vorsitzende der Duisburger SPD, Mahmut Özdemir, betonte, sie habe viel für alle erduldet und den Rücken breit gemacht für diejenigen in der Gesellschaft, die nicht mit dem goldenen Löffel segnet waren. Die in Walsum geborene Politikerin blickt auf eine politische Laufbahn zurück, die sie nach ihrer Zeit als direkt gewählte Bundestagsabgeordnete für den Wahlkreis Duisburg I ab 2009 und als Bundestagspräsidentin von 2021 bis 2025 schließlich im Mai 2025 in das Bundesarbeitsministerium und im Juni 2025 an die Parteispitze führte.
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„Nach dem Tod meiner Stieftochter habe ich festgestellt, dass ich Zeit brauche, um die Trauer zu verarbeiten. Diese möchte ich mir ausreichend nehmen. Da ich momentan nicht die Kraft aufbringen kann, kurzfristig meine Regierungs- und Parteiarbeit vollumfänglich auszuüben, habe ich mich entschieden, beide Ämter aufzugeben.“
Bärbel Bas, Bundesarbeitsministerin und SPD-Co-Vorsitzende, via WELT
Bereits im Jahr 2020 war ihr Ehemann Siegfried Ambrosius verstorben. Nun folgte der erneute Schicksalsschlag innerhalb der Familie. Während Bas ihren direkten Verbleib im Deutschen Bundestag als Abgeordnete für ihren Wahlkreis Duisburg I beibehalten will, führt the Entschluss zu einer sofortigen personellen Vakanz an der Regierungs- und Parteispitze.
Scharfe Vorwürfe gegen den Koalitionspartner und Reaktionen der SPD
Neben dem familiären Trauerfall machte Bas in ihrer Erklärung unmissverständlich klar, dass auch der politische Druck und öffentliche Angriffe aus den Reihen des Koalitionspartners zu ihrer Entscheidung beigetragen haben. Unionspolitiker hatten sie in den Wochen zuvor massiv kritisiert und ihr vorgeworfen, notwendige Gesetzentwürfe für Reformen bei der Rente und am Arbeitsmarkt zu verschleppen. Die nordrhein-westfälische SPD zeigte sich von dem Rückzug tief betroffen. Sarah Philipp, die Landesvorsitzende der NRW-SPD, würdigte Bas als herausragende Sozialdemokratin mit klarer Haltung. Jochen Ott, der SPD-Spitzenkandidat für die Landtagswahl 2027, unterstrich, dass Bas stets eine große Bodenhaftung bewiesen und als Arbeiterkind aus dem Ruhrgebiet gezeigt habe, dass Menschen aus allen Milieus in dieser Demokratie das Land mitbestimmen können.
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Innerhalb der SPD löste das Vorgehen der Union Entsetzen aus. Vizekanzler und Co-Parteichef Lars Klingbeil zeigte sich tief betroffen und kritisierte die Angriffe in der Endphase der Trauerzeit scharf. Die Attacken seien unanständig und gehörten sich nicht, so Klingbeil, der wegen der Personalentscheidung sogar seine geplante Indien-Reise absagte.
- Der nordrhein-westfälische SPD-Spitzenkandidat Jochen Ott kritisierte mangelndes Mitgefühl und betonte, dass menschliche Werte in den letzten Wochen auf der Strecke geblieben seien.
- Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig bezeichnete das Verhalten der CDU gegenüber der trauernden Ministerin als vollkommen unmenschlich und rücksichtslos.
- Bundeskanzler Friedrich Merz wies die Kritik dagegen zurück und erklärte, er habe stets sachlich mit Bas diskutiert und seinerseits auf jede nötige Rücksichtnahme gepocht. Auch NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst äußerte großes Mitgefühl und betonte, dass sich Eltern niemals von ihren Kindern verabschieden müssen sollten.
Alexander Schweitzer als designierter Nachfolger im Arbeitsministerium
Für die Nachfolge an der Spitze des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales hat sich die SPD bereits festgelegt. Bundeskanzler Friedrich Merz bestätigte, dass der frühere rheinland-pfälzische Ministerpräsident Alexander Schweitzer für das Amt nominiert und dem Bundespräsidenten zur Ernennung vorgeschlagen wird.

Schweitzer, der zuletzt als Fraktionschef im rheinland-pfälzischen Landtag agierte, übernimmt damit ein Ressort, das zuletzt wegen des Reformstaus bei der Rentenpolitik im Zentrum heftiger Koalitionskonflikte stand. Ob unter Schweitzer die anvisierten Gesetzesvorhaben beschleunigt werden können, bleibt abzuwarten, zumal er selbst bereits kritische Positionen zu bestimmten Elementen der bisherigen Rentenpläne eingenommen hatte.
Weichenstellung für die gesamte SPD-Spitze
Der Rücktritt von Bärbel Bas reißt auch an der Parteispitze eine Lücke. Da Bas erst im Juni 2025 neben Lars Klingbeil den Co-Vorsitz der Partei übernommen hatte, muss sich die SPD nun grundlegend neu aufstellen.
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Klingbeil kündigte an, dass ein ordentlicher Parteitag im Dezember oder Januar einberufen wird, auf dem die gesamte Führungsspitze der Partei neu gewählt werden soll.
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