Die Schweizer Radfahrerin Marlen Reusser hat am letzten Tag der Tour de France einen Podestplatz in der Gesamtwertung verpasst und ist auf Rang 14 zurückgefallen. Trotz eines schweren Sturzes in einer Rechtskurve am Col d’Èze quälte sich die 34-Jährige ins Ziel, landete auf der Schlussetappe jedoch abgeschlagen auf Platz 109 mit einem Rückstand von 24:35 Minuten auf die Siegerin NZZ.
Körperlicher Einbruch und rätselhafte Kraftverluste
Obwohl der Sturz die Situation verschlimmerte, betonte Reusser selbst, dass sie das Podium nicht erst durch das Malheur verloren habe. Laut eigenen Angaben seien ihr bereits zuvor die Beine versagt und sie habe gewusst, dass es nicht mehr für eine Platzierung unter den Top Drei reichen würde. Sie beschrieb die Fahrt ins Ziel nach dem Sturz als eine Art Prozession
, unterstützt durch ihre Teamkolleginnen.

Die Ursachen für den plötzlichen Leistungsabfall sind für Reusser, die ausgebildete Ärztin ist, sowie für ihr Team derzeit ein Rätsel. Die Zeitfahr-Weltmeisterin von 2025 berichtete, dass sie an der drittletzten Etappe mit Ziel auf dem Mont Ventoux Wattwerte erreicht habe, die sie selbst nicht für möglich hielt, am Folgetag jedoch komplett am Anschlag
gewesen sei. Eine Analyse ergab eine ungleichmäßige Kraftverteilung: 45 Prozent der Kraft kamen aus dem linken Bein, 55 Prozent aus dem rechten, wodurch der Tritt nicht rund war. Reusser schloss klassische Fehler wie schlechte Ernährung oder Dehydrierung aus, räumte jedoch ein, dass dies ein Schwachpunkt sein könnte.
Ein Wechselbad der Gefühle: Vom Gelben Trikot zum Frust
Die Tour verlief für die Bernerin zunächst sehr erfolgreich. Auf der vierten Etappe gewann sie das Einzelzeitfahren in Dijon souverän und übernahm damit erstmals in ihrer Karriere das Gelbe Trikot. Sie trug das Maillot jaune drei Tage lang, bis sie es auf der Königsetappe am Mont Ventoux an Kasia Niewiadoma-Phinney abgeben musste. Zu diesem Zeitpunkt schien ein Podestplatz fast sicher, da sie einen Vorsprung von mehr als zwei Minuten auf die Gesamtvierte Elisa Longo Borghini hatte.

Der Abstieg begann bereits auf Etappe 8, als Reusser im Finale nicht mehr mit den drei Besten – Vollering, Niewiadoma-Phinney und Longo Borghini – mithalten konnte und rund eine halbe Minute verlor. Letztlich sicherte sich die Italienerin Longo Borghini den dritten Platz, den Reusser zuvor anvisiert hatte.
Historie und körperliche Folgen
Der Sturz am letzten Tag führte zu Schürfwunden sowie Prellungen im Brustkorb und an der Hüfte. Reusser bezeichnete diese Verletzungen im Vergleich zur Enttäuschung über den verlorenen Podestplatz jedoch als Peanuts
. In Nizza flossen nach dem Zieleinlauf bittere Tränen, wobei sie von ihrer Teamkollegin Sara Martin getröstet wurde.
Für Reusser bleibt die Tour de France eine Geschichte, die oft von Pech begleitet wurde:
- 2022: Gewinn der vierten Etappe nach einem 23-Kilometer-Solo; Aufgabe auf der sechsten Etappe nach einem Sturz.
- 2024: Aussetzen aufgrund von Long Covid.
- Vergangenes Jahr: Abbruch bereits am ersten Tag wegen einer Lebensmittelvergiftung.
Trotz des Rückschlags blickt die dreifache Tour-de-Suisse-Siegerin (2023, 2025, 2026) auf ihre nächsten Ziele. Nach einer kurzen Pause stehen in einer Woche Windkanal-Tests an, bevor Ende September die Weltmeisterschaft in Kanada folgt.
Die Gesamtwertung der Tour de France Femmes
| Rang | Fahrerin | Nationalität |
|---|---|---|
| 1 | Demi Vollering | Niederlande |
| 2 | Kasia Niewiadoma-Phinney | Polen |
| 3 | Elisa Longo Borghini | Italien |
| 14 | Marlen Reusser | Schweiz |
Reusser beendete das Rennen mit einem Gesamtrückstand von 19:44 Minuten auf die Top 5 und 10:43 Minuten auf die Top 10, wie Radsport-News.com berichtete.
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