Die Beziehungen zwischen Ottawa und Washington sind nach dem Scheitern wichtiger Handelsgespräche stark belastet. Wie der kanadische Premierminister Mark Carney mitteilte, wurden die Verhandlungen mit den USA ausgesetzt, nachdem die Gespräche zusammengebrochen waren. US-Präsident Donald Trump hatte zuvor erklärt, dass Zölle auf kanadische Autos, Lastwagen, Autoteile und Stahl auf 50 Prozent erhöht werden sollten, während US-Handelsbeauftragter Jamieson Greer dem kanadischen Premierminister vorwarf, neue Forderungen eingebracht zu haben, die das erzielte Gleichgewicht ins Wanken gebracht hätten. Kanada kündigte umgehend an, die Zölle von 50 Prozent auf Einfuhren im Wert von rund 28 Milliarden US-Dollar zum Schutz der heimischen Beschäftigten und Unternehmen dollar-für-dollar zu erwidern.
Handelskonflikt und Zuspitzung der Spannungen mit den USA
Die wirtschaftlichen Auseinandersetzungen zwischen den beiden nordamerikanischen Nachbarn, die sich unter anderem in US-Zöllen auf Güter wie Wein und Hockeyschläger niederschlagen, führten zu einer tiefgehenden Entfremdung. Mark Carney, der im März 2025 als Nachfolger von Justin Trudeau als Premierminister und Vorsitzender der Liberalen Partei vereidigt worden war, geriet im Zuge dieser Entwicklung zunehmend in einen offenen Kurskonflikt mit Washington. Nachdem Carney bereits auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos den Bruch der regelbasierten Weltordnung und die wachsende Grossmachtkonkurrenz kritisiert hatte, reagierte US-Präsident Donald Trump scharf, warf ihm mangelnde Dankbarkeit vor und zog eine Einladung an Mark Carney für einen Sitz in seinem «Friedensrat» zurück.
Annäherung an die Europäische Union und Besuch in Strassburg
Angesichts der massiven Handelskonflikte mit den Vereinigten Staaten suchen sowohl Kanada als auch die Europäische Union nach neuen Partnern. Mark Carney wurde bei seinem Besuch im EU-Parlament im französischen Strassburg von zahlreichen Abgeordneten mit einem warmen Empfang begrüsst. In seiner Rede betonte der kanadische Regierungschef, dass eine überwältigende Mehrheit der Kanadier sich engere Beziehungen zur EU wünsche. Ein neues Bündnis solle auf gemeinsamen Stärken aufbauen und gemeinsame Werte stützen, so Carney weiter.

Kanada und die EU sind bereits seit dem Jahr 2017 durch das Freihandelsabkommen Ceta miteinander verbunden, wobei EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen angab, dass der Warenhandel dank des Abkommens um 76 Prozent angestiegen sei. Zudem war Kanada im vergangenen Jahr das erste aussereuropäische Land, das von der EU in das Verteidigungsprogramm Safe aufgenommen wurde. Bei den Gesprächen in Strassburg loteten beide Seiten die Vertiefung der Partnerschaft aus.
Geplante Vertiefung der strategischen Zusammenarbeit
Während seines Aufenthalts im EU-Parlament erklärte Mark Carney, dass er die Kooperation mit der Staatengemeinschaft in zahlreichen strategischen Bereichen ausbauen wolle. Auf der kanadischen Wunschliste stehen dabei folgende Schwerpunkte:

- Zusammenarbeit bei seltenen Rohstoffen und Rüstungsprojekten
- Gemeinsame Vorhaben im Bereich der künstlichen Intelligenz, Energiesicherheit und Raumfahrt
- Verstärkter Austausch im Zahlungsverkehr sowie beim Handel mit nichtlandwirtschaftlichen Gütern und Dienstleistungen
- Teilnahme an europäischen Bildungs- und Forschungsprogrammen wie Erasmus+ und Horizon
Eine vollständige Mitgliedschaft Kanadas in der EU schliessen die europäischen Verträge schon aus geografischen Gründen aus, und auch eine Assoziierung an die europäische Personenfreizügigkeit ist laut EU-Quellen nicht vorstellbar. Dennoch strebt Ottawa eine engere institutionelle und wirtschaftliche Verflechtung an, um die einseitige Abhängigkeit von den USA zu reduzieren und neue Handlungsspielräume auf internationaler Ebene zu sichern.
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