Eine neue US-Tankstellenkette verkaufte im Juli Benzin zu stark rabattierten Preisen und erhielt dafür öffentliches Lob vom Weißen Haus. Eine Bundesklage des Erdölvertriebs Mansfield Oil enthüllt nun, dass Treibstoff im Wert von vier Millionen Dollar unbezahlt blieb, während Betreiber wie KRSM und die Kazmi-Brüder mit massiven Umweltstrafen konfrontiert sind.
Im vergangenen Sommer sorgte eine neu auftretende Tankstellenkette im Großraum Philadelphia und darüber hinaus für Schlagzeilen und lange Schlangen. Unter der Marke Freedom Fuel Network boten verschiedene Standorte Kraftstoff zu Preisen an, die deutlich unter dem damaligen Marktdurchschnitt lagen.
Millionenklage von Mansfield Oil enthüllt unbezahlte Rechnungen
Eine Antwort auf das wirtschaftliche Rätsel hinter den Discountpreisen liefert nun ein Zivilverfahren vor einem Bundesgericht in Philadelphia. Wie The Philadelphia Inquirer berichtet, hat der georgische Erdölvertrieb Mansfield Oil Company of Gainesville, Inc. Anfang des Monats Klage gegen KRSM Inc. eingereicht. Demnach soll das Unternehmen im Mai über den von Energy Transfer betriebenen Twin Oaks Terminal in Aston, Delaware County, Benzin bezogen und an Tankstellen des Freedom Fuel Network verteilt haben.

Die Klägerseite macht geltend, dass KRSM rund 1,12 Millionen Gallonen Benzin im Gesamtwert von knapp vier Millionen Dollar abnahm, die Rechnungen jedoch trotz vertraglicher Fälligkeit innerhalb von zehn Tagen nicht beglich. Laut der bei dem zuständigen Bundesgericht eingereichten Gerichtsschrift habe Mansfield Oil dargelegt, dass KRSM nur deshalb in der Lage gewesen sei, solchen Kraftstoff zu so niedrigen Preisen zu verkaufen und eine derartige Publicity zu erzielen, weil das Unternehmen Mansfield niemals für diesen Kraftstoff bezahlt habe. Die Klage führt neben Vertragsbruch fünf weitere Anklagepunkte an und fordert die vollständige Summe samt aufgelaufener Zinsen und Anwaltskosten.
Die Rolle des Weißen Hauses und das politische Echo
Die Eröffnung des ersten Standorts Anfang Juli an der Dreshertown Road in Upper Dublin Township, Montgomery County, hatte landesweit für Aufsehen gesorgt. Damals wurde der Kraftstoff für 3,47 Dollar pro Gallone verkauft, was als bewusste Anspielung auf US-Präsident Donald Trump und dessen Status als 47. Präsident verstanden wurde.

Der offizielle Account des Weißen Hauses teilte über X mit, Präsident Trump führe in diesem Sommer den Feldzug zur Senkung der Benzinpreise an und sorge so für mehr Geld im Geldbeutel der Bürger.
Das Weiße Haus distanzierte sich jedoch von jeglicher operativen oder finanziellen Verflechtung mit den Betreibern. Ein Regierungssprecher betonte gegenüber den Medien, dass Freedom Fuel ein privates Unternehmen sei, das keine staatlichen Subventionen erhalte, sondern lediglich freiwillig auf Gewinnspannen verzichte, um die Kraftstoffkosten für Autofahrer in Pennsylvania und New Jersey zu senken.
Umweltverstöße und juristische Vorgeschichte der Betreiber
Hinter den Kulissen der expandierenden Tankstellenkette stehen komplexe Eigentümerstrukturen und eine Reihe früherer Konflikte. So sind der Geschäftsmann Syed Kazmi als Präsident von KRSM und sein Bruder, der Immobilienentwickler Shamikh Kazmi aus Cherry Hill, mit mindestens acht der insgesamt 29 Freedom-Fuel-Standorte verbunden. Laut den Recherchen von The Philadelphia Inquirer waren die Brüder in der Vergangenheit bereits in andere Rechtsstreitigkeiten verwickelt, darunter ein Markenstreit mit BP im Jahr 2021 sowie Anschuldigungen eines anderen Kraftstoffhändlers.

Zudem lasten erhebliche behördliche Sanktionen auf den Anlagen. Das New Jersey Department of Environmental Protection (DEP) verhängte im Mai, noch vor dem offiziellen Start des Netzwerks, Bußgelder in Höhe von insgesamt 429.900 Dollar gegen 17 von Shamikh Kazmi verwaltete Stationen, die teilweise in das Freedom Fuel Network integriert wurden. Die Behörde begründete die scharfen Maßnahmen damit, dass die Betreiber bei unterirdischen Tankanlagen, Luftreinhaltungsvorschriften und der Registrierung wiederholt, erheblich und substanziell gegen die geltenden Gesetze des Bundesstaates verstoßen hätten.
Expertenzweifel am langfristigen Geschäftsmodell
Unabhängige Branchenkenner äußerten sich von Beginn an skeptisch über die Nachhaltigkeit der niedrigen Zapfsäulenpreise. Tom Kloza, Chef-Energieberater von Gulf Oil, erklärte gegenüber Medien, dass Tankstellen ohne Querfinanzierungen kaum in der Lage seien, dauerhaft unter den Einstandskosten zu arbeiten. Ähnlich äußerte sich Jeff Lenard, Sprecher der National Association of Convenience Stores, der darauf hinwies, dass allein der Großhandelspreis für Benzin in der Region Philadelphia die Marke von drei Dollar pro Gallone übersteige und massive staatliche Steuern sowie Betriebskosten hinzukämen.
Eine vom Washington Post ausgewertete Analyse von FuelTrust ergab, dass das Halten derart niedriger Preise die Kette allein im direkten Vergleich zur Konkurrenz erhebliche Summen an täglichen Einnahmen kosten konnte. Während das Netzwerk im Spätsommer auf 29 Standorte anwuchs, bleiben viele Fragen zu den internen Finanzströmen, der tatsächlichen Unternehmensstruktur und der Zukunft der betroffenen Tankstellen ungeklärt.
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