Eine Grand Jury in Texas hat am 30. Oktober 2026 den ICE-Agenten Mario Alberto Morales wegen schwerer Körperverletzung mit einer tödlichen Waffe angeklagt. Der Beamte soll während einer Razzia am 10. Oktober in Houston einen 48-jährigen mexikanischen Bauarbeiter mit einem Geländewagen angefahren und schwer am Bein verletzt haben.
Anklage nach rasantem Einsatz in Houston
Der Fall markiert einen seltenen Vorgang im texanischen Justizwesen. Staatsanwalt Sean Teare und Sheriff Ed Gonzalez gaben die Entscheidung der Grand Jury während einer gemeinsamen Pressekonferenz am 30. Oktober 2026 bekannt. Der beschuldigte Agent, der als Deportation Officer bei der US-Einwanderungs- und Zollbehörde ICE in Houston tätig ist, wird beschuldigt, am Morgen des 10. Oktober in einem Parkplatzbereich nahe der Kreuzung von Texas 6 und Clay Road den mexikanischen Arbeiter Miguel Parra-Hernandez aggressiv mit seinem Fahrzeug gerammt zu haben.
Vor seiner Tätigkeit bei den Einwanderungsbehörden diente Mario Alberto Morales in der United States Army als Militärpolizist sowie als Fallschirmjäger bei der 82. Luftlandedivision in Fort Bragg im US-Bundesstaat North Carolina. Später setzte er seine Laufbahn im Justiz- und Sicherheitsbereich fort, unter anderem als Vollzugsbeamter beim texanischen Ministerium für Strafvollzug sowie als Transport- und Detentionsbeamter im Port Isabel Detention Center in Südtexas, bevor er im Jahr 2025 als Deportation Officer zu den Enforcement and Removal Operations von ICE wechselte.
Parra-Hernandez, der aus Mexiko stammt und als Bauarbeiter seit Jahrzehnten in Houston lebt, besitzt nach Angaben der Staatsanwaltschaft weder eine kriminelle Vorgeschichte noch lag eine Abschiebeverfügung gegen ihn vor. Bei dem Vorfall erlitt er Mehrfachbrüche an seinem rechten Bein sowie eine Verletzung am Knöchel, die chirurgisch versorgt werden mussten. Das Verfahren folgt auf eine vorherige Kontroverse zwischen den lokalen Strafverfolgungsbehörden und Bundesstellen bezüglich der Ereignisse.

Widersprüchliche Aussagen und Videomaterial
Bundesbeamte erklärten, dass die Operation auf einen Mann namens Jose Mendoza-Cervantes abzielte, von dem die Einsatzkräfte fälschlicherweise annahmen, er sei in Begleitung von Parra-Hernandez unterwegs gewesen. Die Tochter von Mendoza-Cervantes erklärte jedoch gegenüber Repräsentanten der New York Times, dass ihr Vater bereits im Jahr 2017 verstorben sei. Auch die Familie von Parra-Hernandez bestritt jegliche Bekanntschaft zwischen den beiden Männern.
Das Vorgehen rief heftige Reaktionen hervor. Behörden veröffentlichten Bodycam-Aufnahmen, in denen Morales selbst einräumt, den Mann mit seinem Fahrzeug erfasst zu haben. Zwar wird der genaue Moment des Zusammenstoßes in der Videoaufzeichnung einer nahegelegenen Bäckerei kurzzeitig durch ein anderes Fahrzeug verdeckt, doch zeigen die Bilder den verletzten Mann unmittelbar danach am Boden liegenden.
Lokale Ermittler äußerten scharfe Kritik an der mangelnden Kooperation von Bundesbehörden. Bis zum 23. Oktober hatten lokale Medien und Ermittler durch einen Durchsuchungsbefehl festgehalten, dass ihnen kein Zugang zu dem betroffenen Geländewagen gewährt wurde. Nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft könnte das Wegbringen des Fahrzeugs vom Einsatzort dazu geführt haben, dass relevante digitale Unfallaufzeichnungen gelöscht oder beschädigt wurden.
Politische Spannungen und rechtliche Kontroverse
Die Anklage stieß auf heftigen politischen Widerstand von Bundesstellen und Kritikern. Ein offizieller Sprecher von ICE bezeichnete das Verfahren in einer Mitteilung als politischen Trick von texanischen Politikern und betonte, dass Bundesbedienstete im Dienst ausschließlich von anderen Bundesbehörden untersucht werden dürften. Diese Darstellung wies Staatsanwalt Sean Teare als unzutreffend zurück.

Auch die Verteidigung und Bundesvertreter kritisierten das Vorgehen scharf. So warf der US-Bundesstaatsanwalt Aaron Reitz in Houston der lokalen Staatsanwaltschaft vor, den Beamten gezielt ins Visier genommen zu haben. Rechtsexperten erwarten zudem Versuche, das Verfahren aufgrund des Status des Bundesangestellten an ein Bundesgericht zu überweisen.
Im US-Repräsentantenhaus und bei lokalen Interessenvertretungen wie FIEL, vertreten durch den Exekutivdirektor Cesar Espinosa sowie Familienmitglieder des Verletzten wie seinen Bruder Rodolfo Parra und seine Nichte Cassandra Serrano, wurde das Vorgehen scharf kritisiert. Kongressabgeordnete Sylvia Garcia kritisierte die Rekrutierungspraktiken der Bundesbehörden.
Parallelen wurden zudem zu einem weiteren Vorfall in Houston gezogen, bei dem der ICE-Agent Gregory Feathers am 7. Juli das Auto des auf dem Weg zur Arbeit befindlichen mexikanischen Staatsbürgers Lorenzo Salgado Araujo beschoss. Während Bundesbehörden in jenem Fall von Selbstverteidigung sprachen, wiesen überlebende Insassen diese Darstellung zurück. Die Prüfung und Auswertung jenes Falls soll nach Behördenangaben noch vor Thanksgiving abgeschlossen werden.

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